Mitreden, wenn etwas in deiner Stadt passiert!

Wenn in deiner Stadt gebaut wird, dann ist sie darauf angewiesen, dass du ihr mitteilst, was du dir wünschst. Lies mehr zum Thema Bürgerbeteiligung auf raumzeichner.de

Es wird gebaut. Überall und ständig. Das ist ja ein ganz gutes Zeichen, denn dann hat das Land oder die Stadt offensichtlich Geld. Oder es gibt Investoren, die investieren. Bauen ist auf jeden Fall immer gut für die Wirtschaft, nicht allerdings für den Verkehr oder die Nerven der gestressten Bewohner.

Damit die Bewohner einer Stadt allerdings Verständnis für die zahlreichen Baustellen aufbringen können, bedarf es der Bürgerbeteiligung. Bewohner einer Stadt möchten wissen, was um sie herum geschieht und warum die Straße vor ihrer Haustür morgens um 7 Uhr aufgerissen wird und die Fenster die nächsten 6 Monate nur noch nachts geöffnet werden können. Das Interesse der Bürger ist da, denn sie wohnen in den Gegenden, die sich verändern. Allerdings mangelt es an der Kommunikation zwischen Bewohnern und Entscheidern.
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Görlitz | Geliebtes Schmuckstück an der Neiße

Görlitz Reisebericht

Görlitz ist eine Stadt, die jemand so sehr liebt, dass er ihr jährlich eine Million D-Mark spendet. Und alle anderen mögen Görlitz auch, auch wenn sie etwas weniger spendabel sind.

Nach einer Woche Aufenthalt in Görlitz (Sachsen) wird aus den vielen Eindrücken ganz allmählich ein vages Gesamtbild eines städtischen und kulturellen Gefüges.

Bahnhof Görlitz

Ausgehend vom Bahnhof Görlitz in Richtung Altstadt entwickelt sich ein widersprüchliches Bild einer Stadt, die ihr baukulturelles Erbe liebt und schätzt und dennoch allerorten mit dem Zerfall zu kämpfen hat.
Wer den Bahnhof inmitten des pulsierenden Lebens der Stadt vermutet, irrt. An historisch wertiger Position am Ende einer langen, prunkvollen Sichtachse wirkt er bei näherer Betrachtung abgeschottet und vereinsamt. Eine wenig befahrene üppige Straße, die sicher ausreichend Platz für viele schmucke Kutschfuhrwerke geboten hat, ist inzwischen zerschnitten von Straßenbahnschienen. Als Fußgänger fühlt man sich ungewollt und abgeschnitten von der Stadt, die man besuchen möchte. Die wertigen Ausformungen im und am Bahnhof haben den Besucher zuerst glauben lassen, in eine einladende Stadt zu treten. Verlässt er die Bahnhofshalle in Richtung Stadt, sieht er sie in vermeintlich weiter Ferne und sein Blick sucht sogleich die strahlend gelben Taxen zu seiner Rechten. Die Schneise, die durch Schienen und PKW-Verkehr zwischen den Bahnhof und die Stadt geschlagen wird, erscheint nur allzu abweisend. Als wolle Görlitz vermeiden, dass man die Schönheit dieser Stadt doch noch entdecken kann.

Sog in die Stadt

Lässt man sich von der Sichtachse in die Stadt ziehen, säumen auf beiden Seiten verkommene, leerstehende Stadthäuser die Straße. Verlorene Sitzbänke stehen auf den breiten Gehwegen und der Verkehr ist so ruhig, dass man ohne Zögern über die Straßenbahnschienen läuft, während man von einer Straßenseite zur anderen wechselt, um die verstreuten schönen Fassaden zu betrachten.
‚Zu verkaufen‘ reiht sich neben ‚zu vermieten‘ und subversive Geschöpfe schrieben mit den Fingern die Frage in den Staub der Verbretterung, wann denn ‚ihr Merkur zugemacht‘ hätte. ‚Freier Wohnraum für alle‘ wird da gefordert während andere Häuser ihren braocken Schmuck stolz in die Frühjahrssonne recken.

Soziales Leben in der Stadt

Mit einem prunkvollen Portal, an dem sich Jugendstilschönheiten (oder doch ein anderer Stil?) sonnen, läd die Straußberg-Passage ein, zu flanieren und in den teuer anmutenden Läden viel hart erarbeitetes Geld zu lassen. Zugegeben, die Passage hat ihren Namen verdient und läd wirklich ein, hinein zu gehen. Romantisch anmutend recken sich in Reih und Glied die Ladenschilder in den Luftraum über den Köpfen und anmutig hängen grüne Banner von der Decke. Alles ist sauber und Lichtdurchflutet und trotzdem schafft es kein Laden, mein Interesse zu wecken.
Wieder raus und der Sichtachse weiter folgend erscheint das Café Central, das den Platz vor sich bemerkenswert gut nutzt. Tischgruppen mit Sonnenschirmen verteilen sich auf einen dreieckigen Platz zwischen Straßenbahnschienen und wirken doch so einladend, dass man sich fragt, wie sie das wohl hinbekommen haben. So ein unwirtlicher Ort mit Schienen und Straßen läd doch sonst auch nicht zum Verweilen ein. Hier schon.

Hohe-Str. / Christoph-Lüders-Str Görlitz

Manch ein Platz in Görlitz ist gesäumt von vielerlei schönen Fassaden. Die alte Post beispielsweise steht an einem wunderschönen Platz, der sogar im kühlen März schon Passanten dazu einlädt, mit einem warmen Kaffee auf den Bänken Platz zu nehmen und ein Schwätzchen zu halten.
Das alte Kaufhaus Görlitz wird gerade renoviert, wie die Beschilderung angibt. Währenddessen steht dahinter, fast verschämt im Eck, ein neues Einkaufszentrum, dessen Schönheit zweifelhaft ist aber dem modernen Bild von Einkaufszentren zu entsprechen scheint. Es erinnert an das, das gerade in Kaiserslautern gebaut wurde. – In 80 Jahren finden wir das vielleicht auch schön. Das menschliche Auge braucht eben seine Zeit, um sich an etwas zu gewöhnen.
Ganze Straßenzüge in Görlitz sind herausgeputzt und saniert, während viele andere komplett verwahrlost wirken und die Häuser beinahe auseinander zu fallen scheinen.

Verfall und Restauration

Neben barocken Fachwerkhäusern finden sich in Görlitz auch gotische Stadthäuser aus Stein, die stolze Plaketten tragen, die verkünden, dass hier einmal Napoleon gewohnt hat. Leider ist dieses Gebäude momentan nicht mehr sehr repräsentativ und bedarf einiges an Pflege.
Sehr gut gepflegt hingegen sind die Görlitzer Kirchen, die einen Besuch und den dazugehörigen Eintritt allemal wert sind.

