Qualifikation Denkmalpflege der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Der Werdegang vom Architekten zum Denkmalpfleger kann für jeden sehr individuell sein . Der Weg über die Qualifikation Denkmalpflege der Deutschen Stiftung Denkmalschutz dauert mindestens 13 (maximal 36) Monate und lässt einen verschiedene denkmalträchtige Städte in Deutschland besuchen.

In insgesamt 8 Wochenseminaren und einigen Tageskursen erlernt man die fundamentalsten Grundlagen der Denkmalpflege in ihrer weit gestreuten Variation. Durch den umfassenden Einblick in die Bandbreite des Themengebietes Denkmalpflege lernt man eines als erstes: Demut.

Demut vor dem großen Ganzen, Demut vor dem kulturellen Gut, Demut vor dem gewaltigen Wissen, das Experten sich in Jahrzehnten angeeignet haben. Winzig klein mit Hut ist der angehende Denkmalpfleger, denn er kratzt nur die Oberfläche des gewaltigen Wissens an, das es zu erlernen gibt.

Je mehr Seminare man besucht, desto größer ist die Ehrfurcht vor dem, was man alles noch nicht weiß. Man lernt immer mehr Themengebiete kennen, die man nur unzureichend bearbeitet hat und in denen es noch so viel mehr zu lernen gibt. Die Kurse bauen ein Wissensfundament auf, auf dem man mit Hilfe der Kursunterlagen weiter aufbauen kann. Die einzelnen Wochenseminare sind jeweils Oberthemen zugeordnet, die sich ergänzen. Zum Schluss hat man ein umfangreiches Bild der verschiedenen Tätigkeiten des Denkmalschutzes. Architekten und Planer lernen Vorgehensweisen anderer Planer kennen, sie lernen, wie andere mit Problemen umgehen und sie werden auf Stolperfallen im Alltag hingewiesen. Neben allerlei fachlichem Wissen, das den Lernenden mit auf den Weg gegeben wird, sind die Kontakte, die man knüpft ein weiterer wichtiger Bestandteil der Kurse. Durch den ’studentischen Zusammenschluss‘, den die Kursteilnehmer bilden, entwickelt sich ein Netzwerk von Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet. Die gute Durchmischung der Berufssparten und der regionalen Verortung ermöglicht ein breites Bild über aktive Denkmal-Interessierte.

Kursaufbau

Die Wochenseminare der Qualifikation Denkmalpflege gliedern sich thematisch zusammengefasst so, dass man die Reihenfolge der Kurse mischen kann. Ein Kurszyklus dauert 13 Monate, die maximale Zeit, die man brauchen darf, sind 3 Jahre. Innerhalb dieser 3 Jahre kann man die Kursreihenfolge frei wählen, sodass man für sich passend, alle 8 Wochenseminare belegt hat. Neben diesen Wochenseminaren (WS) gibt es noch 5 Tagesseminare (TS), die man belegen muss, um zur Prüfung zugelassen zu werden.

Aufgrund des Aufbaus bietet es sich an, die Seminare innerhalb eines Kurs-Zyklus zu belegen, sodass Referenten nicht mit ähnlichen Themen doppelt auftreten. Je nach aktuellen Themenschwerpunkten in der Denkmaldebatte ändern sich die Kursinhalte entsprechend. Von einem Lehrplan, wie man ihn von Unis kennt, kann also nicht die Rede sein, obwohl man von einer wohl strukturierten und gut organisierten Ausbildung sprechen kann.

Das Thema der Praxiswoche varriert, sodass im Zyklus 2015 eine Bestandsaufnahme in der Nähe von Görlitz erfolgt, 2016 Bauschäden untersucht werden und man 2017 vertiefte Einblicke in die Bauforschung erhalten kann.

Mich persönlich interessiert das Thema Bauforschung 2017 zwar am meisten, da ich Bestandsaufnahme und Bauschäden jeweils schon in der Uni und im Büro hautnah praktisch durchgeführt habe, aber da ich die Fortbildung im Jahr 2016 abschließen will, werde ich wohl nochmal die Bestandsaufnahme durchgehen und hier sicherlich trotz viel Erfahrung in dem Bereich immer weiter Neues lernen. Gerade das Arbeiten in größeren Gruppen interessiert mich da, da man in Uni und Büro für gewöhnlich nur mit 1-2 Kollegen unterwegs ist und so weniger Meinungsaustausch hat.

Prüfung

Um zur Prüfung zugelassen zu werden, müssen alle Wochenseminare und Tagesseminare belegt worden sein. Zudem gehört zur Prüfung ein Vortrag innerhalb eines Wochenseminares über ein passendes Thema des eigenen Ermessens. Der Vortragende referiert also über sein Spezialgebiet oder ein von ihm betreutes Bauvorhaben. In die Schlussbewertung fließen außerdem die Ergebnisse des Praxisseminars ein und das Abschneiden in einer mündlichen Prüfung.

Finanzielle Aufwendungen

Insgesamt kostet die Qualifikation Denkmalschutz rund 4500€ plus Reise- und Übernachtungskosten. In den Städten, in denen es Gästehäuser der Denkmal-Akademie gibt, können Kursteilnehmer mit ermäßigte Übernachtungskosten unterkommen.

Eine Nacht im Görlitzer Gästehaus kostet während eines Kurses (Stand März 2015) 25€ und beinhaltet ein Frühstück sowie eine brüchige WLan-Verbindung.
Gästehäuser gibt es meines Wissens in Görlitz und Quedlinburg.

Schlesisches Haus in Görlitz

Unterkunft

Die Gästehäuser sind Gebäude, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz betreut werden. Die Kursteilnehmer werden dort bevorzugt aufgenommen, wenn gerade ein Wochenseminar stattfindet.

Görlitzer Gästehaus

Das Gästehaus in Görlitz ist gleichzeitig auch der Veranstaltungsort des dortigen Wochenseminars. Es befindet sich mitten in der Altstadt und hat genügend Platz und Ruhe. Die Einzelzimmer sind ausgestattet mit einem Schrank, einem Einzelbett und einem Tisch. Dazu gibt es ein eigenes kleines Duschbad und die Ermahnung doch in allgemeiner Rücksichtnahme Ruhe walten zu lassen. Das Gästehaus versteht seine kleinen Zimmer als Studierstuben und niemand soll daran gehindert werden, seinen Recherchen und Gedanken nachzugehen. Während die Zimmer sich in den oberen Geschossen befinden, gibt es im Erdgeschoss neben dem Seminarraum eine ausgestattete Küche und ein Frühstückszimmer. In der Küche haben die Kursteilnehmer die Möglichkeit in einem großen Kühlschrank Lebensmittel aufzubewahren. Einige Schränke bieten Stauraum und Herd und Ofen ermöglichen gemeinsames Kochen. Eine Spülmaschine gibt es auch!
Der wLan-Zugang ist allerdings sehr brüchig, was modernes Arbeiten mit viel Recherche etwas erschwert da je nach Lage des Zimmers die Verbindung sehr oft abbricht.

