14. Mai 2015 raumzeichner

Qualifikation Denkmalpflege der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Der Werdegang vom Architekten zum Denkmalpfleger kann für jeden sehr individuell sein . Der Weg über die Qualifikation Denkmalpflege der Deutschen Stiftung Denkmalschutz dauert mindestens 13 (maximal 36) Monate und lässt einen verschiedene denkmalträchtige Städte in Deutschland besuchen.

In insgesamt 8 Wochenseminaren und einigen Tageskursen erlernt man die fundamentalsten Grundlagen der Denkmalpflege in ihrer weit gestreuten Variation. Durch den umfassenden Einblick in die Bandbreite des Themengebietes Denkmalpflege lernt man eines als erstes: Demut.

Demut vor dem großen Ganzen, Demut vor dem kulturellen Gut, Demut vor dem gewaltigen Wissen, das Experten sich in Jahrzehnten angeeignet haben. Winzig klein mit Hut ist der angehende Denkmalpfleger, denn er kratzt nur die Oberfläche des gewaltigen Wissens an, das es zu erlernen gibt.

Je mehr Seminare man besucht, desto größer ist die Ehrfurcht vor dem, was man alles noch nicht weiß. Man lernt immer mehr Themengebiete kennen, die man nur unzureichend bearbeitet hat und in denen es noch so viel mehr zu lernen gibt. Die Kurse bauen ein Wissensfundament auf, auf dem man mit Hilfe der Kursunterlagen weiter aufbauen kann. Die einzelnen Wochenseminare sind jeweils Oberthemen zugeordnet, die sich ergänzen. Zum Schluss hat man ein umfangreiches Bild der verschiedenen Tätigkeiten des Denkmalschutzes. Architekten und Planer lernen Vorgehensweisen anderer Planer kennen, sie lernen, wie andere mit Problemen umgehen und sie werden auf Stolperfallen im Alltag hingewiesen. Neben allerlei fachlichem Wissen, das den Lernenden mit auf den Weg gegeben wird, sind die Kontakte, die man knüpft ein weiterer wichtiger Bestandteil der Kurse. Durch den ’studentischen Zusammenschluss‘, den die Kursteilnehmer bilden, entwickelt sich ein Netzwerk von Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet. Die gute Durchmischung der Berufssparten und der regionalen Verortung ermöglicht ein breites Bild über aktive Denkmal-Interessierte.

Kursaufbau

Die Wochenseminare der Qualifikation Denkmalpflege gliedern sich thematisch zusammengefasst so, dass man die Reihenfolge der Kurse mischen kann. Ein Kurszyklus dauert 13 Monate, die maximale Zeit, die man brauchen darf, sind 3 Jahre. Innerhalb dieser 3 Jahre kann man die Kursreihenfolge frei wählen, sodass man für sich passend, alle 8 Wochenseminare belegt hat. Neben diesen Wochenseminaren (WS) gibt es noch 5 Tagesseminare (TS), die man belegen muss, um zur Prüfung zugelassen zu werden.

Aufgrund des Aufbaus bietet es sich an, die Seminare innerhalb eines Kurs-Zyklus zu belegen, sodass Referenten nicht mit ähnlichen Themen doppelt auftreten. Je nach aktuellen Themenschwerpunkten in der Denkmaldebatte ändern sich die Kursinhalte entsprechend. Von einem Lehrplan, wie man ihn von Unis kennt, kann also nicht die Rede sein, obwohl man von einer wohl strukturierten und gut organisierten Ausbildung sprechen kann.

Das Thema der Praxiswoche varriert, sodass im Zyklus 2015 eine Bestandsaufnahme in der Nähe von Görlitz erfolgt, 2016 Bauschäden untersucht werden und man 2017 vertiefte Einblicke in die Bauforschung erhalten kann.

Mich persönlich interessiert das Thema Bauforschung 2017 zwar am meisten, da ich Bestandsaufnahme und Bauschäden jeweils schon in der Uni und im Büro hautnah praktisch durchgeführt habe, aber da ich die Fortbildung im Jahr 2016 abschließen will, werde ich wohl nochmal die Bestandsaufnahme durchgehen und hier sicherlich trotz viel Erfahrung in dem Bereich immer weiter Neues lernen. Gerade das Arbeiten in größeren Gruppen interessiert mich da, da man in Uni und Büro für gewöhnlich nur mit 1-2 Kollegen unterwegs ist und so weniger Meinungsaustausch hat.

Prüfung

Um zur Prüfung zugelassen zu werden, müssen alle Wochenseminare und Tagesseminare belegt worden sein. Zudem gehört zur Prüfung ein Vortrag innerhalb eines Wochenseminares über ein passendes Thema des eigenen Ermessens. Der Vortragende referiert also über sein Spezialgebiet oder ein von ihm betreutes Bauvorhaben. In die Schlussbewertung fließen außerdem die Ergebnisse des Praxisseminars ein und das Abschneiden in einer mündlichen Prüfung.

Finanzielle Aufwendungen

Insgesamt kostet die Qualifikation Denkmalschutz rund 4500€ plus Reise- und Übernachtungskosten. In den Städten, in denen es Gästehäuser der Denkmal-Akademie gibt, können Kursteilnehmer mit ermäßigte Übernachtungskosten unterkommen.

Eine Nacht im Görlitzer Gästehaus kostet während eines Kurses (Stand März 2015) 25€ und beinhaltet ein Frühstück sowie eine brüchige WLan-Verbindung.
Gästehäuser gibt es meines Wissens in Görlitz und Quedlinburg.

Schlesisches Haus in Görlitz

Unterkunft

Die Gästehäuser sind Gebäude, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz betreut werden. Die Kursteilnehmer werden dort bevorzugt aufgenommen, wenn gerade ein Wochenseminar stattfindet.

