Neue Materialien in der Denkmalpflege? Ein Thema mit viel Diskussionspotential.

Manchmal sind die historischen originalen Materialien einfach nicht wirklich gut. Darf dann mit modernen Alternativen nachgebessert werden?

Dass auf dem Bau schon immer mit neuen Materialien experimentiert wird, ist nichts ungewöhnliches. Entwicklungen müssen sich schließlich auch erst etablieren. Manchmal funktioniert alles wie geplant, manchmal aber nicht. Wie handelt der Denkmalpfleger nun, wenn die historischen Materialien nicht gut funktioniert haben und es unwirtschaftlich wäre, ein Bauwerk mit genau den gleichen Materialien wieder herzurichten?

Um dieses Thema entbrennt schon seit jeher eine hitzige Diskussion nach der anderen. Die Sophienkirche in Berlin bietet ebenfalls Anlass für solche Debatten. Sie werden sogar provoziert.
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Farben herstellen wie in alten Zeiten.

Farben herstellen wie in alten Zeiten.
Kirchenmaler wollte er werden. Wie sein Vater. Schon früh stand für den jungen Adrian Neus fest, was er werden wollte, doch sein Vater wollte ihn nicht lassen. Erst nachdem er einige Jahre in eine andere Ausbildung investiert hatte, ließ sein Vater ihn das Handwerk des Kirchenmalers lernen. Offenbar hatte der Sohn genug Willen bewiesen. Inzwischen ist Adrian Neus anerkannter Restaurator, kennt die verschiedenen historischen Farben in- und auswendig und kann auf Anhieb sagen, welche Farben für welche Ansprüche geeignet sind. Die stellt er dann auch selbst her und lässt sich nicht von den Werbeversprechen der Industrie blenden. Er hat das richtige Rezept für Stein-, Holz- oder Putzanstriche immer parat und teilt sein wissen in Seminaren mit angehenden Restauratoren.

Atelier von Adrian Neus in Görlitz

Im Rahmen der Qualifikation Denkmalpflege der Denkmal-Akademie lernen wir – eine Gruppe, die hauptsächlich aus Architekten und Mitarbeitern der unteren Denkmalschutzbehörden besteht – in einem eintägigen Schnelldurchlauf die verschiedenen Farben und ihre Verwendungszwecke kennen.
Direkt neben der spätgotischen Pfarrkirche St. Peter und Paul befindet sich das Waidhaus, ein grau gestrichenes Gebäude, das irgendwie zusammen gestückelt anmutet. Im obersten Geschoss des hohen Baus befindet sich die Werkstatt, die Schulungsraum, Arbeitsplatz und Experimentierstube zugleich ist. Der ganze Raum ist voll von Malereien. Manche sind auf Holz und manche auf Putzflächen gemalt, die in Holzrahmen angelegt worden sind. Fresken nennt man diese Malereien, die in den feuchten Kalkputz gemalt werden und somit zu einer Einheit mit der Wand verschmelzen. Ist der Maler zu langsam und der Putz bereits abgebunden, wird diese Einheit nie entstehen. Gelingt das Werk allerdings, ist die Malerei vor Regen- und Spritzwasser geschützt. Ein Trass-Kalk-Putz ist für Außenfassaden geeignet und die Malereien können so lange Zeit überdauern ohne von der Witterung zerstört zu werden.
Anders verhält es sich mit Leimfarben, die nur für den Innenraum geeignet sind und emfpindlich auf Feuchtigkeit reagieren. Früher wurden Leimfarben ganz un-vegetarisch aus Knochen und Häuten, später aus Pflanzenstoffen, hergestellt. Der Farbenleim wurde früher in Fässern gelagert und mühsam transportiert, heute kann man ihn einfach als Granulat im Fachhandel beziehen und mit Wasser anrühren. Später sind wir live dabei und können uns die Finger schmutzig machen. Die Vorfreude ist groß, doch zunächst hören wir weiter staundend zu und lernen, dass Lehmputze mit einer Kalklasur und Holzbalken mit einer Vorleimung grundiert werden können.

Verschiedene natürliche Farben auf Holz.