Das Zimmer kostet pro Nacht pro Person ca. 25 Euro und beinhaltet ein Frühstück. Sind weniger als 5 Personen eingemietet, gibt es kein Frühstück, dann muss man sich bei diversen Bäckern in der Stadt behelfen. Für diese Tage wird dann allerdings auch keine Frühstücksgebühr erhoben. Für den Preis (etwa 6€) kann man dann gut in Görlitz frühstücken.

Quedlinburger Gäste-Apartments

Die Aparments in Quedlinburg gehören nicht direkt zur DSD und bieten den Kursteilnehmern daher keine Rabatte. Außerdem gibt es keine Einzelzimmer, was eine Einbuchung finanziell nur attraktiv macht, wenn man mit einem Kollegen anreist. Im Vergleich mit den anderen Hotelzimmern in Quedlinburg scheinen die Apartments des Palais Salfeld allerdings dennoch günstiger zu sein, denn ein Doppelzimmer kostet dort rund 80€. Unter 90€ bekommt man auch in anderen Hotels pro Nacht kaum ein Zimmer.

Alternative

In manchen Städten sind die Hotels nicht so arg teuer, wenn man in Kauf nimmt, weitere Strecken zurück zu legen. In Bonn beisielsweise haben wir uns im City Hotel eingemietet, waren dafür aber auch jeden Tag eine Stunde mit dem Auto unterwegs.

In Quedlinburg teste ich zum ersten Mal AirBnB und habe laut Auskunft des Vermieters einen täglichen Fußmarsch von 20-30 Minuten vor mir. 15 Minuten je Strecke morgens und abends laufen halte ich für durchaus machbar, wenn man dafür ein paar kostbare Euro spart.

Je größer die Städte, desto höher auch die Preise für Übernachtungen. Dafür hat man dann da auch die größere Auswahl und kann auch mal was anderes ausprobieren. In Berlin beispielsweise ist es kaum ein Problem mit CouchSurfing für eine Woche in einer WG unter zu kommen. Gerade für die jüngeren Teilnehmer der Weiterbildung ist das doch ein Anreiz und eine Möglichkeit ein paar Euro zu sparen und dabei noch tolle Kontakte zu knüpfen.

Fazit

Die „Qualifikation Denkmalschutz“ ist eine gut strukturierte und organisierte Weiterbildung für Architekten, Planer und Mitarbeiter der Denkmalbehörden. Durch die insgesamt 9 Wochen, die sich die Kursteilnehmer sehen, entstehen wertvolle Kontakte, da man viel von den anderen erfährt. Die Kosten sind mit rund 4500€ für den Kurs allerdings nicht zu verachten. Auch die zusätzlichen Kosten für Fahrt und Unterkunft sorgen dafür, dass man im Kurszyklus rund 9000€ für die Ausbildung ausgibt.

Andere Arten der Weiterbildung, wie Aufbaustudium oder ortsgebundene Ausbildung, sind nicht so teuer, bieten dafür vermutlich aber auch nicht den Vorteil innerhalb eines Jahres bis zu 7 neue Städte kennenzulernen.

Finanziell und zeitlich ist die Qualifikation Denkmalschutz also mit hohem Aufwand verbunden, der von Arbeitgeber, Familie und Geldbeutel erstmal genehmigt werden muss. Alles in Allem lohnt sich die Qualifikation allerdings auf jeden Fall.

Hast du eine Ausbildung zum Denkmalpfleger hinter dir oder planst du eine? Wenn ja, welche ist es und wie ist deine Einschätzung dazu? Lohnt es sich?

Wie werde ich Denkmalpfleger?

Denkmalpfleger: Wie werde ich das?
Viele Menschen lieben Denkmäler und erkennen ihren Wert, wissen aber nicht, wie sie selbst aktiv werden können. Es gibt einige Wege, die es möglich machen, Denkmalpfleger zu werden.
Baudenkmäler sind Kulturgüter, die allen Beteiligten einer Gesellschaft zur Verfügung zu stehen haben. Denkmäler im urbanen oder ländlichen Umfeld schaffen Identifikation mit dem Raum und ein Heimatgefühl. Verbundenheit und Interesse sind ausschlaggebend für die Erhaltung historischer Bauten, die für die Allgemeinheit zugänglich sind. Kulturgüter wie Bücher oder Gemälde erfahren große Wertschätzung, da sie in sicheren Gemäuern verwahrt und nur gegen Geld zugänglich sind. Baudenkmäler hingegen sind Bestandteil des alltäglichen öffentlichen Lebens und werden daher nur zu leicht zur Selbstverständlichkeit. Die Dinge des täglichen Lebens erfahren leider nur allzu oft erst Anerkennung, wenn sie vergangen sind.
Denkmalschützer und Denkmalpfleger sind sich der Existenz der Kulturgüter bewusst und wissen, wie wertvoll sie sind. Sie suchen nach ihnen und erkennen sie, bevor sie verschwunden sind und betrauert werden. Oft wird das Werk der Denkmalschützer wenig gewürdigt oder gar in Frage gestellt, dabei balanciert er ständig auf dem schmalen Grad zwischen Erhalten und Verändern. Ein 100%iges Richtig oder Falsch gibt es genauso selten wie in anderen Bereichen des Lebens.

Wie werde ich Denkmalpfleger?

Es gibt klassische Wege mit einer Ausbildung zum Denkmalpfleger zu werden, man kann aber auch über Umwege als Quereinsteiger in die Rolle des Denkmalpflegers schlüpfen.

Das Studium

Ein klassischer Weg ist, Denkmalpflege zu studieren. Studienmöglichkeiten gibt es zum Beispiel mit dem Masterstudium Denkmalpflege der TU Berlin. Dieses kann man absolvieren, wenn man Architektur erfolgreich im Bachelor oder im Diplom studiert hat.

Die Weiterbildung

Diverse Kurse der Architektenkammern befassen sich mit Bauen im Denkmal oder im Altbau. Man kann sich also als ausgebildeter Architekt zum Denkmalpfleger weiterschulen und so sein Wissen neben dem Büroalltag weiter ausprägen.
Kunsthistoriker, Archäologen oder andere Nicht-Architekten haben die Möglichkeit an den Schulungen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz innerhalb von 8 Wochenseminaren und 5 Tagesseminaren die Qualifikation Denkmalschutz zu erlangen. Diese Ausbildung ist sehr umfangreich und allen angrenzenden Gewerken, sowie den Architekten, offen.