Barock, Renaissance, Gotik und mehr.

Von einer beeindruckenden Fassade zur nächsten hangelnd verliert man sich staunend in den verworrenen kleinen Straßen in Görlitz. Mal findet man sich vor einem grandiosen barocken Stadthaus wieder und dann vor einem Stück Renaissancekultur. Freskenmalereien reihen sich neben getönte Putze, Kratzputze oder Fassaden, die gänzlich aus Stein gemeißelt sind. Für Architekten und Denkmalschützer ist Görlitz ein Fassaden-Paradies. Einen nicht unbedeutenden Teil dazu trägt der anonyme Spender bei, der seit langem jährlich eine halbe Million Euro spendet. Damit können so einige Baumaßnahmen umgesetzt werden und viele Bauwerke nicht nur saniert sondern vor allem erstmal gesichert werden. Eines der wichtigsten Anliegen der Denkmalpflege ist das Erhalten der bestehenden Substanz, damit diese dann ggf. später wieder hergerichtet und genutzt werden kann. Der Verlust eines Denkmals ist unumkehrbar und bedeutet den Verlust von Wissen und Kultur.

Bilderbuch der Architektur-Stilkunde

Görlitz ist ein Bilderbuch der Architektur-Stilkunde. Mit einem guten Architekturführer kann man so am gebauten Beispiel eine Menge über Architektur lernen. Ein uns empfohlenes Werk dazu ist der Görlitz Architekturführer von Frank Vater*. Mit reichlich Bildern und erläuternden Texten ist es ein schönes Werk, das mit viel Sorgfalt und Liebe erstellt wurde. Viele Fotos sind beeindruckend schön und weisen eine Qualität auf, die für Reiseführer überdurchschnittlich ist.

Warst du schon mal in Görlitz und hast du es gar auf die polnische Seite geschafft? Wie fandest du es dort?

Riga | Welterbe zwischen Pracht & Chaos.

02:30 in der Frühe. Der Wecker klingelt, es ist finster, ungemütlich kalt und stürmisch draussen. Das beste Wetter, um das kalte Deutschland an einem Februarmorgen zu verlassen. Gegen eine gute Ladung Sonne und Wärme hätte da wohl keiner etwas einzuwenden, doch es geht nicht auf die Malediven, sondern nach Riga. In die schöne Hauptstadt Lettlands, ganz weit im Osten von Europa und beschaulich klein. – Und genauso eisig kalt. Was hab‘ ich mir dabei nur gedacht?

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In die Höhe strebt der Mensch

Warum bauen wir hoch?

Neulich im Fernbus von Kaiserslautern über Mainz und Frankfurt nach Berlin, kam während der Fahrt durch Frankfurt in der Reihe hinter mir folgende Frage auf:

„Warum bauen die hier überall so komische hohe Häuser? Überall wollen sie Türme bauen!“

Pilotstadt Songdo

Aerotropolis Songdo als grüne Vorzeigestadt in Südkorea
Jede Woche ziehen weltweit 1 Millionen Menschen in die Stadt. Städte nehmen nur rund 2% der Erdoberfläche ein, beherbergen aber schon über 50% der menschlichen Bevölkerung. Die Urbanisierung der Welt entwickelt sich in beeindruckender Geschwindigkeit.
Um nicht zu kollabieren, entwickelt sich Städte notgedrungen immer weiter. Ressourcenschonung beispielsweise ist ein Thema, das die größte Wirkung zeigen wird, wenn sie in den Städten angewendet wird. Dort ballen sich Verbräuche und CO2-Ausstoß, Infrastrukturen kommen an ihre Grenzen, um die Menschen vor Ort mit Lebensmitteln zu versorgen.

grüne Idealstadt Songdo in Südkorea

Stadtutopien

Prototyp-Städte gibt es unter anderem in China, Südkorea und Abu Dhabi. Sie sollen grüner werden, bessere Infrastrukturen aufweisen, voll digitalisiert sein und eine ökologische Ausrichtung haben. Urbane Utopien gab es schon immer. Architekten und Städteplaner zerbrachen sich schon seit jeher die Köpfe über bessere oder gar perfekte Städte.
Ein neues Phänomen bei all der Städteplanung ist, dass Ingenieure und Planer nicht mehr nur damit beschäftigt sind, Städte zu verbessern, sondern sie von Grund auf auf ‚grüner Wiese‘ zu planen. Momentan gibt es einen neuen Schwung Planer, die ihre Ideen aufzeichnen und umzusetzen beginnen. Wie sich die Ideen umsetzen lassen und funktionieren, oder ob sie nur Träume bleiben, bleibt abzuwarten und genau zu beobachten. Wie Utopien zu Geisterstädten werden können, zeigt die Stadt New Ordos (Kangbashi) in China, die in der Realität so gar nicht funktioniert. (YouTube-Video). Die Idee dahinter war eine Stadt, die mit einem Merkmal glänzt, das für Chinas Metropolen undenkbar schien: Platz. Allerdings sind die Wohnungen so teuer, dass nicht einmal die wenigen Menschen, die dort arbeiten und den nicht vorhandenen Verkehr regeln, die Grünanlagen pflegen oder die Plätze fegen, dort wohnen können. Auch Brasilia war eine gut gemeinte Planung.
Obwohl diese Beispiele gescheitert sind, haben viele Planer noch immer Erfolgsambitionen und kreieren weiter ‚perfekte Städte‘. Ein zu planendes Beispiel ist die King Abdullah Economic City mit einem gewaltigen Geldbudget und hoch gesteckten Ambitionen (YouTube-Clip) bis 2035. Mit dem Ansatz, dass alles Gestaltbar ist, wenn man von ex nihilo* anfängt, wird geplant. Allerdings fehlt dann die Identität, die eine Stadt hat, die gewachsen ist und in der viele Individuen ihre Parzellen bearbeitet haben und damit unfassbare Vielfalt liefern.

geänderte Stadtideale

Während man früher noch die Städte nach ihren Nutzungen aufteilte und Wohnen weit weg von Arbeit und Freizeit ansiedelte, geht der Trend nun in eine andere Richtung. Der ehemalige Gedanke macht durchaus Sinn, wenn man die Ausgangslage in der industriellen Revolution sieht, in der man möglichst weit weg von stinkenden Fabriken wohnen und seine Freizeit nicht in engen Wohnblöcken verbringen wollte.
Heute wird sich gegenteilig eher bemüht, die Bereiche zu mischen. So werden Wege eingespart, die nicht mehr zurück gelegt werden müssen und damit Ressourcen schont. Sogar eine zeitliche versetzte Mehrfachnutzung von Arealen wird angestrebt, damit Flächen nicht zu bestimmten Uhrzeiten brach liegen. Während von 8-17 Uhr im Büroturm gearbeitet wird, werden nach 19 Uhr die Cafés und Clubs in den oberen und unteren Etage geöffnet und an den Wochenenden werden die Plätze davor mit OutDoor-Events bespielt.