Kalklasuren eignen sich für Außenfassaden und zeigen ihre Deckkraft erst nach dem Trocknen. Es erfordert also Erfahrung, die Inhaltsstoffe für die Lasur richtig zu dosieren. An einem anschaulichen Beispiel einer Atelierwand können wir sehen, wie die Abstufungen von mehreren Kalklasur-Anstrichen decken und wie sie auf Spritzwasser reagieren. Die erste Schicht deckt erstaunlich gut, reagiert aber noch auf das Wasser. Ab der dritten Schicht ist der Anstrich deckend weiß und das aufgebrachte Wasser perlt einfach ab ohne einen Schaden zu hinterlassen. Das macht die Carbonatisierung, lernen wir, die eine schützende Schicht auf der Oberfläche entstehen lässt. Kalklasuren sind günstig und einfach herzustellen und können nach einigen Jahren einfach abgebürstet werden, wenn sie verwittert sind. Danach kann die Lasur neu aufgetragen werden und die Fassade in neuem Glanz erstrahlen.

Lernen durch Ausprobieren. Schüler nehmen den Pinsel in die Hand.

Wir sind gebannt von der Arbeit mit Farben. Beim Besuch im Schlesischen Museum zu Görlitz würdigen wir die ausgestellten Exponate kaum eines Blickes. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich auf die Steinmetzarbeiten und die Malereien. Helle Stellen im Stein verraten uns, dass dort neues Material eingebracht wurde. Exakt wurde darauf geachtet, keine überstehenden Ränder zu bilden und penibel wurden die Materialanforderungen eingehalten. Eingebrachtes Material muss immer weicher als das Original und damit der Eingriff in das Denkmal reversibel sein. Es klingt fast wie im Krankenhaus, wenn wir von Eingriffen und Rekonstruktionen sprechen, und ähnlich lang wie im OP scheint uns die Liste an Vorschriften, die es einzuhalten gibt. Höchste Aufmerksamkeit, Konzentration und Geduld braucht auch nicht nur der Herzchirurg sondern auch der Maler in der Restauration. Ergänzte Flächen werden mühsam und sorgfältig gepunktet oder gestrichelt. Striche dürfen eine Maximallänge nicht überschreiten, an ihrer dicksten Stelle nicht mehr als 2mm aufweisen und müssen linsenförmig an Anfang und Ende spitz zulaufen. Die senkrecht verlaufenden Striche werden so dicht gesetzt, dass sie die Lücke in der Malerei optisch schließen, bei nahem Betrachten allerdings preisgeben, wo nachgearbeitet wurde.
Mit neuem Wissen sehen wir nun die Wand- und Deckenmalereien im restaurierten Gebäude in ganz neuem Licht und können unsere Blicke kaum von den Fenstergewänden und Türlaibungen lösen.

Adrian Neus mischt seine Farben fast immer selbst an.

Im Anschluss lernen wir, wie Farben selbst produziert werden: Wir stellen eine Leimfarbe her, oder schauen zumindest dabei zu. Zwei Bottiche mit Wasser stehen bereit, dazu ein Päckchen speziellen Leimpulvers und ein geöffneter Sack mit feinster Kreide aus der Champagne. „Die hat einen schönen gelblichen Weißton, nicht so kalt und grau wie die Kreide von Rügen.“, erklärt uns Herr Neus. – Aus der Champagne ist eben alles edel und champagner-farben, schlußfolgern die wissbegierigen Teilnehmer mit ausgelassenem Humor.
Die Farbe wird angemischt. Einsumpfen nennt sich der Vorgang, wenn in den Bottich mit Wasser die Farbpigmente (in unserem Fall die Kreide aus der Champagne) langsam eingerieselt werden. So langsam, dass sie sich schön flächig im Wasser verteilen und so viele, dass zum Schluss ein kleines Häufchen oben stehen bleibt.
Aus der Pigmentmischung und dem Leim entsteht die Leimfarbe. Eigentlich ganz einfach, oder? Man muss nur wissen, wie es geht und ein Gefühl dafür entwickeln. Diese beiden Punkte allein aber reichen schon, dass die Malerausbildungen heutzutage schon daran scheitern und die Auszubildenden weder ein Gespür für Farbigkeit noch für die Herstellung ihrer eigenen Arbeitsmaterialien haben – geschweige denn welche Eigenschaften sich wo für eignen. Natürlich gibt es auch glorreiche Ausnahmen in diesem Bereich, aber die Masse der Malereibetriebe weiß kaum noch etwas über das Medium Farbe. Sehr schade, denn nicht nur im Denkmal gehört Materialwissen einfach zum A und O um Bauschäden langfristig zu vermeiden.
Bei Adrian Neus haben wir eine Menge über Farben und das ursprüngliche Handwerk des Malers gelernt. Die angehenden Denkmalpfleger wissen nun, worauf es ankommt und wurden für den Umgang mit verschiedenen Farben sensibilisiert. Außerdem wurde noch verstärkt betont, dass Gebäude nicht wartungsfrei sind und man sich (was ja leider viel zu oft vergessen wird) auch um seine vier Wände ab und zu kümmern sollte.