Der Quereinstieg

Manch einer plant nicht, Denkmalpfleger zu werden und wird im Laufe seines Berufslebens immer öfter mit denkmalgeschützten Bauten konfrontiert. Durch eingehende Literaturrecherche sowie ‚Learning-by-Doing‘ entwickelt sich manch einer nach und nach zu einem Experten und Denkmalpfleger.
Manch ein Stuckateur, Schreiner oder Schmied hat mit Vorliebe historische Materialien bearbeitet und so viel Wissen angesammelt, dass er durch Empfehlungen immer bekannter wurde. Dadurch baut sich ein Netzwerk auf und durch jeden neuen Auftrag wächst das Wissen weiter und die Fähigkeiten entwickeln sich.

Die Ausbildung

Ein anderer möglicher Weg ist die Ausbildung zum Restaurator. Restauration kann man zwar auch studieren, aber ein mittlerer Schulabschluss ist die beste Einstiegsmöglichkeit für den praktisch orientierten Beruf des Restaurators. Je nachdem, welchen Betrieb man findet, kann man sich auf Kirchenmalereien, historische Tapetenrekonstruktion, oder -Retusche (oder viele weitere) spezialisieren. Auch Schreiner und Stuckateure, Maler und Maurer stellen Handwerke dar, die es schon an historischen Bauten gab. Allerdings ist hier die genaue Recherche nach den bestimmten Ausbildungsbetrieben nötig, denn viele Handwerksbetriebe bilden die alten Techniken gar nicht mehr aus. Ein Maler, der sich beispielsweise auf Restauration spezialisiert hat, wird noch selbst Farben mischen können, kennt den Unterschied zwischen Kalk- und Leimfarbe, kann diese den Gegebenheiten anpassen und wird nie Fertigfabrikate aus Baumärkten verwenden.

Weiterbildung nach der Ausbildung

Hat man den ‚falschen‘ Ausbildungsbetrieb gewählt oder erst nach der Meisterausbildung die Liebe zum Denkmal entdeckt, kann man sich dennoch zum Restaurator schulen lassen. Das Denkmalzentrum Görlitz  bietet jungen Meistern die Möglichkeit, sich zum Restaurator weiter zu bilden. Die Ausbildung dauert etwa 4 Monate und beinhaltet sowohl einen theoretischen als auch einen 3-monatigen praktischen Teil.

Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege

Wer sich schon direkt nach der Schulzeit für die Denkmalpflege interessiert, kann ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege einlegen. Dort gibt es die verschiedensten Möglichkeiten einen Platz zu finden. Man kann in einem Handwerksbetrieb eine der vielen verschiedenen historischen Handwerkstechniken lernen, in Seminaren viel über Baugeschichte lernen und Kontakte zu Betrieben und Einrichtungen knüpfen. Viele Informationen gibt es auf der Seite des Freiwilligendienstes Deutschland.

Stiftungen und Institutionen

Überregional:
  1. Badem-Württemberg
    1. Denkmalfreunde Freudenstadt
      1. Denkmalverein Mössingen
  2. Bayern
    1. Altstadtfreunde Nürnberg e.V.
    2. Altstadtfreunde München
    3. Altstadtfreunde Lauf
    4. Straubinger Altstadtfreunde
    5. Denkmalverein Penzberg
  3. Berlin
    1. Denkmalpflege Verein Nahverkehr Berlin
    2. Berliner Unterwelten e.V.
    3. Denk-mal-an-Berlin
  4. Brandenburg
    1. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege
  5. Bremen
    1. Landesamt für Denkmalpflege
  6. Hamburg
    1. Denkmalverein Hamburg
  7. Hessen
    1. Heppenheimer Altstadtfreunde
  8. Mecklenburg-Vorpommern
    1. Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern
    2. Landesarchäolovie MV
    3. Bund Heimat und Umwelt
  9. Niedersachsen
    1. Denkmalpflege in Niedersachsen
  10. Nordrhein-Westphalen
    1. Altstadtfreunde Warendorf
  11. Rheinland-Pfalz
    1. Förderverein Sauerbrunnen – Denkmalpflege e.v.
    2. Förderkreis Theodor Zink-Museum Kaiserslautern
  12. Saarland
    1. Förderverein für Denkmalpflege und Heimatkunde Schwalbach e.V.
  13. Sachsen 
    1. Denkmalzentrum Görlitz
    2. Denkmalverein Glauchau
    3. Vereinigung der Landesdenkmalpfleger Leipzig
  14. Sachsen-Anhalt
    1. Freunde der Bau- und Kulturdenkmale S.A.
  15. Schleswig-Holstein
    1. Denkmalfonds Schleswig-Holstein e.V.
  16. Thüringen
    1. Denkmalerhaltungsverein Eisenach

Magazine und Seiten

  1. Monumente
  2. Denkmal-Sanierung
  3. Eine tolle Sammlung wichtiger Adressen wurder von der Redaktion der Denkmal-Sanierung zusammengetragen und kann als PDF herunter geladen werden.
  4. Restaurator im Handwerk
  5. Restauro
  6. e-conservation
  7. Denkmal heute (Österreich)
  8. DenkMal! – Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein
Es gibt also einige Wege, zum Denkmalpfleger zu werden. Nicht immer tragen Denkmal-Vereine oder -Institutionen das Denkmal im Namen. Wer also nach solchen Vereinen sucht, sollte auch Stichworte wie Altstadt oder Altbau nicht außen vor lassen. Auf den Seiten der einzelnen Institutionen sind auch oft Links zu anderen Vereinen zu finden, wodurch man sich auf der Suche von einer Seite zur nächsten arbeiten kann.

Welche Vereine, Firmen oder Stiftungen kennt ihr noch, die sich mit Denkmälern und deren Erhalt beschäftigen?

A wie Anfang

MagicLetters A wie Anfang

Am Anfang eines jeden Bauprojektes steht der Entwurf. Und am Anfang vom Entwurf steht die Ideenfindung.

Im Architekturstudium werden die Anfänge einer jeden Aufgabe oft in den Arbeitsräumen der Uni gesucht. Die Gemeinsamkeit der Leidensgenossen ist es, was sie zusammen schweißt. Architekturstudenten versuchen jeder für sich und doch in Gemeinschaft, die Aufgabenstellungen zu bewältigen.

