4. November 2014 raumzeichner

Duzen im Internet?

Wir hier unter Studenten, angehenden Studenten und frischen Absolventen sind doch alle jung oder zumindest jung-geblieben. Jung ist relativ und wer über Studium und Arbeit nachdenkt ist doch inzwischen ein stückweit erwachsen, egal ob nun auf dem Papier oder nur im Kopf. Gleichzeitig ist der stets wissenshungrige online lesende Student im Kopf (und manchmal auch auf dem Papier) auch jung. Also wird hier geduzt. Wir sind ja eine Familie. Praktizierende, angehende oder abtrünnige Raumzeichner-Tierchen und deren Freunde.

Ist das denn okay?

Das Internet ist eine zumeist sehr ungezwungene Plattform auf der sich Jung und Alt duzen. Man steht sich mit Ratschlägen zur Seite und greift sich gegenseitig unter die Arme. Man ist nicht allein im Kampf an die sprichwörtliche Wasseroberfläche. Wer sich duzt, der kennt sich, der mag sich im besten Fall sogar. Wer sich mag, der hilft sich gegenseitig. Gehen wir jetzt mal nicht davon aus, dass wir aus lauter Unhöflichkeit und Respektlosigkeit duzen, denn auch mit der angebrachten Portion Respekt und Achtung kann man freunschaftlich miteinander umgehen und beim Du ankommen.

Duzen im Internet

Es ist allerdngs etwas anderes, ob man eine eMail schreibt oder etwas auf einer Seite (z.B. einem Blog) liest. Der Inhalt einer eMail kann manchmal sehr formal sein und da kommt es darauf an, ob und woher man den Empfänger der eMail kennt.
Schreibe ich beispielsweise an einen Professor oder an die Presseabteilung eines Verlages, dann sieze ich die Personen ganz automatisch, da man mit ihnen schließlich kein freundschaftliches Verhältnis hat und sie ein Du vermutlich als respektlos empfinden würden.
Schreibe ich an Blogger, empfinde ich allerdings ein Sie als befremdlich und würde es auch genauso empfinden, wenn ein Blogger mich per Sie anschreiben würde. Blogger und digitale Schreiberlinge sind doch auch wieder eine Spezies für sich, die sich in einem gemeinsamen Interesse verbindet. Die Schreiberlinge sind irgendwo auch eine kleine Familie, also wird da wie automatisch geduzt. Zumindest, wenn sie im Blog auch duzen. Denn ein Du ist immer gegenseitig. Die Ausnahme ist, wenn es einen gehörigen Unterschied zwischen den beiden Gesprächsparteien gibt. Das könnte im Fall eines kleinen Kindes und eines alten weisen Mannes der Fall sein. Der alte Mann duzt das Kind, aber das Kind sollte den alten Mann vielleicht siezen. Wobei auch das nicht mehr so pauschal gesagt werden kann.

Duzen oder Siezen?

Im Internet ist es wie im realen Leben. Es kommt drauf an!
Es kommt wieder darauf an, woher man jemanden kennt. Werde ich durch Freunde auf einen Freund ihrerseits aufmerksam gemacht, ist eine freundschaftliche Basis da und solange es sich nicht um reine Geschäftskontakte handelt, besteht quasi sofort ein Anrecht aufs Du. Wird mir ein Kollege oder Geschäftspartner empfohlen, ist es ein Sie. Wird mir jemand von jemandem empfohlen, den ich sieze, dann wird auch dieser gesiezt.
Da sag noch mal einer, asiatische Hölichkeitsformen seien kompliziert. In Deutschland ist es auch nicht so ganz einfach. Man kann sich da schnell auf dünnes Eis begeben.

Eines ist aber sicher

Wer einmal beim Du angekommen ist, bleibt beim Du. Für immer. Ein Rückschritt auf das Sie bedeutet einen Bruch in der Beziehung zueinander. Man gibt das Du für gewöhnlich nicht wieder auf, denn das bedeutet ja, dass einen keine Freundschaft mehr verbindet. Das ist ein klares und hartes Statement. Man sollte sich also merken, mit wem man per Du und mit wem per Sie ist.

Duzt du im Internet?

Wie sieht es bei Dir aus? Ist es für dich eine Unmöglichkeit, wenn ich Dich hier auf Raumzeichner duze oder findest Du das eher gut?

Dieser Artikel ist inspiriert durch die Blogparade von MobileThings, in der die folgenden Fragen gestellt wurden:
  • Duzt du im Internet?
  • Wann empfindest du das ‘Duzen’ als unhöflich? Und warum?
  • Wie stehst du zum ‘Siezen’?
  • Wirst du lieber gesiezt oder geduzt?

 

 
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About the Author

raumzeichner Julia ist #Absolventin #Architektin #Denkmalschützerin #Urbanistin #OnlineRedakteurin und einiges mehr. Sie hat jahrelange Erfahrungen in Fachschaften und Gremien gemacht, und arbeitet jetzt als Architektin, während sie alle Informationen aus den Bereichen Denkmalpflege und Urbanität wissbegierig in sich aufnimmt und mit euch teilt.