Kirchenmaler Neus erklärt die Tücken bei der Herstellung einer Schablone.

Erreichen kann man Herrn Neus hier:

DENKMALWERKSTATT
ADRIAN NEUS
Obere Klimbach 14
97842 Karbach
+491713102950
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Wir schmieren Erdöl an die Wände! Nicht?

Was ist dran am Anti-Dämm-Wahn?
Erst bekleben wir unsere Häuser als würden wir sonst erfrieren, jetzt verbrennen wir darin. Oder?
Nachdem in Deutschland wie verrückt gedämmt wurde und viele Fassaden hinter Styropor[1] verschwanden, wird inzwischen in den Medien und sozialen Medien, unter Fachleuten, Bauherren und Bewohnern das Geschrei laut, dass wir nicht mehr dämmen wollen. Eine Anti-Dämm-Welle bewegt sich durch Deutschland.

Warum haben wir so viel gedämmt?

Es ist auffallend, dass vor etwa 10 Jahren massiv angefangen wurde, Fassaden zu dämmen. Plötzlich zierten viele Gerüste die Straßen der Städte und Häuser verloren ihre Identität, indem sie hinter einer wärmenden Vollverschleierung versteckt wurden.
Dazu kam es durch die EnEV, der Energie-Einspar-Verordnung, die stetig erweitert wird und Bauherren und Planer vor immer neue Herausforderungen stellt. Ständig werden ihre Vorschriften verschärft und immer höhere Werte müssen neue und sanierte Gebäude einhalten.
Aktueller Stand ist, dass jede Fassade nach EnEV-Standard gedämmt werden muss, wenn 10% ihrer Oberfläche saniert werden. Darunter fällt das Beseitigen von Fehlstellen und das Sichern und Verfüllen von Rissen.
Ein gutes Argument Pro EnEV ist in diesem Fall natürlich, dass zu ohnehin anfallenden Kosten, „ein paar Mehrkosten“ anfallen und man damit dann die Umwelt schützt. Aber:
Dämmen kostet eine Menge Geld. Es ist nicht allein damit getan, dass die Dämmung an die Wand geklebt wird. Die Fassade muss zuerst gereinigt werden. Eventuell müssen Fliesen abgeschlagen oder mit Grundierung bearbeitet werden, bevor die Dämmung angeklebt werden kann. Fensterbänke müssen erneuert werden, weil die Wände hinterher dicker sind als die meisten Fensterbänke es vorher waren. Lampen und jegliche Elektroinstallation wie Bewegungsmelder etc. müssen durch die Dämmung nach Außen verlängert werden. Je nach Haus, muss ein Dachdeckerbetrieb den Dachüberstand nach Außen verlängern. Vordächer und andere Anbauten wie z.B. Carports müssen versetzt werden. Wenn alles um die 14-20 cm nach Außen geschoben wurde, wird ein neuer Putz nötig. Dazu dann ein neuer Anstrich, der eventuell mit einer Gestaltungssatzung abgeglichen werden muss.
Je nachdem, wie die Anbietersituation ist, müssen also mindestens 5 Gewerke beschäftigt werden. Plus Archiekt/Energieberater, der die energetischen Berechnungen durchführt, die Gewerke koordiniert und den Papierkram mit den Ämtern meistern muss.

Was ist schlecht an Styropor?

Styropor ist ein Markenname, der inzwischen so umgangssprachlich verwendet wird wie Tempo, Zewa oder Cola. Gemeint ist ein Polystyrol-Dämmstoff, der üblicherweise in Plattenform verkauft wird.
Auf den ersten Blick scheint Styropor ja einen ganz positiven Eindruck zu machen. Es ist leicht zu verarbeiten, dämmt, ist mit rund 5-15€ pro Platte recht günstig und man bekommt es überall.

ungesicherte Entsorgungsvorgänge

Allerdings ist dieses Dämmmaterial aus Erdöl gemacht und man weiss nicht, was man später damit machen soll. Es ist Sondermüll. Das Fraunhofer Institut forscht zwar, wie man es von restlichen Baustoffen wie Putz und Kleber lösen kann, aber bisher erst in kleinem Umfang. Bis zur großen nächsten Sanierungswelle ist aber auch noch ein bisschen Zeit.