Während meist mit der Analyse des Bauortes begonnen wird, sind andere schon dabei, Geländemodelle zu modellieren oder selbst per Hand zu bauen. Wiederum andere unterhalten sich über ihre Entwürfe, lassen ihren Frust über die letzte Korrektur ab, machen sich Tütensuppen oder kleben Wände aus Pappe zu kleinen Kunstwerken zusammen. Read more

Der erste Tag in Bau1

Tag1 in Bau 1, Studentengeschichten

Es ist halb neun Uhr morgens, kalt und regnerisch. Es ist ein ungemütlicher Herbsttag. Die Kapuze der schwarzen Winterjacke ist tief ins Gesicht gezogen und die Hände in den Taschen vergraben. Obwohl es Bindfäden regnet, liegt der obligatorische Miniregenschirm in den Untiefen ihrer Umhängetasche. Sie, das ist Fiona, eine frisch gebackene Studentin, die von weit her gekommen ist, weil in dieser kleinen Stadt die Mieten günstig sind und man noch das altehrwürdige Diplom machen kann.

Drei Mal schon ist sie an diesem Gebäude vorbei gelaufen, ohne es weiter zu beachten, obwohl ihre neue Mitbewohnerin ihr doch genau gesagt hat, wo es liegt. Aber es sieht eben doch so unscheinbar und uneindeutig aus, wenn man mit etwas anderem rechnet. Zwischen ein paar Bäumen versteckt und von der Straße weg gerückt, steht ein altes Gebäude mit neuerem Anbau im grauen Oktoberregen und nimmt ein paar Gestalten durch seine Glasfassade auf, die durch den Regen ins Innere eilen.

Die Pfaffenbergstraße 95 sollte es sein, oder das Universitätsgebäude 1, aber weder eine 95 noch eine 1 stehen irgendwo an diesem Haus.
Neugier oder der Unwille noch weiter durch den Regen zu stapfen bringen sie dazu, doch über den kleinen Vorplatz zu gehen und einen Blick in das Gebäude zu riskieren. Auch wenn es tatsächlich von Außen eher aussieht wie eine Schule, ist es doch das richtige Gebäude auf dem Campus. Der Campus, der sich „Kleiner Campus Pfaffenberg“ nennt, was sie aber erst viel später erfährt.
Drinnen herrscht schüchternes Gewusel von an die vierzig tropfnassen Gestalten, die alle nichts mit sich anzufangen wissen. Einige wenige wuseln geschäftig durch das Foyer, das von einer großen Treppe dominiert wird. Hoch und runter, in die Gänge und durch eine kleine Tür laufen sie und haben kein Auge für die unsicher wartenden, die sich nach und nach in kleinen Grüppchen zusammen rauffen und sich gegenseitig bestätigen, dass sie alle nicht wissen, was genau sie hier tun und wie es weiter geht. Aber man ist sich einig, man ist in der Pfaffenbergstraße 95. Einer hat es jedenfalls zu wissen vorgegeben und die anderen hoffen, dass er Recht hat, denn sie haben keine Lust mehr, weiter suchend im Nassen zu stehen.
Innerhalb der nächsten halben Stunde werden aus den vierzig Tropfenden rund 90 und um kurz vor neun erbarmt sich ein groß gewachsener, blonder, junger Student und spricht mit einem Strahlen auf dem Gesicht, als wäre das der schönste Tag seines Semesters, zu den Neulingen, die augenblicklich verstummen und froh sind, endlich aus der Ahnungslosigkeit befreit zu werden.
Allerdings erzählt er so viel, dass die Meisten später weiterhin ahnungslos sind. Sie werden aber mit dem guten Gefühl zurück gelassen, dass sie ein paar Zettel in die Hand gedrückt bekommen und dass man sich in der folgenden Woche um sie kümmern wird.
Sie werden durchgezählt von Eins bis Acht und werden den Nummern nach zu zufälligen Gruppen zusammen gemischt. Alle Einsen zusammen, alle Zweien zusammen, und so weiter. Jede Gruppe gehört zu einem Mentor, der sie die ganze Woche lang begleiten und ihnen das Wichtigste zeigen und erklären wird.
Alle hinterher!
Nach einer kurzen Begrüßung des Mentors, der in Wirklichkeit eine Mentorin ist und Eva heißt, geht es auch schon los. Ein kurzer Blick über die Schulter verrät Fiona, dass die anderen Gruppen auch aufbrechen, also jetzt bloß nicht den Anschluss verlieren. Eva führt sie durch die unendlich verwirrenden Flure des Gebäudes und macht halt an Büros, die hier Lehrgebiete heißen, die niemand aus der Gruppe je wiederfinden würde. Jedenfalls sind sie alle aufgrund des Übermaßes an Neuem, felsenfest davon überzeugt.

 

Nachdem sich alle an die Temperaturen im Inneren des Gebäudes gewöhnt haben und die Jacken inzwischen offen stehen, verrät Eva ihrer wenig begeisterten Gruppe, dass es jetzt wieder nach draussen geht. Mit wenig Begeisterung aber folgsam trabt das kleine Rudel hinter Eva her in den Regen und nach und nach öffnen sich die Regenschirme. Unsere Neustudentin teilt sich mit dem zufällig neben ihr stehenden Mädchen, das seinen Schirm vergessen hat. Somit sind sie die folgenden drei Stunden durch Regen und sozialem Schirm-Sharing miteinander verbunden. Dass ein Teil dieser zufälligen Gruppe, und vor allem dieses eine Mädchen unter ihrem Schirm, bis zum Abschluss und darüber hinaus eine Rolle in ihrem Leben spielen wird, damit hätte sie an diesem ersten Tag nicht gerechnet.
Es folgt eine Wanderung durch unscheinbare Pfade zwischen Kindergärten und Schulen hindurch zum eigentlichen Campus. Wenn man diese Wege nicht kennt, würde man nicht auf die Idee kommen, sie zu benutzen, weil sie fast wie Privatwege aussehen.
Der Campus erweist sich als hügeliges Areal mit diversen Gebäuden, die auf den ersten Blick ohne hohen architektonischen Wert an den Stadtrand gestreut wurden. Für die angehenden Architekten schrecklich weit weg von ihrem „Hauptquartier“ befindet sich die Mensa, das Rechenzentrum, die Hauptbibliothek und der Audimax. Die Mensa werden einige noch schmerzlich vermissen, das Rechenzentrum wird der Ort der zweitgrößten Ängste in ihrem Studium werden, die Hauptbibliothek wird erstaunlicherweise keine Rolle in ihrer Studentenlaufbahn spielen und der Weg in den Audimax wird nur sehr selten von ihnen zurück gelegt werden, weshalb sie, wenn es dann soweit ist, erstmal wieder schauen müssen, wo der denn nochmal war.
Nach etwa zwei informationsgefüllten Stunden unter Regenschirmen, finden sich die Architektenanwärter wieder im Foyer von „Bau1“ wieder, dem Gebäude, in dem die Fakultät ARuBi* untergebracht ist. ARuBi steht für Architektur, Raum- und Umweltplanung und Bauingenieurwesen. Die Gruppen kommen nach und nach wieder zusammen und der sonnige junge Mann von heute Morgen erzählt, dass es am Abend eine Art Schnitzeljagt durch die Stadt geben wird, die zum einen dazu dient, die Stadt besser kennen zu lernen und zum anderen, die Gruppen näher zusammen zu bringen.
Das Vorhaben scheitert leider aufgrund aktuer, wetterbedingter Unlust seitens der Protagonisten und so bleibt nur die Verabredung bestehen, sich morgen um 9 Uhr wieder im Foyer zu treffen.