Songdo – künftiger Knotenpunkt im globalen Netzwerk

Viele neue Metropolen, die ex nihilo geplant werden, wollen Knotenpunkte im globalen Netzwerk (Hubs) werden. Eine solche Ambition hat Songdo in Südkorea. Auf 6 Quadratkilometern soll die Wirtschaftsstadt, die auf neues Land im gelben Meer gebaut wurde, stark und mächtig werden. Die Finanzierung läuft momentan komplett privatwirtschaftlich mit koreanischen und amerikanischen Unternehmen. 35 Milliarden Dollar soll das Projekt Songdo mit all seiner Vernetzung und Infrastruktur kosten.

2001 wurde 60km entfernt von Koreas Hauptstadt Seoul mit dem Bau begonnen. Sie wurde in die Freihandelszone von Incheon gelegt, um wirtschaftlich attraktiv zu sein und Investoren anzulocken. Das sollte durch die Unmittelbare Nähe zum Flughafen Incheon gewährleistet werden, der laut des Kommissars der Freihandelszone Incheon Lee Jong-Cheol für 30% der Weltbevölkerung nur 3 Stunden entfernt ist.
Die Aerotropolis, die Flughafenstadt, liegt auf halben Weg zwischen China und Japan und sollte bis zum Jahr 2020 etwa 65.000 Einwohner haben. Momentan sind es etwa 20.000. Die Einwohnerzahl liegt damit etwas unter 50% des kleines Ortsteils Rudow in Neukölln. (Stand 30. Juni 2014 mit 41.221 Einwohnern).

Korea zwischen Tradition und Moderne

Geschichtslosigkeit mit Architektur ausgleichen

Städte ziehen ihre Bewohner nicht selten wegen ihrer Geschichte an. Geschichte vermittelt Identität und eine Verbundenheit, sie zeigt Entwicklungen und damit auch immer Möglichkeiten zu Verbesserungen. Geschichtsträchtige Orte wirken attraktiv und interessant auf Bewohner, auch wenn sie keine genauen Geschichtskenntnisse haben. Um diese Geschichtslosigkeit auszugleichen, setzen Songdos Planer auf Architektur, die bekannten und beliebten Beispielen dicht nachempfunden ist. Ideengeber waren beispielsweise das New World Trade Center in New York für den Northeast Asia Trade Tower oder die Oper in Sydney für das internationale Konferenzzentrum „Songdo Conversia“. Diese Gebäude sowie der Musterplan dieser Stadt wurden vom New Yorker Architekturbüro KPF entworfen.

aktive Inspiration

Die besten urbanen und architektonischen Ideen aus anderen Städten wurden in Songdo wiederverwertet. So waren die Amsterdamer Grachten und der Central Park Inspirationen. Probleme, die in anderen Städten auftauchen, sollen von Vornherein vermieden werden. Der Park als Herzstück und grüne Lunge der Stadt soll vor Überhitzung schützen und den Bewohnern Freifläche zur Erholung bieten. Mit 40-Flächenprozent Grünanlagen ist die nachhaltige Stadt eindeutig nach westlichen Qualitätsmerkmalen geplant.

Ökostadt

Generell werden ökologische Aspekte bei der Planung immer relevanter. Die Lebensqualität der Menschen soll verbessert und der CO2-Fußabdruck neuer und bestehender Städte soll beständig kleiner werden. Zwar werden in China aktuell im Dutzenderpack Ökostädte entworfen, doch auch Songdo in Südkorea schreibt sich Ökologie und Nachhaltigkeit auf die Fahnen und macht damit einen wegweisender Schritt in die richtige Richtung, wenn alles wunschgemäß funktioniert. Sein erstes Etappenziel hat Songdo schon damit erreicht, dass es als grüne Vorzeigestadt anerkannt ist. Bonn und Genf konkurrierten mit Songdo um den Sitz des UN-Klima-Fonts, der letztendlich 2012 nach Südkorea zog.

Pilotstadt – SmartCity

Städte wie Songdo sind Pilotstädte für alle möglichen urban relevanten Entwicklungsbereiche. Hier können Entwickler ihre Theorien am ‚lebenden Objekt‘ testen. ITler suchen nach dem Optimum der Vernetzung und damit einer maximal möglichen Ressourcenschonung in Symbiose mit der Stadtentwicklung.
Schlechte Vernetzung auf kleiner Ebene, wie zum Beispiel einem einzelnen Geschäftshaus, lässt sich skalieren und somit auf Städte übertragen. Während in einem Gebäude Licht, Lüftung, Heizung und Aufzüge wenig bis gar nicht miteinander kommunizieren, sollen erhebliche Einsparungen möglich sein, wenn diese Systeme alle miteinander vernetzt sind und nur dort aktiv werden, wo sie gerade gebraucht werden, statt dort zu arbeiten, wo vergessen wurde, sie abzuschalten.

Vernetzung und Überwachung

In Songdo wird mit Cisco daran gearbeitet, eine komplett vernetzte Stadt zu erstellen. Alle Systeme kommunizieren miteinander und sollen ihre Wirtschaftlichkeit optimieren. Die ganze Stadt ist mit Sensoren und Kameras ausgestattet. Die Daten sammeln sich in einer einzigen großen Schaltzentrale, einem einzigen großen Rechner in der Stadt. Dort werden u.a. Kameraaufnahmen, Wetter- und Verkehrsdaten ausgewertet.
Durch die ständige und absolute Möglichkeit, alle Tätigkeiten und Dienste bestimmten Personen und Haushalten zuzuordnen, können mit einer einzigen Schließkarte sämtliche Dienste in Anspruch genommen werden. Dafür können auch die Bewohner beispielsweise ihre Kinder von der Wohnung aus beim Spielen auf den Plätzen beobachten, da immer alles überwacht und mit Kameras festgehalten wird.
Intelligente Kameras mit Akkustiksensoren erkennen zum Beispiel Waffenschüsse und übermitteln Ton und Bild aus dem entsprechenden Areal direkt an die zuständigen Behörden um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten und Reaktionszeiten drastisch zu verkürzen.