Brandverhalten

Die Polystyroldämmung beinhaltet ein Brandschutzmittel, das dafür sorgt, dass die Dämmstoffplatte nicht in Flammen aufgeht. Statt dessen schwindet sie zurück. Dabei schmilzt das Material weg, tropft nach unten… und brennt eben dann. Das verflüssigte Polystyrol brennt nämlich gar nicht mal so schlecht. Es ist ja immerhin aus Erdöl.
Da das Polystyrol bei großer Hitze zurück weicht, wird dieser Umstand auch genutzt um es mit einem heißen Draht ganz einfach zu ‚zerschneiden‘. Dummerweise weicht es aber auch im Brandfall zurück.
Bei der Anwendung an der Fassade wird die Dämmung zwar durch die Putzschicht geschützt, doch auch diese gibt relativ schnell nach, wenn sie direktem Feuer (zB brennende Kinderwagen oder Mülltonnen) ausgesetzt ist. Schon bevor die Putzschicht nachgibt, schmilzt der Dämmstoff in seiner Putz-Hülle und ergießt sich dann in einem Schwall in die Flammen. Dadurch wird das Feuer weiter genährt und die Hitze dringt in den Zwischenraum zwischen Wand und Putz ein.
Es entsteht ein Kreislauf, wenn die Hitze das Material schmilzt. Es tropft nach unten in die Flammen, diese werden größer, schmelzen mehr, bekommen mehr neue Nahrung. Das ist der Grund, warum Fassadenbrände mit diesen erdölbasierten Dämmstoffen so schnell wachsen.

Toxisch für Flora und Fauna

Ob es Plastiktüten in Vögelmägen oder Verpackungen in Fischgedärmen sind… Erdöl und seine Erzeugnisse können von uns nicht abgebaut werden.
Wenn Vögel ihre Nester in wärmegedämmte Fassaden versenken, wo ist dann das Material hin? Wenn die Vögel das heraus gepickte Material gefressen haben, dann wird es (zumindest ein Teil) vermutlich in ihren Innereien bleiben.
Das Brandschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) kann ausgewaschen werden und somit ins Grundwasser gelangen. Natürlich wird das Auswaschen durch die Putzschicht eingeschränkt, aber man sollte diesen Aspekt nicht vernachlässigen. Es geht dabei um das Prinzip des umweltschädlichen Potenzials.
Es soll auch schädlich für Säuglinge sein, die es über Muttermilch aufnehmen können, und die Fruchtbarkeit beeinflussen. Laut „Der Spiegel„* wurde es auch schon im menschlichen Blut gefunden.
HBCD wird bei Produktion, Einbau und Abriss freigesetzt und eben auch dann, wenn es noch an der Fassade klebt.

Und alles brennt wie Zunder…

Bemerkenswert ist der Umstand, dass es die deutsche Dämmstofflobby geschafft hat, dass die „Styropordämmung“ nicht als brennbar deklariert wurde. Schwer entflammbar heißt es in Deutschland. EU-weit aber weiterhin: brennbar.
Es mag ja stimmen, dass die Dämmstoffplatte an sich schwer entflammbar ist, aber das Schmelzprodukt, das jeder Architekturstudent schon in rauhen Mengen selbst als Nebenprodukt beim Modellbau produziert hat, ist sehr wohl für jede Flamme ein gefundenes Fresschen.
Betrachtet man aber deutschlandweit die jährlichen Brände, kommt man (laut Sto) auf 186000. Bei nur 18 davon sei die Fassadendämmung beteiligt gewesen.
Auch zu hinterfragen ist bei der ständigen Angst um das Brandrisiko, wie es mit Dachstühlen oder Schilfdächern aussieht. Man nimmt bei einem Dachstuhl aus Holz hin, dass er brennen kann. Genauso sieht es aus mit Dächern, die mit Schilf gedeckt sind. Bis zum 2. Weltkrieg gab es sogar landläufig noch oftmal offenes Feuer in den Küchen, da ein Ofen mit Schornstein zu teuer war. – Es ist Abwägungssache, wieviel Geld man in die Hand nimmt, ob man die Kosten scheut oder ob man sich dem Brandrisiko einzelner Materialien stellt.

EnEV, das Öko-Paradoxon

Dank Angela Merkel sollte Deutschland die Vorreiterrolle beim Umweltschutz übernehmen. Die Ziele sind hoch gesteckt. Häuser sollen kaum bis keine Energie mehr verschleudern und klimaneutral sein. Klimaneutral heißt, dass sie keine Auswirkungen auf die klimatische Entwicklung mehr haben.
Schlecht gedämmte Häuser verpulvern Geld und kostbare Energie – soweit richtig.
Dafür allerdings höchst bedenkliche Materialien in rekordverdächtigen Mengen zu produzieren und zu verbauen, ohne dabei zu wissen, wie man sie später mal recyceln oder entsorgen kann, ist dabei aber durchaus als grenzwertig einzustufen.
Ketzer könnten sich an Atomkraftwerke erinnert fühlen.