*Die Fachbereiche sind zu diesem Zeitpunkt 2008 noch zusammengelegt und teilen sich die Vorlesungen sowie einen gemeinsamen Fachschaftsrat.

 Hier gibt’s den Workflow für das heutige Titelbild zu sehen. Mal was Neues im neuen Jahr.

Wenn dich die Motivation verlässt

Wenn dich die Motivation verlässt, kurz davor alles hinzuwerfen? Studienkrise? Depressiv?

Du kennst das sicherlich. Das Gefühl, einfach keine Lust mehr zu haben. Du fragst dich, warum du den Mist hier eigentlich machst und warum du nicht einfach aufhörst.

Egal ob du dich durchs Studium quälst oder arbeitest, irgendwann hat doch jeder von uns diesen Punkt, an dem man denkt: WOZU?

Ich hatte ihn auch. Schon mehrfach. Während der Uni schon.

Was hat mir da geholfen?

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Bücherwünsche eines Architekten

WunschLiteratur eines Architekten

Da das Konsumfest Weihnachten nun naht und man sich mehr und mehr Gedanken darüber macht, was man den Lieben denn so zukommen lässt, fallen einem natürlich auch immer mehr Sachen auf, die einen selbst brennend interessieren, für die man aber noch nicht das passende Kleingeld hatte.

Was auf meiner vielleicht etwas speziellen Wunschliste steht,

zeige ich euch hier.

Hanok The Korean House

Hanok: The Korean House

zum Beispiel auf Amazon: http://amzn.to/1zNyEBF In recent decades, few nations have transformed themselves as radically as Korea. Amid Seoul’s glass-and-steel skyscrapers and luxury apartments, however, the traditional Korean home or Hanok is experiencing a surprising renaissance. Hanok: The Korean House showcases twelve very special Hanok that reflect today’s Korea—a country that’s putting a modern twist on traditional values. While the exteriors of these houses are indistinguishable from Hanok built decades ago, the interior designs have been completely updated.

Traditional materials of stone, wood, and clay are still the only components used in these houses. They also incorporate natural elements such as wind and sunlight, and baesanimsu—known in Chinese as feng shui—used to position the Hanok in harmony with the natural forces and geographical features of the site. But many of these new Hanok owners are architects who have incorporated open floor plans and cutting-edge architectural elements to create a more functional home.

Design for the Other 90%

Design for the other 90%

zum Beispiel auf Amazon: http://amzn.to/1rDbX9k

Design for the Other 90% is an exhibition focusing on design for poor of the world, the 90% who cannot afford many things. The exhibition is on at Cooper-Hewitt, National Design Museum through September 23, 2007. Of the world’s total population of 6.5 billion, 5.8 billion people, or 90%, have little or no access to most of the products and services many of us take for granted; in fact, nearly half do not have regular access to food, clean water, or shelter. Design for the Other 90% explores a growing movement among designers to design low-cost solutions for this other 90%.

 

Wir leben in so viel Wohlstand und jammern dennoch. Es kann nicht schaden, sich immer mal wieder vor Augen zu führen, wie gut es uns eigentlich geht. Und es ist so interessant zu sehen, mit wie wenig andere Menschen auskommen. Zyniker mögen sagen „Ja, Wärmedämmung braucht man ja in Afrika auch nicht!“, aber so einfach ist es nicht. Egal ob es um Wassergewinnung oder Umweltkatastrophenopfer geht; es gibt genug Menschen, die wünschen sich einfach nur das Nötigste.

Architecture and Urbanism in Modern Korea

Architecture and Urbanism in Modern Korea

zum Beispiel auf Amazon: http://amzn.to/1E5MPk6

This book traces the transformation of Koreas architecture and urban space over the course of the last hundred years, a period when the built environment changed so fundamentally as to make its transfigurations difficult to comprehensively understand.

Ich gebe ja zu, aufgrund meiner Interessen ist Korea auf meiner Wunschliste etwas stärker vertreten als die typische Star-Architektur, aber ist das hier auf dem Cover nicht eine Londoner Telefonzelle? Naja, gewisse Ähnlichkeiten sind jedenfalls vertreten.

 

Das Ego des Architekten

Das Ego des Architekten

zum Beispiel auf Amazon: http://amzn.to/1rWdPeq

Wer steht nicht zuweilen ratlos vor der Mega-Architektur unserer Tage? Muss man ihr in jedem Fall Respekt bezeigen? Oder darf man nach der Berechtigung einer Architektur fragen, die ihren städte-baulichen und sozialen Kontext hochmütig ignoriert? Nach den Motiven ihrer Schöpfer und Auftraggeber, die ihr Ego über alles zu stellen scheinen? Wilhelm Kücker kennt die Malaise von innen und außen. In -prägnanten Kapiteln zeichnet er die Wege und Irrwege der Architekturmoderne von 1910 bis heute nach. Er demontiert Ikonen wie Le Corbusier, dem er das „Feindbild Mensch“ und die Neigung zu totalitären Regimen attestiert, bis hin zu Star-Architekten wie Herzog & Demeuron oder Philip Johnson. Wie nebenbei werden dem Leser die Augen für die essenziellen Fragen geöffnet. Was ist eine Stadt? Was soll Architektur? Seit wann gibt es überhaupt Architekten? Eindrucksvoll beschreibt Kücker den Abstieg des Berufsstands vom baumeisterlichen Künstler zum Dienstleister. Eine kritische, subjektiv-ironische, nie aber billig ressentimentgeladene Abrechnung, für Leute vom Fach und interessierte Laien.

