12. Januar 2015 raumzeichner

A wie Anfang

MagicLetters A wie Anfang

Am Anfang eines jeden Bauprojektes steht der Entwurf. Und am Anfang vom Entwurf steht die Ideenfindung.

Im Architekturstudium werden die Anfänge einer jeden Aufgabe oft in den Arbeitsräumen der Uni gesucht. Die Gemeinsamkeit der Leidensgenossen ist es, was sie zusammen schweißt. Architekturstudenten versuchen jeder für sich und doch in Gemeinschaft, die Aufgabenstellungen zu bewältigen.

Während meist mit der Analyse des Bauortes begonnen wird, sind andere schon dabei, Geländemodelle zu modellieren oder selbst per Hand zu bauen. Wiederum andere unterhalten sich über ihre Entwürfe, lassen ihren Frust über die letzte Korrektur ab, machen sich Tütensuppen oder kleben Wände aus Pappe zu kleinen Kunstwerken zusammen.

A wie Arbeitsraum

Anfangen

Das Wichtigste bei einem Entwurf ist es tatsächlich, erst einmal anzufangen. Sobald man die Aufgabenstellung in den Händen hält, sollte man seine allerersten Gedanken sofort notieren.

Meist werden die Aufgabenstellungen in einer Präsentation von Seiten des Lehrgebietes vorgestellt. Dort wird viel über die Gesamtsituation gesprochen und es werden Meist beispielhafte Bilder gezeigt oder der Ort präsentiert. Jede kleine Auffälligkeit sollte direkt aufgeschrieben werden. Egal ob du eine Skizze machst, dein Notizbuch füllst oder dir kurze Notizen digital in Evernote erstellst, wichtig ist, dass es geschieht.

Genauso wichtig wie das direkte Anfangen ist die Kommunikation mit deinen Kommilitonen. Direkt nach der Präsentation werden alle anfangen, über die Aufgabe zu diskutieren. Mache nicht den Fehler, und mache dich auf den Weg zur Arbeit oder gar nach Hause. Wenn eine Aufgabenstellung präsentiert wird und du am gleichen Tag noch arbeiten musst, dann plane dir dringend ein, dass deine Schicht erst ein paar Stunden später beginnt. Die gewinnbringendsten Gespräche, die du führen kannst, finden direkt nach Ausgabe der Aufgabenstellung statt, da dann noch alle hoch  motiviert sind und die Ideen nur so sprudeln. Aus diesen Gesprächen kannst du so unfassbar viel Gewinnen, auch wenn du nur zuhörst. Deine eigenen Ideen werden in andere Richtungen gelenkt und auch wenn du der Meinung bist, dass deine Kommilitonen nur langweilige Vorschläge haben, dann weißt du wenigstens direkt, dass du selbst nicht mehr in diese Richtung nachdenken musst.

Wenn du schon Kontakt zu älteren Kommilitonen hast, die eventuell am gleichen Entwurf teilnehmen, dann sprich auch mit ihnen. Es dient nicht nur deinem späteren Netzwerk, sich mit ihnen zu unterhalten. Sie kennen auch oft die Vorlieben der Professoren und können dir wertvolle Tips geben, was du unbedingt unterlassen solltest. Auch wenn das so Kleinigkeiten sind wie „Die Professorin hasst Kirschholz und liebt Hochfloorteppiche…“, dann kannst du bewusst oder unbewusst direkt damit arbeiten. Wenn du von Anfang an weißt, dass sie Kirschholz hasst, dann nimm Eichenparkett. Diese Kleinigkeit mag so irrelevant klingen, aber Professoren sind auch nur Menschen und sie bewerten besser, was ihnen persönlich besser gefällt.

Eine Frage der Sichtweise

Auch wenn du jetzt sagen möchtest, dass das fürchterlich unprofessionell ist… dann hast du Recht. Aber es ist im Grunde gar nicht mal so schlecht. Denn jede erdenkliche Gemeinheit von Seiten der Professorenschaft bereitet dich persönlich auf die Probleme vor, die du mit unfreundlichen Bauherren haben wirst.