Comments (11)

  1. Hallo Julia,
    guter Beitrag zur Blogparade. In einem Punkt muss ich allerdings widersprechen. Man bleibt nicht immer beim Du. Beruflich kann es vorkommen, dass man zum Sie zurückgeht, weil sich die Situation geändert hat.
    Viele Grüße
    Claudia

    • raumzeichner

      Hallo Claudia!
      Ich finde es auch beruflich sehr befremdlich, wenn man zum Sie zurück kehrt. Immerhin ist die Anrede nach wie vor etwas Zwischenmenschliches und ein Rückgang auf die förmliche Anrede kommt mir immer wie ein Verlust vor.
      Liebe Grüße,
      Julia

  2. Für mich ist im Internet in über 90% der Fälle ein Sie unangemessen. Außer, man befindet sich jetzt auf einem juristischem Portal oder ähnlichem oder es ist eine rein geschäftliche Beziehung. Was ich aber übrigens auch nicht mag, ist, wenn Seiten „du“ groß schreiben. Das empfinde ich als sehr altmodisch. ;)

    • raumzeichner

      Ich fühle mich mit einem Lattenzaun erschlagen ;)
      Wenn ich mich recht erinnere, schreibe ich normalerweise das Du auch nicht groß, außer es ist eben ‚das Du‘. Aber ich will gar nicht groß rumlamentieren, danke für deinen Kommentar!

  3. Wenn ich selber Texte auf meiner Seite veröffentliche, duze ich stets. Auch mit großen „D“, ich mag es an dieser Stelle altmodisch. Dabei hat das nichts mit Respektlosigkeit zu tun. Bei mir gilt einfach: „Mein Blog, meine Regeln!“ und wer sich von einem „Du“ gestört fühlt, ist bei mir eh falsch.

    Dementsprechend stört es mich auch nicht, wenn auf anderen Blogs geduzt wird. Gleiches Argument wie bei mir. Wenn man sich auf dem Blog von jemandem bewegt, betritt man ein Stück weit dessen Welt und da macht nunmal der Bloginhaber die Regeln. Bei Zeitungs- oder News-Seiten wäre ich allerdings irritiert, wenn dort plötzlich ein „Du“ auftauchen würde. Es würd mich nicht stören, aber etwas seltsam wäre es schon.

    Wenn ich irgendwo kommentiere, hängt es bei mir davon ab, welchen Eindruck der Blog auf mich macht. In der Regel verwende ich das „Du“, aber es gab auch schon Blogs, die mir so förmlich vorkamen, dass ich auch in den Kommentaren „Sie“ schrieb.

    • raumzeichner

      Hey Arne,
      ich schätze in Zukunft werden auch Informationsseiten, die jetzt noch förmlich sein mögen, persönlicher und dann wird da bestimmt auch das Du normaler. Also mich würde es nicht stören, schätze ich. Ich finde, bei einem Du hat man (bzw ich) viel eher das Gefühl, mit dem ‚Gegenüber‘ irgendwie verbunden zu sein. Und Verbundenheit ist was Schönes!

  4. Hildegard Faßhauer

    Hallo, liebe Julia,

    ich finde deine Artikel sehr gut! Z.B. den letzten Du/Sie-Beitrag. Er regt zum Nachdenken an.

    Doch bei dir brauche ich nicht nachzudenken, dich duze ich seit deiner Geburt und dabei bleibe ich und du darfst mich auch weiter duzen, bin schließlich deine Oma.

    Liebe Grüße und schreibe weiter so für uns Leser!

    • raumzeichner

      Hallo Hildchen,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass du mich hier gefunden und den Artikel gelesen hast.

      Wen man duzt und siezt ist im Normalfall kein so leichtes Thema. Bei uns bin ich mir aber auch sehr sicher, wie wir miteinander reden können.
      Liebe Grüße nach Hause,
      Julia

  5. Bei mir kommt es immer ganz darauf an, wo ich schreibe. Wenn ich z.B. auf Facebook an Firmen schreibe werden diese gesietzt, egal was mein Anliegen ist. Sonst ist aber meist das Du angebracht.
    Manchmal weiß ich auch nicht, wie ich auf Mails antworten soll in denen ich gedutzt werde und unsicher bin was angebracht wäre… z.B. wenn eine Firma mich anschreibt, dass ich etwas gewonnen habe.

    Liebe Grüße,
    Annika

    • raumzeichner

      Hey danke für deinen Besuch hier :)
      Ja, das ist oft nicht ganz einfach, das stimmt. man muss da mit Fingerspitzengefühl dran gehen. Unsere Kunden zB dürfen mich eigentlich auch nicht duzen. Machen es aber manchmal dennoch. Ich bleibe aber immer beim Sie.

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