 

Stadtsoziologie: Stadtentwicklung und Theorien

Stadtsoziologie: Stadtentwicklung und Theorien

zum Beispiel auf Amazon: http://amzn.to/1rWe2hq

Diese Einführung knüpft an das Lehrbuch zur Architektursoziologie an und stellt – nicht zuletzt durch zahlreiche Abbildungen und Schaubilder – die Soziologie der Stadt sehr anschaulich und nachvollziehbar dar. Die historischen und sozio-ökonomischen Grundlagen werden ebenso herausgearbeitet wie aktuelle Probleme der Stadtplanung.

Oh Schreck, ein Lehrbuch?

Ist sie denn von allen guten Geistern verlassen? Nein, denn erstens geht es um Stadt und zweitens um Soziologie! Das „Partnerbuch“ mit dem schönen Namen Architektursoziologie habe ich bereits voller Lesehunger verschlungen und euch in einer Rezension davon berichtet.

 

Design Like You Give a Damn

Design Like You Give a Damn

zum Beispiel auf Amazon: http://amzn.to/1E5NCSf

Design Like you Give A Damn [2] is the indispensable handbook for anyone committed to building a better a more sustainable future. With the rise in social demand for recycling programs and sustainable living this second title in the Design Like you Give A Damn repertoire, documenting more than 1 00 new projects from around the world tunes into this fever pitch of change. This volume is packed with practical and ingenious design solutions that address the need for basic shelter, housing, education, health care, clean water and renewable energy. One-on-one interviews and provocative case studies demonstrate how innovative design is reimagining community and uplifting lives. From swing sets in refugee shelters, a co-ed skate-park in war-torn Afghanistan, to building material innovations such as smog-eating concrete to innovative public policy that is repainting Brazils‘ urban slums, Design Like you Give A Damn [2] serves as a how-to guide for anyone seeking to build change from the ground up.

 

Small Scale Big Change

Small Scale Big Change

zum Beispiel auf Amazon: http://amzn.to/1vkJneW

Andres Lepik war Kurator für Architektur am MoMA, New York und ist heute Leiter des Architekturmuseums München. Autor zahlreicher Publikationen, u.a. zu Mies van der Rohe und dem Bauhaus.

Kleine Änderungen können so viel bewirken, wenn es die richtigen sind und wenn man sie den richtigen Menschen zur Verfügung stellt.


Wie vielleicht ersichtlich wird, interessiere ich mich für Soziologie, für humanitäre Architektur und für Urbanität. Das sind die drei Themen neben der Denkmalpflege, die mich schon seit sehr langer Zeit nicht mehr loslassen und zu denen ich auch immer wieder zurück gefunden habe. Was wünscht ihr euch denn so ins Bücherregal, egal ob zu Weihnachten oder ansonsten?

von Studenten – für Studenten

Eine neue Kategorie auf Raumzeichner.de, in der es folgendes gibt:
Geschichten aus erster Hand über und von (ehemaligen) Architekturstudenten.

Tagebücher und Reportagen

In der Ellenbogengesellschaft der Architekturfakultäten ist man nicht allein, denn vielen Kommilitonen geht es so wie dir!

In dieser Kategorie geht es um Architekturstudenten. Architekturstudenten und Absolventen sprechen über das Studium, über die Schwierigkeiten und schütten ihr Herz aus. Es wird aus dem Nähkästchen geplaudert und der ein oder andere Tipp verteilt.

Studium vs. Arbeit

Universität vs Arbeit

Architekten haben diverse Pflichten und von ihnen wird viel verlangt, doch nur auf wenig davon werden sie im Studium vorbereitet oder überhaupt nur hingewiesen.
Sobald ein Architekt die ‚Komfortzone verlässt‘ und über den Tellerrand des Entwerfens hinaus schaut, wird er von Bauträgern, Bauherren und seiner Aufsichtspflicht in die Mangel genommen.

Was lernt man an der Uni?

Während des Studiums wird man intensiv auf den Entwurf vorbereitet. Der Entwurf ist die Königsdisziplin der Architekten und folglich auch das, wofür das Herz der meisten Architekten schlägt. Der Entwurf ist nicht nur das reine Denken mit dem Kopf, das weltfremde und abgehobene Ideenspektrum eines geborenen Individualisten mit schwarzem Anzug und rotem Schal, sondern viel mehr das sinnvolle Kombinieren von Möglichkeiten unter Berücksichtigung wichtiger Vorgaben bei kreativer Auslegung zwingender Einschränkungen. Vorgaben sind oft nicht konkret und selten ausreichend ausführlich durchdacht. Der Architekt ist geschult darin, sich in ein Gebäude und seine Nutzbarkeit hinein versetzen zu können und so sieht er konzeptionelle Mängel oder schlicht fehlende Punkte schneller, auf die ein Laie (was mit Verlaub die meisten Bauherren ja sind) gar nicht kommt und daher auch nicht in den Vorgaben nennt.

Der Architekt denkt also weiter und erkennt mögliche Erweiterungen der Liste, damit sich der Bauherr auch noch in 2-10 Jahren über sein Bauwerk freut und nicht in einem Jahr unglücklich ist, weil er einen für ihn wichtigen Raum nicht hat. Da sich der Architekt mit dem Bauherren auseinander setzt und sich in Menschen hineinversetzen kann, denkt er weiter, teilweise Jahrzehnte voraus, und macht Vorschläge, die den Gebäuden längere Nutzbarkeit geben.

Am konkreten Beispiel:

Ein Bauherr möchte ein Haus für sich und seine Kinder; die Familie passt hervorragend zusammen und der Familienclan möchte sich lange nicht trennen. Auch soll das Haus in Familienbesitz bleiben und niemand möchte weit weg ziehen.
Dass die Kinder irgendwann nicht mehr in der Elternwohnung leben wollen, bedenkt der Bauherr vielleicht noch und plant Einliegerwohnungen ein, dass aber irgendwann ein barrierefreier Zugang nötig wird, und daher Rampen oder gar Aufzüge notwendig werden könnten oder weitere Kinderzimmer für Enkel in Spe, hat er dann vergessen. Nach dem Hinweis vom Architekten, ist das dann aber doch in die Planung mit eingeflossen. Ein Glück, denn nach nur 9 Jahren ist es dann tatsächlich soweit, das erste Enkelchen zieht ein und alle sind froh, dass oben noch ein Kinderzimmer frei war.

Was wird vom Architekten erwartet?