Welche Alternativen gibt es?

Glücklicherweise schreibt die EnEV nicht vor, welche Materialien zu verwenden, sondern welche Grenzwerte einzuhalten sind.
So kann man sich also anderer Dämmstoffe bedienen.
>> Nicht brennbare Dämmstoffe.
Bei Brandwänden und öffentlichen Gebäuden wird es gemacht und ist sogar verpflichtend: Die Verwendung nichtbrennbarer Dämmstoffe.
Das können beispielsweise Mineralwolle, Steinwolle oder Schaumglas sein. Die Namen machen schon deutlich, dass hier wenig Brandpotenzial herrscht.
Schaumglas ist sogar druckbeständig und kann unter Fundamenten und Bodenplatten eingesetzt werden. Zwar sind dort wieder Bitumen bei der Verlegung im Einsatz, aber Schaumglas an sich ist bisher noch nicht negativ aufgefallen.
(Belehrt mich bitte eines Besseren, wenn ich mich irre!)
Neben der Nicht-Brennbarkeit kann man diese Dämmstoffe sogar wiederverwerten und damit dem Markt erneut zuführen.

Warum werden diese Alternativen nicht benutzt?

Leider spielen die Kosten beim Sanieren eine große Rolle. Da manch ein Bauherr nur ein paar Reparaturen machen wollte und sich ‚unversehens‘ der Sanierungsverpflichtung gegenübersieht, ist das Geld oft sehr knapp. Der Unwille ist außerdem groß, denn man ‚wollte doch gar nichts Großes machen‘, nun wird man aber dazu gezwungen… Der störrische und bockige Bauherr will also so günstig seiner Verpflichtung nachkommen, wie es nur geht.
Die KfW schüttet zwar Förderungen an dämmende Bauherren aus, allerdings sind die nicht abhängig vom ökologischen Fußabdruck der verwendeten Materialien.
Da die Förderung stur berechnet wird und weniger-kritische Dämmmaterialien teurer sind, ist der positive Effekt der Geldspritze bei günstigen Stoffen natürlich viel größer.
Ein explizites zusätzliches Förderprogramm für nachhaltige Baustoffe gibt es leider momentan nicht. Es könnte ein Anreiz sein, diese zu verwenden. Und wenn es kein richtiger Anreiz wäre, würde es immerhin umweltliebende Bauherren finanziell mehr unterstützen statt ihnen ein Bein zu stellen. Nur weil man Umwelt liebt und sie schützen will, hat man ja immer noch keinen Goldesel zu Haus.

Aber dann schimmelt doch alles!

Wer sein Haus rundherum dämmt, spart dann wirklich energie. Rein der Physik geschuldet, kommt die warme Luft eben einfach nicht mehr durch jede Öffnung heraus. Damit die Häuser warm bleiben, sollen sie luftdicht werden.
Die Luftdichtheit allein sorgt schon für Diskussionen. Früher gab es eine Zwangslüftung durch nicht ganz dicht schließende Fenster, Dächer und Türen. Heute sind diese Lüftungslöcher dicht und so sammelt sich auch die Feuchtigkeit, die der Mensch so produziert, im Haus. Um die Feuchtigkeit abzuführen, muss man nun bewusst lüften. Dazu verwendet man entweder neu bemessene Lüftungsanlagen oder man öffnet das Fenster.
Die Bewohner müssen in mäßigem Umfang ein neues Benutzerverhalten lernen. Der Irrglaube von atmenden Wänden hält sich hartnäckig. Auch wenn Wände ohne Dämmung früher diffusionsoffener waren, haben sie dennoch nie ‚geatmet‘. Sie haben nie so viel Luft diffundieren lassen, dass es gereicht hätte. Auch früher hat man schon gelüftet, wenn es stickig im Haus geworden ist. Jetzt lüftet man eben minimal mehr oder bedient sich einer feuchtegeführten Lüftungsanlage. Eine ‚feuchtegeführte Lüftungsanlage‘ misst die Luftfeuchtigkeit im Raum und tauscht dann die Luft, wenn ein Grenzwert erreicht ist. Diese Lüftungsanlagen sind vor allem in Küchen und Bädern sinnvoll. Dort entsteht die meiste Feuchtigkeit und durch eine Lüftungsanlage wird die Luft auch ausgetauscht, wenn man beispielsweise das Haus verlässt und das Fenster nicht offen lassen will.

