20. August 2015 raumzeichner

Warum Nürnberg meinen Horizont erweiterte.

3 Bilder aus Nürnberg, Blogparade Raumzeichner

2006 war ich das erste Mal und nur für kurz in Nürnberg. Einem kurzen Besuch folgte ein langer. Als Berliner Gör, das noch nie die Nase über den Tellerrand gestreckt hat und alle anderen Städte auf der Welt für unwürdig hielt, war es wie Liebe auf den ersten Blick.

Nürnbergs neue Altstadt.

Nürnbergs Herz ist die neue Altstadt. Diese Altstadt ist allerdings gar nicht so alt, wie sie aussieht. Sie ist das Resultat wahrer Heimatliebe.
Nach dem zweiten Weltkrieg war Nürnberg in großen Teilen schrecklich zerstört. Da Nürnberg im Krieg eine wichtige Rolle gespielt hat, war es nur logisch, dass die Bomben nur so auf die schöne kleine Stadt im beschaulichen Franken regneten.

Die Bewohner Nürnbergs haben schon damals den Wert ihres Heimatgefühls erkannt und beschlossen, die Stadt wieder so aufzubauen, wie sie war. Sie nahmen die Trümmer, ergänzten um neues Material und errichteten ihre Stadt neu. Mehr dazu habe ich bereits in einem Beitrag über Nürnberg geschrieben.

Die Altstadt von Nürnberg wurde nach dem zweiten Weltkrieg fast komplett neu gebaut.

Dieser energische Wille zum Erhalt macht es uns heute möglich, die malerisch schöne Stadt zu besuchen.
Nürnbergs Kern ist ein undurchdringliches Gewusel aus Einbahnstraßen, aus denen es scheinbar kein Entrinnen gibt. Die Straßen sind mit Kopfsteinpflaster ausgelegt und führen steil bergauf und bergab. Ich kann nur empfehlen, die Altstadt zu Fuß zu begehen. Egal, wo man in der Altstadt wohnt, man kann alles locker zu Fuß erreichen. Ein Auto lohnt sich nur für den Großeinkauf am Wochenende, wenn überhaupt. Ich hatte in Nürnberg immer das Glück, sehr zentral zu wohnen und bin auf dem Heimweg an einigen kleinen Supermärkten vorbei gekommen.

Leben in Nürnberg

Dort hat sich auch einer meiner favorisierter Lebensstile entwickelt: Ein kurzer weg zum Arbeitsplatz. Ein Arbeitsplatz den ich liebe. Und ein Heimweg, der mich an Einkaufsmöglichkeiten vorbei führt, sodass ich täglich frische Lebensmittel kaufen konnte. Mein Weg hat mich übrigens (je nachdem wie ich es eingerichtet habe) auch über den Markt geführt, wo es dann wirklich alles in superfrisch gibt.

Allerdings ist Nürnberg eine der teuersten Orte, die ich bisher besucht habe. Ein 10qm-WG-Zimmer hat mich dort etwas über 200€ gekostet. (Dagegen sind die 30qm-1,5-Zimmer für 340€ in Kaiserslautern ein Witz.) Dafür habe ich allerdings auch direkt unter der Burg wohnen können. Das Auto stand die meiste Zeit herum und diente nur dazu, ab und zu nach Berlin bzw. zu meinem Freund in den 20km entfernten Ort zu fahren. Ich habe es also schon fast jeden Tag genutzt, aber eben nicht, um zur Arbeit zu müssen. Mein Weg zur Arbeit war geradezu idyllisch. Romantische kleine Pfade zwischen uralten Geschäften vorbei. Über kleine Brücken und am Wasser entlang.

Aufwändige Arbeiten aus Holz machen den ganz besonderen Charme dieser Stadt aus.

Herzlichkeit und Wertschätzung

Die Nürnberger haben mich allesamt sehr herzlich empfangen. Die mürrische Mine, die man aus Berlin kennt, gibt es dort fast gar nicht. Oder sie ist mir nicht begegnet. Zwar gab es natürlich auch mal schlechte Laune, Differenzen und Streitigkeiten, aber insgesamt klingt Fränkisch einfach immer netter, sogar wenn der dazugehörige Franke ziemlich bös drauf ist.