Görlitzer Gästehaus

Das Gästehaus in Görlitz ist gleichzeitig auch der Veranstaltungsort des dortigen Wochenseminars. Es befindet sich mitten in der Altstadt und hat genügend Platz und Ruhe. Die Einzelzimmer sind ausgestattet mit einem Schrank, einem Einzelbett und einem Tisch. Dazu gibt es ein eigenes kleines Duschbad und die Ermahnung doch in allgemeiner Rücksichtnahme Ruhe walten zu lassen. Das Gästehaus versteht seine kleinen Zimmer als Studierstuben und niemand soll daran gehindert werden, seinen Recherchen und Gedanken nachzugehen. Während die Zimmer sich in den oberen Geschossen befinden, gibt es im Erdgeschoss neben dem Seminarraum eine ausgestattete Küche und ein Frühstückszimmer. In der Küche haben die Kursteilnehmer die Möglichkeit in einem großen Kühlschrank Lebensmittel aufzubewahren. Einige Schränke bieten Stauraum und Herd und Ofen ermöglichen gemeinsames Kochen. Eine Spülmaschine gibt es auch!
Der wLan-Zugang ist allerdings sehr brüchig, was modernes Arbeiten mit viel Recherche etwas erschwert da je nach Lage des Zimmers die Verbindung sehr oft abbricht.

Das Zimmer kostet pro Nacht pro Person ca. 25 Euro und beinhaltet ein Frühstück. Sind weniger als 5 Personen eingemietet, gibt es kein Frühstück, dann muss man sich bei diversen Bäckern in der Stadt behelfen. Für diese Tage wird dann allerdings auch keine Frühstücksgebühr erhoben. Für den Preis (etwa 6€) kann man dann gut in Görlitz frühstücken.

Quedlinburger Gäste-Apartments

Die Aparments in Quedlinburg gehören nicht direkt zur DSD und bieten den Kursteilnehmern daher keine Rabatte. Außerdem gibt es keine Einzelzimmer, was eine Einbuchung finanziell nur attraktiv macht, wenn man mit einem Kollegen anreist. Im Vergleich mit den anderen Hotelzimmern in Quedlinburg scheinen die Apartments des Palais Salfeld allerdings dennoch günstiger zu sein, denn ein Doppelzimmer kostet dort rund 80€. Unter 90€ bekommt man auch in anderen Hotels pro Nacht kaum ein Zimmer.

Alternative

In manchen Städten sind die Hotels nicht so arg teuer, wenn man in Kauf nimmt, weitere Strecken zurück zu legen. In Bonn beisielsweise haben wir uns im City Hotel eingemietet, waren dafür aber auch jeden Tag eine Stunde mit dem Auto unterwegs.

In Quedlinburg teste ich zum ersten Mal AirBnB und habe laut Auskunft des Vermieters einen täglichen Fußmarsch von 20-30 Minuten vor mir. 15 Minuten je Strecke morgens und abends laufen halte ich für durchaus machbar, wenn man dafür ein paar kostbare Euro spart.

Je größer die Städte, desto höher auch die Preise für Übernachtungen. Dafür hat man dann da auch die größere Auswahl und kann auch mal was anderes ausprobieren. In Berlin beispielsweise ist es kaum ein Problem mit CouchSurfing für eine Woche in einer WG unter zu kommen. Gerade für die jüngeren Teilnehmer der Weiterbildung ist das doch ein Anreiz und eine Möglichkeit ein paar Euro zu sparen und dabei noch tolle Kontakte zu knüpfen.

Fazit

Die „Qualifikation Denkmalschutz“ ist eine gut strukturierte und organisierte Weiterbildung für Architekten, Planer und Mitarbeiter der Denkmalbehörden. Durch die insgesamt 9 Wochen, die sich die Kursteilnehmer sehen, entstehen wertvolle Kontakte, da man viel von den anderen erfährt. Die Kosten sind mit rund 4500€ für den Kurs allerdings nicht zu verachten. Auch die zusätzlichen Kosten für Fahrt und Unterkunft sorgen dafür, dass man im Kurszyklus rund 9000€ für die Ausbildung ausgibt.

Andere Arten der Weiterbildung, wie Aufbaustudium oder ortsgebundene Ausbildung, sind nicht so teuer, bieten dafür vermutlich aber auch nicht den Vorteil innerhalb eines Jahres bis zu 7 neue Städte kennenzulernen.

Finanziell und zeitlich ist die Qualifikation Denkmalschutz also mit hohem Aufwand verbunden, der von Arbeitgeber, Familie und Geldbeutel erstmal genehmigt werden muss. Alles in Allem lohnt sich die Qualifikation allerdings auf jeden Fall.

Hast du eine Ausbildung zum Denkmalpfleger hinter dir oder planst du eine? Wenn ja, welche ist es und wie ist deine Einschätzung dazu? Lohnt es sich?

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About the Author

raumzeichner Julia ist #Absolventin #Architektin #Denkmalschützerin #Urbanistin #OnlineRedakteurin und einiges mehr. Sie hat jahrelange Erfahrungen in Fachschaften und Gremien gemacht, und arbeitet jetzt als Architektin, während sie alle Informationen aus den Bereichen Denkmalpflege und Urbanität wissbegierig in sich aufnimmt und mit euch teilt.

Comments (4)

  1. NoFa

    Interessant wäre ja im Vergleich dazu der Bericht eines Absolventen des entsprechenden Master-Studiengangs an einer Hochschule!

    • raumzeichner

      Stimmt, das wäre interessant. Da müsste man mal schauen, ob ich da jemanden an die Angel bekomme : )

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