Fazit

Ich bin definitiv pro Dämmung, da vor allem alte Häuser definitiv zu viel Energie in den Aether schicken und damit die Umwelt belasten. Gleichzeitig bin ich aber genauso definitiv gegen erdölbasierte Dämmstoffe, genauso wie ich auch gegen fossile Brennstoffe bin.
Mein Wunsch wäre, wenn Banken wie die KfW bei ihren Zuschüssen und Krediten ein Auge darauf legen würden, wiederverwendbare und ungiftige Dämmstoffe in größerem Maße zu fördern als die oben beschriebenen. In Österreich beispielsweise wird Hanfdämmung teilweise gefördert.
Allerdings ist bei jeder Baumaßnahme separat zu prüfen, ob und in wieweit eine energetische Ertüchtigung Sinn macht. Muss die Fassade eingepackt werden? Man muss sich immer fragen, ob die Materialien und Methoden miteinander harmonisieren, oder ob man siche eine Schimmel-Brutstätte baut. Vielleicht ist nach einer Neuanschaffung eines Brennwertkessels vor 2 Jahren eine Dämmung ja kaum noch lukrativ? Das gilt es zunächst zu klären, bevor man pauschalisiert und urteilt, denn manchmal können bessere Heizkessel und Heizkörper in Kombination mit einer gedämmten obersten Geschossdecke ja schon eine große Energieeinsparung verursachen.
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Mir liegen keine Daten zum energetischen Aufwand bei der Herstellung von Schaumglas, Mineral- und Steinwolle vor. Die Relation der Energieaufwände zur Herstellung der verschiedenen Dämmstoffe ist nicht Teil dieser Betrachtung. 
 
Dieser Beitrag soll keine allumfassende Stellungnahme zum Thema Dämmung darstellen, sondern einen kleinen Einblick in die Thematik bringen und meine persönliche Meinung dazu darstellen. 
 
Die Begriffe Styropor, Styrodur, Polysterol-Dämmung und erdölbasierte Dämmstoffe sind in diesem Beitrag als eine Gruppe von Dämmstoffen zusammen gefasst, die ähnliche Materialeigenschaften haben. Gemeint ist jeweils die Materialgruppe.
[1] Markenname
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Anbei eine Linkliste, die aus Quellen und weiterführenden Inhalten zusammen gesetzt ist:
Nicht alle dieser Links spiegeln meine Meinung wieder, doch sie zeigen den allgemeinen Tenor, was Dämmen momentan in Deutschland angeht.

Der Innenraum – Material, Konstruktion und Licht

Das Haus Eckstein in Nürnberg wurde zuletzt von Architekturbüro Fritsch + Knodt & Klug umgebaut. Der Geschichte und dem Umbau des Hauses wird eine kleine Serie gewidmet, die in den nächsten Wochen auf Raumzeichner.de erscheinen wird. Neben der Architektur werden auch Städtebau und Geschichte analysiert und beschrieben.
Teil 1 – Haus Eckstein in Nürnberg
Teil 2 – Heutige Nutzung
Teil 3 – Die Gewandung

Material und Farbe

Neben dem für Nürnberg typischen sichtbaren Sandstein wurde für die Fassaden des Hauses ebenfalls auch Putz benutzt, der in verschiedenen Tönen eingefärbt wurde. So ist die Fassade des Ost-Hauses in einem Rotton eingefärbt und das West-Haus in Grau. Der Ocker-Ton wurde für das angrenzende, den Innenhof nach Norden abschließenden Gebäuderiegel verwendet, sodass im Innenhof alle drei Farben und die Glasfassade der Treppenhaushalle zusammenkommen und ein farbenfrohes Ensemble bilden.

Für die verschiedenen Fenster wurden Holzrahmen verwendet, die dem historischen Charme des Gebäudes nahe kommen sollen und die Tradition des Fensterbaus hochhalten. Gestrichen wurden die Fenster in seidenmattem Perlenzian und bilden damit den kühlen Gegenpol zu den überwiegend warmtönig gehaltenen Fassadenflächen. Als untraditionelle Details sind die Eingangstüren nicht mehr aus Holz gearbeitet sondern nun ein- oder zweiflügelige Metallrahmentüren mit Glasscheibe und umlaufender Festverglasung2. Die Rahmen der Scheiben sind in dunklem Grau gehalten während die Scharniere, Türklinke, Griffe und Schlösser silbern glänzen. Die Tür in der Innenhoffassade wurde als zweiflügelige, automatische Schiebetür aus Glas ohne Festverglasung konzipiert.