Energieprobleme lösen durch ständige Überwachung für intelligente Ressourcenverteilung

Fossile Energieträger können nur komplett abgeschafft werden, wenn das Problem der Energiespeicherung gelöst wird. Auch wenn auf Windkraft, Solarenergie und Geothermie gesetzt wird, so scheint weder beständig die Sonne noch weht immer ein kräftiger Wind.
Während Zähler überwachen wer wieviel Energie verbraucht und den Bewohnern anzeigen, wie hoch der eigene Verbrauch im Vergleich zum Durchschnitt ist, kann der Verbrauch durch den Wettbewerbsgedanken gesenkt werden und überprüfende Instanzen der Kontrollcentren können in Echtzeit überwachen, wo welche Ressourcen in welcher Menge gebraucht werden. Dementsprechend kann sich die Produktion an den Verbrauch anpassen. Überschuss soll möglichst nicht im Äther verschwinden.
Die Überwachung und Auswertung beschränkt sich allerdings nicht auf den Energieverbrauch und die Zufuhroptimierung. Derweil Verkehrsteilnehmer aufgrund der flächendeckenden Überwachung gewarnt werden können, wenn es Staus oder andere Behinderungen gibt, werden falsch geparkte Fahrzeuge automatisch vom System erfasst und Strafzettel automatisch an die Halter verschickt.

Kritik am System

Aus Zeiten von Big Brother und der Angst vor dem Gläsernen Menschen werden Kritiker des „Big Data“ laut. Obwohl Big Data nicht zwingend mit Big Brother zu vergleichen ist, sind Gemeinsamkeiten nicht von der Hand zu weisen. Der Umfang der Befugnisse der Regierungen gilt scharf überwacht zu werden, damit diese nicht beginnen ihre Bewohner zu bespitzeln und zu analysieren. Sobald Bewegungsprofile erstellt werden und damit nach Regierungsgegnern gefahndet wird, sind Persönlichkeitsrechte gefährdet. Erinnerungen an die Stasi kommen ins Bewusstsein. Dass die Möglichkeiten dafür bestehen, bedeutet aber nicht, dass diese Möglichkeiten missbraucht werden, aber unsere sensible und subversive Gesellschaft wird bei solch einem Überwachungsumfang schnell hellhörig.
Wie ist deine Meinung zu den neuen Stadtutopien und Innovationen? Findest du, dass diese Städte Chancen haben oder verlieren sie sich doch irgendwann aufgrund verschiedenster Faktoren im planerischen Nirvana? Hast du schon mal Brasilia, New Ordos oder gar Songdo besucht und kannst etwas berichten?
Sind bei dir Fragen offen geblieben, sind Zusammenhänge unerklärt? 
Schreibe in die Kommentare, teile den Artikel und trag’ dich doch in den Newsletter (unten links) ein, wenn du mehr erfahren willst.

ex nihilo: Schöpfung aus dem Nichts
 
TV-Tip ARTE: Städte der Zukunft in 3 Teilen

Junges Prag – Die Mutter der Städte

Junges Prag - Reisebericht Magic Letters
Im 9. Jhd gegründet, repräsentierte es die Souveränität und Eigenheit des tschechischen Volkes.
Prag ist eine der schönsten Städte der Welt. Durch die Verbindung verschiedener Architekturstile seit dem Mittelalter, wird dem Auge viel geboten. Die herrschaftlichen Gebäude im Stadtkern wirken imposant und erhaben. Modernes Leben mischt sich mit den Charakteristika des gemächlichen Lebens einer traditionsreichen Stadt. Prag wächst in alle Himmelsrichtungen und hat weitreichende Veränderungen erlebt. Von seiner tausendjährigen Vergangenheit zeugen die Konstanten in seinem Inneren.
Jeder Stein erinnert hier an ein Heldendrama.Ernest Denis, französischer Historiker, 3. Januar 1849 bis 4. Januar 1921
Mitte des 14 Jahrhunderts unter der Herrschaft Kaiser Karl IV. wurde Prag mit seiner eigenen Universität und dem Erzbistum zur größten Stadt Mitteleuropas und zu einem der bedeutendsten politischen und intellektuellen Zentren.

Prag bei Nacht

Die „königliche“, „hunderttürmige“ oder „goldene“ Stadt.

Dies sind nur einige Prädikate der Stadt. Im gesamten Stadtkern wird man durch die gute erhaltenen Baudenkmäler und die Reinheit der architektonischen Stile überrascht. Dadurch wird Prag zu einem beliebten Ziel touristischer Ströme. Die Touristen kommen millionenfach in diese attraktive Stadt an der Moldau.
Auch in den romantischen Winkeln unzähliger Restaurant und Cafés kann man verweilen und dem Treiben der Städter seine Aufmerksamkeit schenken und sich dem Prager Lebensgefühl hinreißen lassen.

Praha, die chaotische Schwelle im Fluss

1918 wurde Prag zur Hauptstadt. Das wichtigste weltliche als auch kirchliche Verwaltungszentrum ist seit jeher die Burg, die auf dem ehemals kahlen Hügel an der leicht zu überquerenden Flussschwelle errichtet wurde. Praha, das bedeutet Schwelle und ist ein passender Ort für eine Burg. Ihr Grundstein wurde etwa im Jahre 885 gelegt. im 14 Jahrhundert wurde der Wald unter der Burg gerodet und ein Untertanenstädtchen gegründet. Heute heißt der Hügel Hradschin und die Burg bildet das größte geschlossene Burgareal der Welt. Generationen von Baumeistern haben im Laufe der Zeit ihr Aussehen stark verändert und verschiedene Baustile als Spuren der Geschichte an der Burg hinterlassen.
Ab den 1560 Jahren begann der Prager Adel eine Vielzahl von Renaissance-Palästen zu errichten. Seine endgültige Gestalt erhielt der Burgplatz im Barock und im Rokoko.

Prager Innenstadt mit Renaissancefassaden

Prag als Anziehungspunkt der Persönlichkeiten

Nicht nur heute ist Prag eine Stadt, die mit ihrem Charme und ihrem Lebensgefühl die Menschen anzieht. Schon Franz Kafka hatte in der Prager Innenstadt, im Goldmachergässchen, für einen Sommer lang seine Residenz aufgeschlagen und weitere Intellektuelle taten es ihm gleich.
Auch heute zieht es die Menschen nach Prag. Nicht nur Touristen sondern auch Investoren und Geschäftemacher. Rund 8000 Amerikaner, 5000 Deutsche und viele Holländer, Franzosen, Dänen und Briten haben sich in Prag nieder gelassen. Viele wollten einfach etwas neues entdecken, viele wollten Geld machen. Kulturelles Highlight bilden die urigen Kaffeehäuser in Prag, die historisch hauptsächlich für die Frauen angelegt wurden. Dort verbrachten sie ihre Nachmittage und lebten Kultur. Sie waren Begegnungszentren für Künstler und Damen, heute tummeln sich hier Touristen und manch ein Prager liest hier am frühen Nachmittag bei einem Kaffee die Zeitung.

