30. Juni 2015 raumzeichner

Kultur ist für mich…

Kultur ist für mich das Erhalten von Denkmalen

Kultur ist für mich …

die Entstehung und Entwicklung von Fähigkeiten und ästhetischem Geschmack einer Gruppe. Wenn ich an Kultur denke, dann bekomme ich so ein ganz seltsames Gefühl im Bauch. Es hat etwas mit Ehrfurcht und purer Begeisterung zu tun. Ich werde hibbelig und irgendwie auch glücklich.

Kultur ist für mich …

erhaltenswert! Definitiv. Kultur entsteht aus Entwicklung, aus Fähigkeiten und aus dem Zusammenspiel vieler Menschen und ihrer Fertigkeiten.

Baukultur

B aukultur beschreibt die Summe menschlicher Leistungen natürliche oder gebaute Umwelt zu verändern. – Sagt Wikipedia.

Gebaute Kultur macht sichtbar, was unsere Ahnen für Fähigkeiten und Geschmäcker hatten. An der heutigen Designentwicklung erkennt man sehr gut, dass sich Geschmäcker sehr schnell ändern können. Durch Internationalisierung und Austausch über alle Grenzen hinweg können sich Vorlieben und Möglichkeiten schneller verbreiten als je zuvor.
Da Menschen immer gerne Neues lernen, ausprobieren, anwenden und verinnerlichen, ändert sich so auch die Baukultur immer schneller. Sobald eine Lösung gefunden ist, verbreitet sich die Nachricht darüber wie ein Lauffeuer über die ganze Welt. Und schon probieren sich Architekten über den ganzen Globus verteilt mit den neuen Möglichkeiten, die ihnen früher verwehrt waren.

An diesen rasanten Entwicklungen erkennt man sehr gut, wie sich Kulturen verändern. Früher haben sich architektonische Stile sehr langsam verbreitet, da die Architekten erst einmal ihren Standort verlassen mussten um anderen von ihren Erfahrungen zu berichten. Heute reist man hin und her, nimmt viele Eindrücke auf und verarbeitet sie. Und selbst wenn man nicht reist, reicht ein Klick im Browser um am anderen Ende der Welt zu sein.

Kultur ist daher für mich das sichtbare Zeugnis für Veränderung, für Geschmack und ästhetisches Empfinden. Kultur ist das Erbe, das uns unsere Vorfahren hinterlassen haben. Kultur beeinflusst uns bewusst oder unbewusst, da wir ihr gar nicht entgehen können.

Ob Eltern ihre Kinder erziehen oder man in einer alten Stadt lebt, Kultur ist überall und wird uns immer vermittelt. Gute Tischmanieren sind genauso Kultur wie die Gemälde, die in unseren Museen hängen.

Harmonie und Koexistenz

Mit der Zeit gibt es immer mehr Kulturen, die parallel nebeneinander Existieren. Manchmal bekämpfen sie sich, manchmal harmonieren sie. Auf jeden Fall machen sie uns (jeden einzelnen von uns) als Individuum aus und bilden gleichzeitig ein Kollektiv für uns. Wegwerf-Kultur lebt neben Recycling-Kultur. Stahl-Glas-Kolosse reihen sich neben Barocke Fassaden. Die Kontraste sind oftmals gar nicht der Anlass zu hitzigen Diskussionen, sondern das abweichende ästhetische Empfinden von Individuen.

Veränderung gehört genauso zu Kultur wie Erhalt. Der Grat zwischen Erneuern und Bewahren ist schmal, wenn man ihn im Kontext von Kultur betrachtet. Etwas zu entfernen und etwas neues zu entwerfen ist genauso Teil von Kultur wie das Bewahren des alten.

Verlust von Wissen

Der Abriss von Gebäuden, das Verbrennen von Büchern, die Zerstörung von Gemälden haben alle eines Gemeinsam. Wissen wird unwiederbringlich zerstört.

Beispiel: Haus

Wird zum Beispiel ein Gebäude abgerissen, kann man sagen, man hat durch genaue Bestandsaufnahme alle Informationen in Akten, Fotos und Plänen konserviert. – Aber wir können künftig keine weiteren Informationen heraus bekommen, die wir jetzt noch nicht haben. Wie verhält sich ein gewisses Material nach 500 Jahren? Das können wir nie erfahren, wenn das Gebäude nach 30 oder 100 Jahren abgerissen wird.