Planung, Bauüberwachung, Kostenschätzung, Kostenüberwachung, Rechnungsprüfung und Schriftverkehr sind nur wenige Aspekte der Architektentätigkeit. Planen kann er ja, aber für den Rest ist er als Uni-Abgänger schlichtweg nicht vorbereitet. Was heißt das genau?
Der Diplom Ingenieur der Architektur wird mit einem Stapel Pläne auf die Baustelle gestellt und soll den Handwerkern auf die Finger schauen. Das klappt ja noch, aber dann soll er bewerten, ob die Arbeit, die diese Leute da verrichten, auch richtig ist. Das ist je nach Detailierungsgrad der Pläne relativ einfach. Bei einem 1:1 Plan, kann man kaum etwas falsch verstehen, denn da ist, wie der Name „Eins-zu-Eins“ schon sagt, wirklich alles abgebildet. Von der Dichtungsschicht bis hin zum Silikonklecks an der Fensterbank. Ist der Plan aber in 1:100 oder gar 1:200 abgebildet, dann sieht man nur schwarze Linien mit weissen Unterbrechungen, was dann Wände und Öffnungen sind. Anhand dieser abstrakten Darstellung ist es unmöglich nachzuvollziehen, wo welches Bauteil wie verbaut sein soll. – Und da soll sich dann der Herr Absolvent aus der Nase ziehen, wie das ganze funktioniert und ob das so richtig ist. Wann hat er sowas schonmal gesehen? Mit etwas Glück im Praktikum, aber das ist auch eher selten, denn Praktikanten bekommen die Bauleiteraufgaben selten zu Gesicht, immerhin ist die Bauleitung viel zu anspruchsvoll und zu fehleranfällig als dass ein Praktikant oder Werkstudent da etwas machen dürfte. 
Sobald er aber ein Zeugnis in der Hand hat, wird erwartet, dass er alles schon mehrfach gesehen hat und weiss, wie etwas verbaut wird, als wäre er ein Handwerker und hätte eine Ausbildung darin gemacht. – Und das in allen Gewerken, die es so gibt. Er ist also in der Vorstellung der Bauherren und der Gesetze ein Allroundtalent mit 200 Jahren Berufserfahrung. Oder hat es gefälligst zu sein.

Wo ist dabei das Problem?

Das Problem liegt darin, dass niemand innerhalb von einer Woche nach Erhalt des Zeugnisses, diese von einem erwarteten 200 Jahre Berufserfahrung erlangen kann und wird. Dennoch ist der Jungarchitekt dazu verpflichtet, diese Fehler und Mängel zu erkennen und anzuzeigen. Die Universitäten vermitteln viel theoretisches Wissen und die Philosophie, die hinter dem ehrenwerten Beruf des Architekten steckt, doch sie ist keine Ausbildung, in der der Auszubildende vollen Überblick in alle Gewerke erhält.
Meistens wird sogar erwartet, dass der Architekt mehr Wissen besitzt als der jeweilige Handwerker. Obwohl man meinen sollte, der Handwerker müsse wissen, welche Materialien er verbaut und wie sie chemisch miteinander reagieren, welche Hersteller mit welchen kombiniert werden können und wie man spezifische Probleme am besten löst, ist es doch immer wieder der Architekt, von dem erwartet wird, dass er dem Handwerker und dem Bauherren sagen kann, was wie wo in welcher Weise kombiniert werden kann und was wie wo und in welcher Weise funktioniert und ggf. warum es nicht funktioniert. 
Das Problem dabei: Ein Architekt ist kein Hellseher. Ein Architekt ist Planer, kein Werkstoffingenieur. Diese werden seperat ausgebildet und eindeutig besser bezahlt als jeder Architekt es jemals wird, warum also wird erwartet, dass ein Architekt das theoretische Wissen dieser hoch qualifiziert geschulten Menschen auch noch hat?

Der Lichtblick?

Absolventen des Studiengangs Architektur dürfen sich so lange nicht Architekt nennen, bis sie sich in die Architektenkammer eintragen lassen konnten. Um dies zu schaffen, muss man mindestens 2 Jahre Berufserfahrung nachweisen, alle Tätigkeitsfelder des Architekten durchlaufen und per Punktesystem eine gewisse Anzahl an Fortbildungen absolviert haben. Diese zwei Jahre geben dem Absolventen etwas Pufferzeit, um sich auf Baustellen umzusehen und ein Auge für ausgeführte Arbeiten zu entwickeln. Da er sich in den ersten zwei Jahren ohnehin nicht vollumfänglich selbstständig machen darf, ist er beschränkt haftbar und meistens irgendwie angstellt. Das Risiko liegt also nicht allein bei ihm und wenn wirklich etwas schief läuft, sollte er einen erfahrenen Chef haben, der Fehler erkennt und weiß, wie man zu handeln hat.
Doppelter Boden mit integriertem Fallnetz sozusagen.

Dass man nach der Uni erstmal ‚Nichts‘ weiss, ist nichts neues, allerdings fehlt mir im Bereich Architektur definitiv ein Trainee-Programm, das als erweiterte Ausbildung gesehen werden kann. Architektur-Absolventen werden ins eisige Wasser geworfen, was bei großen Unternehmen teils durch Mentoring-Programme abgemildert wird, in kleinen Büros aber duraus kritisch und rechtlich riskant sein kann.

Das Fernweh des Architekten.

Das Fernweh des Architekten - Artikel

Wer lernen will, muss reisen.

Architekten und Städtebauer sind nicht die einzigen, die das Reisen lieben, doch gerade diese beiden Berufe können kaum anders lernen. Man lernt am besten mit allen Sinnen. Architekten und Städtebauer beschäftigen sich mit Gebäuden, Plätzen, ganzen Städten. Ihre Passion sind urbane Strukturen und die wollen sie verstehen, damit das Wissen der früheren Generationen rekonstruiert und angewandt werden kann.

Reisen zum Studieren

Warum wirken manche Plätze einladend und heimelig während andere offen und abweisend erscheinen? Ist nicht unser aller Anliegen, offene und weitläufige Plätze in Städten zu haben um urbanes Leben zu pflegen? Nein, ganz so einfach ist es nicht. Es gibt viele Parameter, warum ein Platz wirkt und funktioniert. Dabei reicht es nicht, von Plätzen und ihrer wunderbaren oder schrecklichen Ausstrahlung zu lesen und darüber zu diskutieren. Als Diskussionsgrundlage dient einzig die eigene Erfahrung und das eigene Empfinden.
Das gleiche gilt für Gebäude. Es reicht nicht, über Sinn und Unsinn von Grundrissen und Raumfolgen zu diskutieren, wenn man das Ambiente nicht erlebt hat. Gebäude können durchaus unwirtschaftlich geplant worden sein und erfüllen dennoch jeden gewollten Zweck, wenn sie nur die richtige Stimmung im Besucher hervorrufen.
Ob es repräsentierende Treppenkonstruktionen sind oder gemütliche private Galerien, es kommt auf die verwendeten Materialien an, auf das natürliche Licht, die künstliche Lichtführung, auf Haptik, Geruch und Schallentwicklung.
So viele Aspekte können nur durch das Begehen und Erleben dieser urbanen oder architektonischen Räume erkannt und verwertet werden.