Innenraum

Beleuchtung

Blichtung im Längsschnitt und Treppenhaus-Grundriss

Die Beleuchtung des Eckstein erfolgt über eine Unzahl verschiedenster Lampen. Allein in der Treppenhaushalle gibt es fünf Ausführungen. Die meisten Lampen sind mit Energiesparleuchtmitteln ausgestattet. Flache Lampen sind vor allem an den Decken vom Eingangsbereich, den Treppenhäusern und dem Dachgeschoss angebracht. Die gleichen Lampen wurden im obersten Geschoss der Treppenhaushalle an den Wänden zwischen den Fenstern und Türen montiert.

Die Kegellampen sowie die Leuchtstoffröhren befinden sich vor allem in den Fluren zu den Büros. Ebenfalls in den Toiletten und in den Putzkammern befinden sich die Kegelleuchten, von denen immer eine permanent brennt und die anderen über Lichtschalter oder Bewegungsmelder zugeschaltet werden. In den Küchen sowie den Meditationsbereichen, im Foyer, im Eingangsbereich und auf den Ebenen 0 und -1 befinden sich Halogenstrahler, die punktuelle Lichtakzente setzen, in der Gesamtbeleuchtung aber einen eher unterordneten Rang haben. Die Blumenwand der Treppenhaushalle bestrahlen ab 20 Uhr abends Quecksilberdampflampen.

Belichtung

Dem natürlichen Sonnenlicht wurde im Haus der Kirche eine wichtige Rolle zugeschrieben. Als Begegnungsraum galt es eine gute, freundliche, einladende, positive Athmosphäre zu schaffen. Die Belichtung erfolgt in den drei Hauptgebäuden über die zumeist zweiflügeligen Fenster in den nach Ost, Süd und West ausgerichteten Fassaden. An den Nordfassaden gibt es keine Fenster, dafür ist die mittig angeordnete Treppenhaushalle nach Norden vollständig verglast und lässt so die größtmögliche Menge an Licht vom engen Innenhof ins Eckstein. Durch den recht geringen Abstand zu den gegenüberliegenden Gebäuden ist die Belichtung von den Straßenseiten gerade an der Westseite problematisch. Die große Menge an Fenstern ermöglicht aber eine gute Lichtausbeute, da jedes Büro über mehrere Fenster verfügt. Die Fensterflächen überwiegen in der Gesamtfläche der Fassaden, sodass bis auf den inneren Sanitärkern jeder Raum über Tageslicht verfügt.

Das Glasdach belichtet die gesamte oberste Ebene und sorgt dafür, dass durch das Auge der Gallerien Tageslicht bis in die Kelleretage des Hauses fällt. Zudem sind einige Flächen des Glasdaches mechanisch zu öffnen und dienen bei gutem Wetter der natürlichen Belüftung und einem guten Raumklima.

Durch die große verglaste Treppenhaushalle verfügen auch die nach innen gerichteten Büros und Seminarräume über Tageslicht, auch wenn sie keine Fenster zu den Straßen hin haben. Außerdem wurden alle zur Halle ausgerichteten Türen in Räume ohne Fenster als Glastüren ausgeführt. In die zur Treppenhaushalle gehenden Wände sind neben den Flurtüren auch Fenster im gleichen Stil wie die der Außenfassade eingelassen.

Im Längsschnitt wird deutlich, wie das Licht schräg in die Büros fällt und wie das Licht durch das Glasdach weit bis ins Gebäudeinnere eindringt. Da die Treppen schwebend und ohne Setzstufen konstruiert sind, wirken sie leicht und durchlässig und behindern das einströmende Licht so wenig wie möglich.

Die Halle spielt bei der Belichtung des ganzen Komplexes die größte Rolle und dient sogesehen als einziges großes Fenster mit darin schwebenden Ebenen, die dem Lichteinfall so wenig wie möglich im Weg stehen sollen. Ziel war es, einen großen, lichtdurchfluteten und möglichst schattenfreien Raum zu schaffen. Die einzigen unbelichteten Bereiche sind die Räume für die Technik und die Sanitäreinrichtung der Gastronomie, die sich im Keller des Hauses befinden und keinen großen Publikumsverkehr aufweisen und auch keine Auflagen für Arbeitsbedingungen erfüllen müssen. Der Querschnitt zeigt den Lichteinfall von den Straßenseiten und die indirekte Belichtung der innenliegenden Räume über die Treppenhaushalle (mitte).