Kellerbar in Prag

Modernität vor historischer Kulisse

Vor den architektonisch-historischen Hintergründen spielt sich inzwischen in Prag ein modernes, buntes Leben ab. Junge Künstler eröffnen eine Ausstellung neben der anderen, Bücher und Platten werden veröffentlicht, die Szene pulsiert. Viele junge Tschechen zieht es in die Stadt an der Moldau und ziehen den Altersdurchschnitt auf rund 40 Jahre herunter. Neben der Karlsuniversität, den vielen Möglichkeiten und der Szene ziehen noch elf weitere Hochschulen unzählige Studenten in die Hauptstadt und sorgen für Wohnungsnot und frischen Wind.

Kleine Stadt mit viel Zulauf

Manche verlieben sich in die Stadt Prag, manche verfluchen sie. Die schwere Last einer attraktiven Stadt ist ihr großer Zulauf an Touristen und Zugezogenen. Die Stadt ist voll von Menschen. Manche wollen dort studieren, manche leben, manche sind dort geboren, manche suchen Arbeit und hunderttausende wollen nur ein paar Tage dort verbringen. Etwa 1,2 Millionen Menschen sind dort gemeldet (1. Jan 2014), dazu die Touristen und viele, die dort keinen Hauptwohnsitz haben. Wen es in eine solch beliebte Stadt zieht, sollte sich nicht über die vielen Menschen wundern, die sich dort aufhalten. Ruhig kann man es anderswo haben, hier tobt das chaotische Stadt-Leben.

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „3 Bilder aus“ und der Magic Letters.


Warst du schon mal in Prag? Wie findest du diese pulsierende Stadt, die aus allen Nähten zu platzen scheint und eine so ehrwürdige Schönheit ausstrahlt? 

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Tuschkastensiedlung | Die bunteste Berliner Welterbe-Siedlung

Tuschkastensiedlung | Die älteste Berliner Welterbe-Siedlung
Eine lange kopfsteingepflasterte Straße führt im Berliner Süd-Osten vorbei an schmucken kleinen Gartenzäunen, hinter denen sich farbenfrohe Häuser reihen. Manche davon sind Reihenhäuser, andere stehen als Solitäre in ihren Gärten, aber gemeinsam haben sie eines: Jede Wohneinheit hat ihre eigene Farbe und alle gehören zur Tuschkastensiedlung von Bruno Taut. Aber auch größere Häuser finden sich in unmittelbarer Nähe zu diesen bunten Häusern der Gartenstadt Falkenberg. Sie sind akzentuiert oder sogar kariert.
Der Architekt dieser fröhlichen kleinen Ansammlung an farbintensiven Häuschen ist Bruno Taut, der 1912 vom Berliner Spar- und Bauverein den Auftrag bekam, in Treptow-Köpenick auf 75 Hektar einen Bebauungsplan auszuarbeiten, der die Hanglage des Areals besonders gut ausnutzte.

Tuschkastensiedlung, Gartenstadtweg, 12524 Berlin

Tuschkastensiedlung a.k.a. Gartenstadt Falkenberg

Der bezeichnende Name Tuschkastensiedlung ist in Architektenkreisen und bei architekturinteressierten Berlinern bekannter als der offizielle Name „Gartenstadt Falkenberg„. Berliner vergeben gerne lustige Namen wie Telespargel, Goldelse oder Erichs Lampenladen (hier geht’s zu einem kurzen Video aus dem Palast der Republik aka Erichs Lampenladen, Luftaufnahmen von der Goldelse, Luftaufnahmen vom Fernsehturm aka Telespargel mit atemberaubendem Panorama von Berlin). Die sind für gewöhnlich auch viel einprägsamer und sie verbreiten gute Laune, denn oft sind sie gar nicht so ernst gemeint und haben eine gewisse Portion Humor mit inbegriffen.
Heute mag die Tuschkastensiedlung nicht mehr zeitgemäß wirken, doch damals entsprang sie dem Zeitgeist. Hätte der erste Weltkrieg die Bauarbeiten nicht unterbrochen, so wären heute mehr Entwürfe von Bruno Taut auf diesem Areal zu sehen. So gibt es 127 Wohnungen, die dort nach Tauts Ideen entwickelt wurden.

Blaues Haus über der Gartenstadt Falkenberg in Berlin

Denkmal & Unesco Weltwerbe

Heute stehen die Gebäude der Tuschkastensiedlung von Bruno Taut unter Denkmalschutz. Das heißt, sie müssen von ihren Bewohnern so erhalten bleiben, wie sie sind und unterliegen strengen Auflagen. Wer sich also ein Häuschen in der Gartenstadt Falkenberg gönnt, ist ein Liebhaber und tut dies aus Überzeugung und nicht, weil die Wohnungen so schön billig sind.
Im Juli 2008 wurde die Tuschkastensiedlung in die UNESCO Welterbeliste aufgenommen und bleibt somit als Zeugnis der Berliner Moderne für die Nachwelt erhalten.

Farben

Die ungewöhnlich anmutende und intensive Farbgebung hat der Siedlung ihren Spitznamen Tuschkastensiedlung gegeben. Mit der Farbgebung distanzierte sich Bruno Taut von John Ruskins Ansicht, dass nur die Materialien die Farbgebung eines Hauses bestimmen sollten. Unter Ruskins Gesichtpunkten war Bruno Tauts Tuschkastensieldung ‚unrechtmäßige Architektur‘. Nach Ruskins Auffassung, hätte ein rotes Gebäude beispielsweise aus rotem Sandstein gefertigt werden müssen. Bruno Taut hingegen war da anderer Meinung und erkannte die Farbe als etwas eigenes. So waren viel günstigere, farbenfrohere Fassaden möglich.

Orange und Gelb in der Tuschkastensiedlung in Berlin

Städtebau

Beachtlich ist der Unterschied der Tuschkastensiedlung zu vielen anderen Siedlungen dieser Zeit, deren Merkmal eine unbestreitbare Eintönigkeit war. Günstig und schnell sollte gebaut werden, also entstanden ganze Siedlungen mit identischen Häusern und identischer Farbgebung. Diese Monotonie wirkt nicht nur bedrückend sondern auch verwirrend, denn es fällt schwer, die Orientierung zu behalten.
Bruno Taut hingegen spielte mit den Achsen von Straße und Platz und schuf so eine große visuelle Abwechlsung. Hinzu kommt die vertikale Versetzung der Gebäude je nach Position auf dem jeweiligen Hanggrundstück. Die bunten Farbkleckse der Tuschkastensiedlung reihen sich nicht stur aneinander sondern springen die Straße entlang.