Der Architekt als Tourist

Als Architekt regt man sich gern über die Touristen auf, die knipsend durch die Städte eilen und an den interessantesten Gebäuden achtlos vorbei rennen. Er ist auch ein Tourist in einer fremden Stadt, aber er geht mit einem völlig anderen Blick hindurch, obwohl er die gleichen Empfindungen hat, wie der ‚gemeine Tourist‘. Eine Reise ist für einen Architekten weniger Erholung, sondern viel mehr eine Schulung.

Rom Siedlung Garbatella

Während andere sich in Cafés amüsieren und der fremden Sprache lauschen, analysiert das Architektenhirn, ob dieser Ort nicht besser hätte konzeptioniert werden können. Regionale Eigenheiten werden erkannt, analysiert und innerlich ausgewertet. Gegenden und Plätze werden miteinander verglichen und Fotos haben einen dokumentarischen Stellenwert.
Während der Otto-Normal-Tourist seine liebsten vor die Linse bekommen will, ist der Architekt froh, wenn möglichst keine Menschen das Bild der ruhenden Stadt stören.

Abseits vom Tourismus

Da Touristenströme immer im Weg rum stehen, flieht der Architekt in abgelegene Gassen!
Nein, natürlich nicht. Aber den Touristen der hürdenhaft auftretenden Spezies „Architekt“ interessieren beispielsweise auch Wohnsiedlungen, die geplanter Maßen entstanden sind. Sie üben die gleiche Faszination wie Plätze aus. Sie funktionieren oder funktionieren nicht. Das Ergründen dieser Qualitäten liegt dem Architekten so im Blut, dass er sich selbst ein Bild davon machen will, und dafür teilweise sogar weit fährt.

Rom Siedlung Garbatella

So machen sich Architekten nicht selten auf in heruntergekommene Gegenden, in denen der Putz nur noch durch die Wäscheleinen an der Wand gehalten wird und die Fensterläden schon längst als improvisierte Tischplatten missbraucht wurden. Wo die Mauersteine nur noch aus reiner Gewohnheit das Dach in die Höhe halten und der Müll durch die Gassen weht, packt den Architekten Wehmut und er will herausfinden, warum die Siedlung nicht mehr so genutzt wird, wie sie einmal sollte. Oft erkennt er noch die erdachten Raumqualitäten, aber Zeit und der Unwille, Gebäude und Straßenzüge zu pflegen, haben auch den besten Entwurfsgedanken verkommen lassen. – Und dann entbrennt in ihm der Wunsch, es später einmal besser zu machen, denn er weiß ja nun, worauf es ankommt. Und wenn nicht, wird er sich noch weitere Tage lang den Kopf zerbrechen, bis er die räumlichen Strukturen mit seinem Geist durchdrungen.

Die Finanzierung der Studienreisen

Während manche Studenten reiche Eltern haben und einfach hin reisen können, wohin sie wollen, ist der Durchschnittsstudent und -architekt gar nicht gut genug betucht, um alles genau so zu machen, wie er gern würde.
Eine Methode, dennoch viel zu reisen ist folgende:
Ab und an gibt es Last-Minute-Angebote von Fluglinien, denn ein günstig verkauftes Ticket ist besser als ein leerer Sitz. Wenn man also spontan ist, kann man zum Flughafen gehen und den erstbesten Flug nehmen. Er wird schon in eine interessante Stadt führen, denn jedes Fleckchen Erde hat irgendetwas an sich, das den Planer interessiert. Man muss nur offen dafür sein. Sogar ‚langweilige‘ Reisen sind Reisen, während denen man etwas lernen kann, denn dann kann analysiert werden, warum diese Orte so wenig ansprechend sind. – Und es dann später besser machen.
Eine weitere Methode ist „Blind Booking“. Man hat einen Preis und sucht sich einen Abflughafen sowie ein Abflugdatum raus. Ein paar Tage später erfährt man dann, wohin die Reise geht. Diese Angebote sind aber schnell ausgebucht und meist begrenzt, man sollte sich also sputen.
Meine erste Blind-Booking Erfahrung wird mich nächstes Jahr nach Riga in Lettland führen. Um auch das Meiste aus dem Trip heraus zu holen, sollte man möglichst bald mit den Recherchen anfangen. Je mehr man über den Ort weiß, den man bereist, desto mehr Interessantes fällt einem auf und desto mehr Nutzen kann man aus der Reise ziehen.

Das immerwährende Fernweh

Städte, die ich bereist habe.

Hier eine kleine Auflistung von Städten, die ich bereist habe oder in denen ich sogar gelebt habe. Diese Liste ist natürlich nicht vollständig und in manche Städte sollte man durchaus auch öfter mal fahren. Die Erinnerungen verblassen langsam und durch neue Erfahrungen lassen sich neue Eindrücke sammeln.

Bewohnt:

  • Berlin (geboren und aufgewachsen)
  • Nürnberg (2007-2008)

Bereist:

Deutschland:

  • Rothenburg ob der Tauber
  • Mannheim
  • Frankfurt am Main
  • Leipzig
  • Hamburg

Ausland:

  • Venedig (Italien, 2004)
  • Amsterdam (Niederlande, 2007)
  • Prag (Tschechien, 2009)
  • Paris (Frankreich, 2010)
  • Zürich (Schweiz, 2011, …)
  • London (UK, 2011, 2012,…)
  • Karnity (Polen, 2011)
  • Kaliningrad (Kaliningrad, 2011)
  • Kopenhagen (Dänemark, 2011)
  • Rom (Italien, 2012)
  • Santander (Spanien, 2012)
  • Bern (Schweiz, 2013, …)

Orte, die ich noch bereisen möchte oder werde.

Wünsche:

  • Seoul & Busan (Südkorea)
  • St. Petersburg (Russland)

Pläne:

Deutschland:
  • Köln
  • Bonn
  • Görlitz
Ausland:
  • Riga (Lettland, Anfang 2015)

 


Dieser Beitrag ist ein Teil der Fernweh-Blogparade.

 

Beschissene Nebenjobs

Beschissene Nebenjobs

Ohne spendable Familie erweist sich die Schul- und Unizeit für viele als arbeitsreich, denn wenn man kein üppiges Taschengeld oder Unterhaltsunterstützung für die erste Studenten-WG bekommt, das Bafög nicht reicht oder man gar keines bekommt, dann heißt es für viele: das erste eigene Geld verdienen.

Was hat man vom Nebenjob und welche Aspekte sind weniger erfreulich? Read more

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