Material im Innenraum

Im EG sowie im UG wurden für die massiven Treppen für Setz- und Trittstufen ein Belag von 3cm dicken, schwarzen Granit verwendet. Für die Fußböden in den Durchgangs- und Bewegungszonen wurden insgesamt rund 750m2 unglasierte, schwarze Fliesen im Maß von 1515cm verlegt. Verteilt in den Seminar- und Gruppenräumen wurden 170m2 6mm starkes Korkparkett verlegt. Für das Parkett wurde naturharzgebundener, unbehandelter, geschliffener Naturhartpresskork in Plattenmaßen von 3030cm verwendet, das eine gewissen Grundfußwärme sichert, worauf gerade in den Bereichen des Meditationsraumes sowie in den Räumen für die Kindergruppen großer Wert gelegt wurde. In den anderen Räumen wurde als Bodenbelag Stabparkett eingesetzt. Aufgrund der hohen Belastung, die ein Boden durch Stuhlrollen erfährt, wurde für die BüroraÅNume strapazierfähiges Linoleum gewählt.

Gallerie in der Treppenhaushalle, Lichtsituation | Fensterfassade von Innen

In den WC-Räumen wurden schlichte, weiße 15*15cm Wandfliesen auf Dünnbettmörtel angebracht, die leicht zu säubern sind und die innenliegenden kleinen Räumlichkeiten nicht verdunkeln.

Die innenliegenden Fensterbänke sind aus Betonwerksteinen gefertigt. Sichtbarer Beton findet sich auch an den Untersichten der Gallierien in der Treppenhaushalle. Die Abdrücke der Schalung wurden sichtbar gelassen und der Beton weiß gestrichen. Die Schalungsstruktur ist aber nur im Bereich der Treppenhaushalle zu finden, in den Fluren und den anderen Treppenhäusern ist die Decke glatt gearbeitet und ebenfalls weiß gestrichen bzw mit einer Akkustikdecke abgehängt. Die frei schwebenden Treppen sowie die Handläufe an Treppe und Gallerie wurden aus hellem Buchenholz gefertigt und bilden einen farblichen und warmen Kontrast zu den schwarzen Böden, der rohen Decke und dem kühlen Metall der Nordfassade.

Möblierung und Ausstattung

Möblierung des Begegnungsraumes

Die mit Beamer und Bestuhlung ausgestatteten Seminarsäle und -räume wurden mit einer Akkustikdecke versehen. Die Bestuhlung ist schlicht, robust und stapelbar ausgewählt, die Teeküchen im ganzen Haus wurden als Theken ausgeführt, sodass sie offen sind und dem Konzeptpunkt der Kommunikation entsprechen. Sie laden zum Aufenthalt ein, sind im gleichen Holz gebaut wie die Bürotüren und klein und übersichtlich gehalten. Sie verfügen über Mikrowellen, Herde, KühlschraÅNnke und Spülmaschinen und wurden von den Mitarbeitern zusätzlich mit Kaffeemaschinen und Wasserkochern ausgerüstet, sodass eine Mittagspause im Büroalltag sowie auch Verköstigung bei Veranstaltungen kein Problem darstellen. Die in der Treppenhaushalle strategisch verteilten Sitzgruppen sind ebenso schlicht und zweckmäßig ausgewählt. Die Stühle haben Metallrahmen und farbige, dünne Polster. Die Rückenlehne besteht aus gelochtem Buchenholz und nehmen damit die Farbigkeit der Treppengeländer und der Treppenstufen auf.

Es gibt Ausführungen mit und ohne Armlehnen, die wiederum aus Buche bestehen und gebogenen Varianten des Treppen- Handlaufs entsprechen.

Konstruktion

Die Bestandshäuser1 wurden nach dem Krieg kostengünstig und zeiteffektiv aus Stahlbeton in die Höhe gezogen2. Da es im Herzen der Altstadt liegt war die Druckerei Tümmels gezwungen sich dem Aussehen4 des Vorkriegszustandes anzunähern.

Ein Bau aus Nürnberger Sandstein kam allerdings nicht in Frage, sodass die Gebäude Stahlbetonmassivbauten sowie Stahlbetonskelettbauten sind. Der Neu-Anbau des Treppenhauses ist eine Konstruktion aus Stahlbeton, Stahl und Glas. Die Gallerie-Ebenen sind aus Stahlbeton gefertigt und wurden in den Bestandshäusern verankert. Das Dach sowie die Fassade sind eine Stahl-Glaskonstruktion, die keine tragenden Wirkungen hat.

Habt ihr schon mal ein Gebäude so unter die Lupe gekommen?

Schreib mir was!