Was ich dort auch zum ersten Mal erlebt habe, war die Einstellung meiner Chefin. Als Berliner Abiturient auf Praktikumssuche ist man es gewöhnt, jeden Tag 8 Stunden zu malochen und dafür im schlimmsten Fall sogar noch Geld zu bezahlen. In Nürnberg allerdings wurde ich direkt mit den Worten empfangen, dass ich immerhin Arbeit verrichte und dafür auch Geld bekommen soll. Es waren zwar nur 400€, aber mit einem sehr spartanischem Lebensstil und einem Job im ansässigen Nachtclub hat es durchaus ausgereicht. Das Praktikantengeld hat meine Miete gezahlt und mir mein Essen finanziert, der Nebenjob von Donnerstag bis Sonntag hat dafür gesorgt, dass ich mir auch so mal ein bisschen was leisten konnte. Außerdem fällt dann die Versuchung weg, am Wochenende viel Geld auszugeben, wenn man jeden Abend um 19 Uhr im Club erscheint und erst um 6 Uhr Morgens wieder raus kommt.
Ich gebe zu, der Freitag war immer ziemlich hart, wenn ich um 6 aus der Arbeit raus kam und um 9 wieder im Büro war, aber ich war jung… na ihr versteht schon ;)

Monat für Monat in Nürnberg

Warst du auch schon mal in Nürnberg oder bist gar ein waschechter Nürnberger? Ich habe so viele tolle Erinnerungen an diese schöne Stadt, dass es mir ganz warm ums Herz wird, wenn ich nur an die Zeit zurück denke. In meinem ersten langfristigen Anlauf war ich rund sechs Monate in Nürnberg und habe mein neugieriges Näschen in so gut wie jede Gasse gesteckt. Durch die Arbeit bei den Denkmalpflegern und Architekten habe ich nicht nur die Denkmäler sondern auch die Stadt gut kennengelernt. Nürnberg hat mich auf zweierlei Weise verzaubert. Es hat mich von sich als Stadt überzeugt und mir die Augen für Baukultur und Altstädte geöffnet. Seit Nürnberg wuchs in mir der Wunsch mich mit Denkmalen und Baukultur zu beschäftigen. Ich wollte erhalten, schützen, helfen und vor allem: immer und immer mehr lernen und das Gelernte vermitteln.

Der Altstadtfreunde Nürnberg e.V. unterstützt sein geliebtes Nürnberg, wo es nur geht. Ein Grund, warum die Stadt noch so schön ist.

Nach den ersten sechs Monaten in Nürnberg, habe ich noch 3 Praktika von jeweils 2-3 Monate dort gemacht, die Stadt immer besser kennengelernt und mich dort schon fast einheimisch gefühlt. Es war wie ein Heimkommen, wenn ich wieder mit Sack und Pack dort angekommen bin und immer war im Hinterkopf verankert, dass ich bald wieder komme.

Mein letzter Besuch ist jetzt schon wieder viel zu lange her. Ich denke, ich sollte mal wieder für ein paar Monate nach Nürnberg ziehen und mich in das baukulturelle Getummel dort werfen.

Was ist deine Geschichte, die dich mit Nürnberg verbindet? Erzähl es mir in den Kommentaren.

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Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade von Frollein Keks zum Thema „3-Bilder-aus…“. Es war wirklich gar nicht so leicht, sich auf nur 3 Bilder zu reduzieren. In den bestimmt 12 Monaten, die ich dort war, habe ich Unmengen an Fotos gemacht… :D

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About the Author

raumzeichner Julia ist #Absolventin #Architektin #Denkmalschützerin #Urbanistin #OnlineRedakteurin und einiges mehr. Sie hat jahrelange Erfahrungen in Fachschaften und Gremien gemacht, und arbeitet jetzt als Architektin, während sie alle Informationen aus den Bereichen Denkmalpflege und Urbanität wissbegierig in sich aufnimmt und mit euch teilt.

Comments (2)

  1. Ich mag Nürnberg auch sehr und wenn ich deine Zeilen lese, bekomme ich auch Sehnsucht nach Nürnberg und Bayern. Ich habe zwar nie dort gelebt, aber war oft da, da eine liebe Freundin dort wohnt. Zu einem Nürnberg Besuch gehört für mich das Restaurant El Coyote. Total urig, idyllisch, trotz dem Verkehr, aber mit schönem Biergarten. Hach, möchte grad den Koffer packen… ;-)

    • raumzeichner

      Hey Daniela! Ich bekomme auch direkt das Verlangen, wieder dort hin zu gehen. Das war eine schöne Zeit dort. Da brauch ich nur die Fotos sehen und ich will direkt zurück :D

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