Spott und Anerkennung

Früher war der Name Tuschkastensiedlung noch durchaus spöttisch gemeint. Die Berliner Bewohner standen der revolutionären Idee des Architekten Bruno Taut skeptisch gegenüber und der Unterschied zu anderen, monotonen Siedlungen, war deutlich zu sehen. Man wohnte eben anders. Inzwischen ist der Name Tuschkastensiedlung durchaus anerkennend zu werten und die Bewohner wohnen dort voller Stolz.

Geliebte Barrieren

Auch wenn manche Bewohner schon seit Geburt an in der Tuschkastensiedlung leben, dort mehrere Kinder großgezogen haben und nun in einem Alter sind, in dem andere gerne einen Treppenlift benutzen würden, gibt es noch stolze Berliner, die hier nicht wegziehen wollen. Die Fluktuation ist in dieser Siedlung sehr gering. Die Menschen wollen nicht wegziehen. Im Gegenteil, immer mehr Menschen wollen in die Siedlung ziehen. Es gibt Wartelisten für die Siedlung und man muss hoffen.

Grüne Oase und ehemalige Selbstversorger

Bruno Taut hatte für seine Tuschkastensiedlung große Pläne. Die Bewohner sollten sich hier selbst versorgen können. In den Gärten sollte Gemüse wachsen, im Hof der Hahn krähen und an den Bäumen das Obst reifen. Vorbild dafür waren die englischen Siedlungen, mit denen sich auch Hermann Muthesius viel beschäftigte. Die Hanglage der Anlage eignete sich hervorragend, das Gemüse anzubauen, denn die von der Sonne beschienene Oberfläche war groß, der Boden konnte sich aufwärmen und die Pflanzen wachsen.
Die Gartenstadt Falkenberg sollte ein genaues Gegenteil der Berliner Mietskaserne sein. Gärten und Balkone wurden gegen dunkle Hinterhöfe getauscht. Und dennoch sollten diese Häuser eine Antwort auf die Wohnungsnot sein. Die einzelnen Wohnungen sind nicht übermäßig groß, sodass eine große Zahl Wohnungen in dieser Siedlung zu errichten war.

Brenne Architekten haben die Gartenstadt Falkenberg denkmalgerecht saniert

Denkmalgerechte Sanierung

Das Architekturbüro Winfried Brenne, bei dem 2013 u.a. auch ich gearbeitet habe, hat die Gebäude der Gartenstadt Falkenberg 1992-2002 gründlich saniert. Die Fassaden mussten nicht verändert werden, da die Wände aus 38 Zentimeter Mauerwerk bestehen. Die energetische Ertüchtigung erfolgte hauptsächlich durch die Installation neuer Heizkessel und die Dämmung von Kellerdecken und obersten Geschossdecken.

Wo, wie, wer?

Die Adresse ist:
Gartenstadtweg, 12524 Berlin
Der Architekt ist:
Bruno Taut
Die Busanbindung:
Buslinie 163, Gartenstadtweg

Eure Meinung

Wie findet ihr die bunten Häuser der Moderne und welches ist euer liebster Bau von Bruno Taut? Habt ihr die Tuschkastensiedlung schon mal besucht, oder nur von ihr gehört? Ich war im Spätsommer 2011 dort und sie blieb mir in Erinnerung.
Schreibt mir in die Kommentare und teilt den Artikel mit euren Freunden!

Weiteres?

Interessiert ihr euch für weitere solcher Artikel? Schaut in der Rubrik Streiflicht auf raumzeichner vorbei, hier werde ich immer wieder Architektur, Plätze und Architekten unter die Lupe nehmen. So habe ich zum Beispiel über das Fakultätsgebäude der Architektur „Bau Eins“ in Kaiserslautern, das „Haus Eckstein“ in Nürnberg oder Il Gesù in Rom bereits geschrieben. Außerdem ist dieser Artikel Teil der „Magic Letters“ und behandelt das Thema „B wie Bunt“.

StadtDiskurs

StadtDiskurs von Urbanophil in Kaiserslautern
Unter dem Thema „Partizipation“ fand am 10.12.2014 auf dem Kaiserslauterer Weihnachtsmarkt der StadtDiskurs statt.
„Parti… was?“

[Par|ti|zi|pa|ti|on] [Substantiv, feminin] [Teilnehmen, Beteiligtsein, Teilnahme]

Initiiert von der Architekturgalerie Kaiserslautern und eingeleitet von Peter Spitzley trafen „Macher„, „Verwalter“ und „Nutzer“ der Stadt aufeinander. Die Vorträge fanden unter dem Untertitel „Die Stadt aus der Sicht von…“ auf einer kleinen Bühne auf dem Schillerplatz statt und lockten die Urbanitätsinteressierten der Stadt sowie einige zufällige Passanten an.

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3 Bilder aus Potsdam

3 Bilder aus Potsdam

Das neue Jahr 2015 beginnt mit einer neuen Serie, die monatlich erscheint und 3 Fotos beinhaltet.

Jeden ersten Donnerstag im Monat gibt es „3 Bilder aus…“ verschiedenen Städten, in denen es architektonisches oder urbanes zu sehen gab und das ich mit meiner Kamera festgehalten habe. Als leibhaftiger Berliner lag es nahe, eine Stadt zu nehmen, die ich schon oft besucht habe. Potsdam, die kleine aber schicke Stadt in Brandenburg, an der manch ein Berliner kein gutes Haar lassen kann.  Read more

The Human Scale

The Human Scale ist ein beeindruckender Film über die Veränderung der Städte und wie die Menschen sich zunächst versuchen anzupassen, bevor sie ihre selbst geschaffene Umgebung anpassen, um besser in ihr leben zu können.

The Human Scale präsentiert die umgesetzten Visionen von Städtebauern und Architekten zur Verbesserung des Stadtlebens in gelungenen Beispielen.

Kennt ihr den Film schon und welche anderen, interessanten Filme über Städtebau und Architektur könnt ihr empfehlen?