Ab und an wird dir sogar das Gerücht über den Weg laufen, dass diese Masche beabsichtigt ist und die Studierendenschaft auf den Arbeitsalltag als Architekt vorbereiten soll, aber ich denke eher, es liegt ohnehin in der Natur des Menschen, dass Professoren einige Eigenschaften besitzen, die auch mürrischen Auftraggebern zu eigen sind. In gewisser Weise sind sie immerhin ja auch Auftraggeber. Sie geben dir den Auftrag, ein Bauwerk zu planen, das ihren hohen und exquisiten Ansprüchen genügt. Jeder Versuch sich dem zu widersetzen, endet erstens nicht gut und zweitens wird die Aufgabenstellung nicht vollumfänglich erfüllt.


Dieser Beitrag ist unter Anderem ein Teil der Aktion Magic Letters, die alle zwei Wochen dazu inspiriert, ein Foto zu einem bestimmten Stichwort zu schießen.


Was sind deine Erfahrungen mit Entwürfen? Fällt dir das Anfangen schwer und schiebst den Anfang gerne mal ein paar Wochen auf?

Hast du Architektur studiert, studierst es gerade oder überlegst, es zu beginnen? Hast du Fragen oder Anregungen, dann teile deine Gedanken in den Kommentaren und teile diesen Artikel mit deinen Freunden.

 

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About the Author

raumzeichner Julia ist #Absolventin #Architektin #Denkmalschützerin #Urbanistin #OnlineRedakteurin und einiges mehr. Sie hat jahrelange Erfahrungen in Fachschaften und Gremien gemacht, und arbeitet jetzt als Architektin, während sie alle Informationen aus den Bereichen Denkmalpflege und Urbanität wissbegierig in sich aufnimmt und mit euch teilt.

Comments (10)

  1. Der Entwurf, das hoch heilige Gut des Architekten. Auch wenn es eine natürliche Begabung für den Entwurf gibt, muss diese trainiert oder alternativ angelernt werden. Das Schöne am Studium ist, dass man hierfür wirklich Zeit hat. Nach der Aufgabenstellung sitzt man, wie beschrieben, zusammen und diskutiert. Beschäftigt sich tagelang nur mit diesem einen Entwurf. Und hat Zeit seine Ideen zu entwickeln, zu verwerfen, neu zur ntwickeln und meist zu den ersten wieder zurückzukommen.
    Leider sieht das im Berufsleben später oft ganz anders aus. Man bespricht alle Details mit einem Bauherrn und sofort wird die Frage gestellt wann der Entwurf fertig ist. Mit dem Hinweis, das ist immer noch eine kreative und somit nicht wirklich einschätzbare Arbeit ist, wird der Bauherr entlassen und anstelle dass man sich sofort an den Entwurf setzt sind andere Dinge zu erledigen die an diesem Tag gemacht werden müssen.

    Irgendwann findet man die Zeit sich einen Entwurf zu setzen und wird gestört durch das Telefon, durch dringende Faxe und E-Mails. Das tun wir und selber an. Aber wie kann da ein guter Entwurf entstehen? Gut, wir haben gelernt zu entwerfen und was man geübt, darin wird man besser. Aber seien wir ehrlich häufig sind es Kombinationen oder sogar die gleichen Entwürfe die wir schon mal gemacht haben. Häufig leidet die kreative Arbeit. Sie geht einfach im Alltag unter.

    Deswegen sollten wir noch mal zurück zum A wie Anfang. Architekten, nehmt euch nach dem Gespräch mit dem Kunden, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, Zeit für den Entwurf – Zeit für die Kreativität – ein fest ein geplanter Termin. Ohne Störung, ohne E-Mails, ohne Ablenkung.

    • raumzeichner

      Sebastian, vielen Dank für deine Worte!
      Du sprichst mir und vermutlich vielen anderen, praktizierenden Architekten, die nicht rein in einer Entwurfsabteilung arbeiten, aus dem Herzen.
      Für den Entwurf bleibt nie Zeit, am Besten ist der erste Strich, den man aufs Papier setzt, direkt final und so, dass man ihm einem Bauherren sowie einem Handwerker unter die Nase halten kann. von ersten groben Skizzen, die man meist nur selbst lesen kann und die einem das Ideen-Wirrwarr verdeutlichen, halten viele Arbeitgeber nichts, obwohl sie selbst Architekten sind und gerne genauso arbeiten. Aber ihre Angestellten oder Mitarbeiter sollen mit solch einem „Humbug“ nicht ihre wertvolle und teure Arbeitszeit vergeuden.