Wissen, das aus der alten Materie gewonnen werden kann, ist verschwunden, wenn das Haus nicht mehr steht. Beispielsweise können wir heute mit Leichtigkeit herausfinden, welche Bäume und Gräser in der Umgebung gewachsen sind, als ein altes Fachwerkhaus gebaut wurde. Man findet die Pollen im Lehm. Sie haben sich damals in die feuchte Oberfläche gesetzt und wurden dort konserviert. – Hätten wir das Haus vor 50 Jahren abgerissen, könnten wir jetzt nicht mehr diese Information bekommen, weil sie damals vielleicht niemanden interessiert hat. Jetzt ist diese Information aber für Biologen der Region mitunter sehr spannend. Vor 50 Jahren haben sich ihre Vorgänger aber nicht dafür interessiert.

Ein Gebäude abzubrechen ist also ein Einschnitt in das Erlangen künftigen Wissens.

Ob etwas relevant oder irrelevant ist, möchte ich niemals beurteilen müssen.

Wie sieht das bei dir aus? Entscheidest du über Vernichtung von Bestand? Egal ob Gebäude, Malerei oder anderer Kulturgüter?

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „Kultur ist für mich“ von Tanja Praske.

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About the Author

raumzeichner Julia ist #Absolventin #Architektin #Denkmalschützerin #Urbanistin #OnlineRedakteurin und einiges mehr. Sie hat jahrelange Erfahrungen in Fachschaften und Gremien gemacht, und arbeitet jetzt als Architektin, während sie alle Informationen aus den Bereichen Denkmalpflege und Urbanität wissbegierig in sich aufnimmt und mit euch teilt.

Comments (7)

  1. Hallo Julia,

    als Archäologin kann ich sehr gut nachempfinden, was du in deinem Beitrag beschreibst. Auch wir zerstören bei unseren Untersuchungen ja jahrhunderte-, wenn nicht jahrtausendealte Kulturschichten. Und klar dokumentieren wir nach bestem Wissen und Gewissen, aber halt auch immer im Bewusstsein, dass die nächste Forschergeneration wahrscheinlich noch mehr Informationen aus dieser Fundstelle gewinnen könnte. Von daher sagen wir oft, am liebsten wäre es uns, wenn die Befunde unter einer Schaffenden liegen bleiben könnten.

    Aber abgesehen davon, dass wir dann wohl arbeitslos wären. Bei aller Faszination für das Alte und Vergangene, braucht es auch die (Weiter-)Entwicklung. Denn ich wollte heute nicht mehr im Grubenhaus „hausen“.

    In diesem Sinne wünsche ich frohes Weiterbloggen

    Viele Grüße Carmen

    • raumzeichner

      Hey Carmen,
      ja, ich glaube, wir haben da sehr ähnliche Denkweisen. Ich möchte ja auch nicht in einem unsanierten Haus von 1600 leben, nur weil im Lehm aussen noch so viele Informationen stecken. Aber dennoch weint das Herz, wenn man aufgrund der Instandhaltung immer mal wieder wertvolle Schichten abtragen muss.

      Vielen Dank für deinen schönen Kommentar :)

      Beste Grüße, Julia

  2. Liebe Julia,

    vielen Dank für deinen wunderbaren Beitrag zu #KultDef! Damit seid ihr zu dritt, drei Architektinnen, zur Blogparade. Stadtsatz geht zwar dieses Mal nicht auf Baukultur ein, dafür aber @Raumwirkung. Vielleicht kennt ihr euch?!

    Der Begriff Ästhetik ist im Zusammenhang von #KultDef noch nicht genannt worden. Vielen Dank für die Bereicherung!

    Sonnige Grüße
    Tanja

    • raumzeichner

      Hey Tanja,
      danke für deinen Kommentar und die tolle Parade. Ja, Anett von Stadtsatz kenne ich : ) Wer ist denn die dritte Architektin?

      Liebe Grüße,
      Julia

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