Haus Eckstein – Außenraum – Das Büro und Architekturhaltung

Haus Eckstein Außenraum & Architekturhaltung
Das Haus Eckstein in Nürnberg wurde zuletzt von Architekturbüro Fritsch + Knodt & Klug umgebaut. Der Geschichte und dem Umbau des Hauses wird eine kleine Serie gewidmet, die in den nächsten Wochen auf Raumzeichner.de erscheinen wird. Neben der Architektur werden auch Städtebau und Geschichte analysiert und beschrieben.
Teil 1 – Haus Eckstein in Nürnberg
Teil 2 – Heutige Nutzung
Teil 3 – Die Gewandung 
Teil 4 – Der Innenraum 

Das Ellenbogengässchen

Außenraumbezug

Der fließende Übergang von Innen und Außen, das Strömen des Publikums und die Verbindung nach allen Seiten stehen ganz oben auf der Liste der gewünschten Eigenschaften des Hauses. Rathausplatz sowie Gehsteigbereich sollten aufgenommen und bis zum Ellenbogengässchen geführt werden – einmal quer durch das Gebäude. Das Ellenbogengässchen ist zwar leicht zu übersehen, da sich der Eingang mitten in der Fassade befindet, bildet aber eine Verbindung, die von den Nürnbergern gerne genutzt wird. Es schafft eine Abkürzung von der Burg im Norden zum Westteil der Stadt und ermöglicht es dem Fußgängerverkehr, dem Hauptmarkt im Süden aus dem Weg zu gehen. Der kleine Pfad, der aus der Vergangenheit1 wiedergeholt wurde, ist für den Nürnberger Fußgängerverkehr wie ein kleiner geheimer Weg um das touristisch erschlossene Nürnberg und um die Menschenmengen der Hauptstraßen, -märkte und -plätze herum.

Freiflächengestaltung

Fußgängerbewegung durch Ellenbogengässchen

Direkt im Nürnberger Stadtbild integriert, hat das Haus keinerlei Freiflächen nach Ost, Süd oder West hin. Es wächst aus dem Geweg heraus in die Höhe. Einziger Rücksprung ist der durch Stufen vom Straßenniveau abgehobene Eingangsbereich, der allerdings von einer breiten Stütze verdeckt wird, sodass er in der Kontur des Hauses kaum auffällt. Der nach Norden ausgerichtete Innenhof wurde zum Großteil vom neu errichteten Treppenhaustrakt eingenommen und so bildet das Gässchen die einzige Freifläche, die nun – dem Nutzungskonzept des Komplexes folgend – dem öffentlichen Fußgängerverkehr zur Verfügung stehen.

Das Architekturbüro

Das Büro Fritsch + Knodt & Klug ArchitektInnen, Untere Kreuzgasse 33, 90403 Nürnberg befindet sich am westlichen Rand der Nürnberger Altstadt im Bezirk Sebald, keine zehn Fußminuten von der Sebaldkirche entfernt. Direkt an der Pegnitz gelegen und beinahe in die Stadtmauer hineingebaut, bietet es einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt, die umliegenden Balkone und den Fluss. Das Architekturbüro hat sich auf die Restaurierung, die Sanierung und den Erhalt der mittelalterlichen Bauten in Nürnberg spezialisiert. 

Architekturhaltung

Bezeichnend für die Architekturhaltung des Büros ist folgendes Zitat von Alexandra Fritsch:

„Das Einpacken mit Styropor zerstört unsere Baudenkmäler. Ornamente und Fachwerk gehen oft verloren. Und damit verlieren unsere Städte ihre Identität.“

Blick aus dem Büro

Auch die Lage des Büros, verwachsen mit der alten Nürnberger Stadtmauer gibt Aufschluss über die Denkweise dieses Büros, denn durch Sensibilität im Umgang mit denkmalgeschütztem Bestand wird Neues geschaffen, das den heutigen Ansprüchen genügt. Nur durch ständige Nutzung kann ein Gebäude, auch ein denkmalgeschütztes, erhalten werden. Durch Kompromisse wie Umnutzung oder behutsame Veränderungen muss diese Nutzung umsetzbar werden, sodass der Bestand erhalten bleiben kann. Sorgsame Auseinandersetzung mit der Geschichte ist notwendig, um zu erkennen, wie weit bei den Neuerungen vorgedrungen werden darf und muss, damit bei größtmöglichem Erhalt die Gebrauchstauglichkeit bewahrt – oder in vielen Fällen erst geschaffen – wird.

 

 

Weitere Projekte

St. Lorenz & St. Sebald

St. Lorenz-Kirche Nürnberg

St. Lorenz und St. Sebald werden als „Zwillinge(Bauer, Hirschmann und Stolz: 500 Jahre Hallenchor St. Lorenz“, S. 11) bezeichnet. Die beiden Töchter der Stadt Nürnberg, denen man gleichermaßen eine große Mitgift leisten konnte. St. Sebald ist die ältere von beiden und beherrscht den nördlichen Teil der Nürnberger Altstadt. St. Lorenz thront über der südlichen Hälfte der Stadt. Die Ähnlichkeit, die sie wie Zwillinge anmuten ließ, liegt nicht nur in der ähnlichen Größe und Form sondern auch daran, dass sie beide aus dem gleichen Material gebaut wurden – dem Nürnberger Burgsandstein. Die Ähnlichkeit in den Proportionen kommt daher, dass damals bei beiden der „Nürnberger Werkschuh“ (12 Werkzoll = 1 Nürnberger Werkschuh = 27,85 cm) als das „rechte Maß“ verwendet wurde. In der Geschichte der Kirchen gab es einen ständigen Wettstreit zwischen ihnen. Sebald brachte lange Zeit durch das Grab des Hl. Sebaldus mehr Geld ein und konnte sich dadurch mehr leisten. Das Inventar war besser gepflegt und Reparaturen konnten sofort ausgeführt werden.

St. Sebald Kirche Nürnberg

Sebald war immer die „größere“ Schwester, die immer alles zuerst hatte und auf die man blicken konnte. Lorenz war unscheinbarer und stand immer hinter Sebald. Da St. Sebald etwas älter ist als St. Lorenz hatten es die Lorenzer Baumeister in einigen Dingen leichter als die Sebalder. An St. Sebald wurde vieles erstmalig gemacht und so wusste man dann bei Lorenz, wie es ging und konnte Fehler vermeiden. Die Arbeiten gingen schneller voran, weil nicht so viel getüftelt werden musste.

Durch die beiden Kirchen ist Nürnberg in zwei Hälften geteilt. Es gibt die nördliche, Sebalder Altstadt und die südliche, die Lorenzer. Beide Teile sind durch den Fluß, der durch Nürnberg fließt, voneinander getrennt. Die Pegnitz wird von vielen prächtigen Brücken überspannt und wird von dem fast täglich stattfindenden „Markt“ eingerahmt.