  2. a journey of 1000 miles starts with a single step :) schöner beitrag zu anfang und schönes adaptiertes logo. ich sehe, du kennst dich mit photoshop besser aus als ich ^.^

    • raumzeichner

      Na ich hatte schon Angst, ich bekomm nen Rüffel, weil ich das Logo etwas in anderem Kontext benutzt habe :’D

  3. Schöner Beitrag! Ich muss jedoch sagen, dass ich etwas konträre Erfahrungen gemacht habe und anders an Entwürfe heran gehe. Bei dem Punkt „ANFANGEN“ stimme ich dir aber uneingeschränkt zu!
    Als nächstes würde ich jedoch den Ort des Geschehens (falls möglich) aufsuchen und ihn direkt auf mich wirken lassen. Das ist natürlich nicht immer möglich, falls er aber nicht in allzu weiter Entfernung liegt – unbedingt machen! Keine Präsentation, keine Notizen können einen eigenen Eindruck ersetzen.
    Außerdem hat mir der Austausch mit meinen Kommilitonen auch erst später im Entwurfsprozess etwas gebracht. Wenn meine eigenen Gedanken gesammelt und skizziert waren, wenn mein Konzept stand und ich Feedback benötigt habe. Alles andere lenkt zu sehr vom eigenen kreativen Prozess ab und bringt nur eine Maße vieler gleicher Entwürfe hervor.
    Auch dem Austausch mit den höheren Semestern halte ich immer, immer, immer sinnvoll. Außer wenn es um Entwürfe geht. :-) Professoren sind auch nur Menschen und ich glaube niemand mag es wirklich, wenn einem in den Arsch gekrochen wird. Viel wichtiger ist, dass man begründen kann wieso man Material X gewählt hat oder die Form so ist wie sie ist. – Bei zahlenden Kunden sieht das anders aus. Auch da muss man argumentativ überzeugen, aber natürlich muss in erster Linie der Kunde zufrieden gestellt werden.

    Wie du siehst, gibt es unterschiedliche Wege an Entwürfe heran zu gehen. Ich glaube „den einen“ gibt es hier nicht. Es ist wichtig, dass man seine eigene Methode findet und auch herausfindet, wann und wie man am kreativsten ist. Und am Ende kann man dann einfach Sachliches & Fachliches und Herz zusammen bringen. Dazu fällt mir noch dieses Zitat & Buch hier ein… http://www.stadtsatz.de/architekturvermittlung-baukultur/ :-) Hast du das schon gelesen?

    • raumzeichner

      Hey Anett,
      Danke für deinen super Kommentar!
      Natürlich hat jeder seine eigene Art und Weise mit Entwürfen um zu gehen und selbstverständlich ist es super wichtig den Bauort zu besuchen. Ich meine auch gar nicht, dass man den Profs in den Allerwertesten krabbeln soll, aber als jemand der immer seinen eigenen Stiefel durchgezogen hat und damit viele Steine zum drüber klettern in den Weg gelegt bekommen hat, meine ich, dass man ruhig davon lernen kann, wenn ein Kommilitone mit einer bestimmten Idee schon mal auf die Nase geflogen ist.
      Man muss es sich ja nicht unnötig schwer machen, wenn man auch vermeiden kann, auf dem dünnen Eis auch noch einzubrechen ;D

      Der Link wird gleich gelesen <3
      Liebe Grüße,
      Julia

  4. Hallo Julia, ein Logbuch ist ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal. So steht es in Wikipedia. Du hast es zusätzlich mit vielen tollen Bildern versehen. Du solltest wissen, dass ich dich über episoden.film gefunden habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn du auch mal auf meinem Blog vorbei surfst und einen Kommentar abgibst. Zum Beispiel gibt es ein Announcement hinsichtlich eines neuen Fotoprojekts von https://paleica.wordpress.com und mir. Am kommenden Montag startet es. Vielleicht hast du ja Zeit und Lust, mit zu machen?! Bei den hier gezeigten guten Bildern von dir wärst du eine Bereicherung für das Projekt. Näheres unter: http://dschungelpinguin.com/montag-der-2-februar-2015/
    Ich freue mich schon heute, wieder von dir zu lesen. Immer gut Licht und ganz viel Ideen für weitere schöne Bilder! Beste Grüße, Andreas
    http://dschungelpinguin.com

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