Das Büro Fritsch + Knodt & Klug mit Dombaumeisterin Alexandra Fritsch beschäftigt sich mit der Geschichte der Kirchen, katalogisiert und digitalisiert alte Originalpläne, sowie Glasplattenfotos und Bauberichte im Zusammenwirken mit den historischen Stadtarchiven LoAN4 und SeAN5 um die Restaurierung und Erhaltung der beiden Schwesterkirchen auszuführen.

Kindertagesstätte Pirckheimerstraße

Fritz-Kelber-Haus , Pirckheimerstraße

Die alte, marode Stadtvilla in der Pirckheimerstraße wurde vom Architekturbüro in eine Kindertagesstätte für mehrere Kindergruppen umgebaut und dabei umfangreich saniert. Außen konnte der alte Charme erhalten bleiben, sodass das Haus nach wie vor verputzt ist und die Bossen die Gebäudekanten markieren. Zwischen Erd- und erstem Obergeschoss markiert ein Gesims die ungefähre Höhe der Zwischendecke und gibt der Fassade eine horizontale Teilung. In der Fassade wechseln sich die Fensterformen ab, sodass es Fenster mit geraden Sturz gibt, aber auch Fenster mit Rundbogen. Alle Fenster und Türen sind mit Faschen versehen und die Glasflächen sind mit Sprossen unterteilt. Das Dach ist in mehrere Flächen gegliedert und kleine Gauben erheben sich daraus um mehr Nutzfläche im Dachgeschoss zu schaffen. Der Eingang des Hauses befindet sich nicht an der Straßenseite sondern im Schutze des Hauses, was der Nutzung des Hauses als Kindertagesstätte zugute kommt.

Studentenwohnheim Pfeifergasse

Studentenwohnheim, Pfeifergasse 7

Die Wiederbelebung eines vergessenen Viertels. Die baulichen Verhältnisse blieben nach der Zeit des Wiederaufbaus der Stadt miserabel. Bei Fundamentfreilegungen traten Tierknochen und Keramikscherben zum Vorschein, so daß eine archäologische Untersuchung der Unteren Denkmalschutzbehörde durchgeführt wurde. Der Kontakt mit dem Studentenwerk ließ die Idee einer studentischen Nutzung mit Kleinwohnungen und Ateliers entstehen. Im Vordergebäude gibt es 4 Wohnungen, ein kombiniertes Wohnatelier, ein Atelier und Gemeinschaftsräume. Im historischen Rückgebäude und dem südlichen Neubau befinden sich 2 Wohnungen und ein Atelier. Erd- und 1.Obergeschoß sind geprägt von mittelalterlicher Raumgestaltung mit Bohlenwänden, Bohlenbalkendecken und sichtbarem Fachwerk. Die Raumzuschnitte sind nach den überlieferten Grundrisskonzepten nicht üppig, scheinen aber durch Öffnungen groß, weit und bieten die möglichst viel Helligkeit. Im 2.Obergeschoß und im Dach entstanden Maisonettewohnungen. Im Wohnzimmer mit Galerie ist der gotische Dachstuhl sichtbar.

Kleine Städte – große Projekte

8. Stadt.Umbau.Salon in Kaiserslautern

Die Raumpiraten besetzen zwar keine Raumschiffe, aber sie entern Leerstände. Sie horten ihre Schätze darin, teilen sie aber ganz offenherzig mit allen, die sich dafür interessieren.
Doch wofür muss man sich eigentlich interessieren, damit die Raumpiraten mit einem teilen? Read more

Städtebaudiskussionen ohne Architekten?

Die Bauwelt spricht durch Jan Friedrich aus Berlin heute davon, dass Stadtbauentwicklung meint, ganz ohne Architekten auskommen zu wollen. Stadtentwicklung gibt zwar erstmal nur den Rahmen an, doch sollten die, die den Rahmen später füllen, vielleicht auch ein wenig mitreden dürfen, denn immerhin haben sie mit dem Füllen schon recht viel Erfahrung gemacht. Wie schwer es Stadtplanern fällt in den kleinteiligeren Dimensionen der später zu bauenden Häuser zu denken, merkt man schon an der Universität. Daher wäre ein Blick mit dem Stift sicher gar nicht so schlecht. Allerdings könnten Einwände natürlich unangenehm sein, daher lässt man die Architekten einfach mal außen vor… Sicher ist sicher.

Jan Friedrich, Berlin, Bauwelt Redaktion

am Alexanderplatz kriegt man das Heulen

In der Berliner Zeitung gibt es heute ein sehr interessantes Interview mit der Architektin Theresa Keilhacker, die Vorsitzende des Fachausschusses nachhaltiges Planen und Bauen an der Architektenkammer Berlin und Ratsmitglied der Stadtentwicklung Berlin.

Theresa Keilkacker URBAN DESIGN • ARCHITEKTUR

Berlin Mitte droht zum ‚Museum ohne Dach‘ zu werden, wenn man nicht durch Stärkung des Wohnanteils dagegen wirkt.
Es wird über vertane Chancen nach der Wende, Durchmischung der Bevölkerung mit Hilfe von Wohngeld und damit dem Entgegenwirken vor Ghettos und Slums, sowie städtebauliche und architektonische Entwicklungen gesprochen. Thematisiert wird das Brachland um den Hauptbahnhof, für das es wettbewerbauslobende Bauherren geben muss sowie der Umgang mit der alten Substanz in Berlin.

Meinung: Ähnlich wie in Frankfurt ist es auch in Berlin wohl kein Allheilmittel, einen gigantischen Elektronikmarkt in eine Stadt zu pflanzen. Der Bestand wird unterdrückt und weggeschoben, in den Schatten gerückt. Mit einem kreativen städtebaulichen Umgang würde der Bestand, so kritisch er auch betrachtet werden mag, zur Geltung kommen. So wie es jetzt geschieht, wird im die Chance dazu genommen. Der Bestand ist Geschichte und jedes alte Gebäude war zunächst einmal ‚Veraltet‘ bevor man den kulturellen und geschichtlichen Wert darin entdecken konnte, der es letztendlich zum Denkmal werden ließ.

„Die Architektin Theresa Keilhacker über die Ignoranz gegenüber der Ost-Moderne, die Gentrifizierung von Stadtgebieten und die Zukunft von Tegel und Tempelhof“ Ein Interview geführt von: Ralph Kotsch, Ulrich Paul

Quelle: Berliner Zeitung Nummer 195, Montag, 22. August 2011, Seite 18

Ursprünglich veröffentlicht auf dem Pfaffenberg-Blog.

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