Neue Materialien in der Denkmalpflege? Ein Thema mit viel Diskussionspotential.

Manchmal sind die historischen originalen Materialien einfach nicht wirklich gut. Darf dann mit modernen Alternativen nachgebessert werden?

Dass auf dem Bau schon immer mit neuen Materialien experimentiert wird, ist nichts ungewöhnliches. Entwicklungen müssen sich schließlich auch erst etablieren. Manchmal funktioniert alles wie geplant, manchmal aber nicht. Wie handelt der Denkmalpfleger nun, wenn die historischen Materialien nicht gut funktioniert haben und es unwirtschaftlich wäre, ein Bauwerk mit genau den gleichen Materialien wieder herzurichten?

Um dieses Thema entbrennt schon seit jeher eine hitzige Diskussion nach der anderen. Die Sophienkirche in Berlin bietet ebenfalls Anlass für solche Debatten. Sie werden sogar provoziert.
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Tuschkastensiedlung | Die bunteste Berliner Welterbe-Siedlung

Tuschkastensiedlung | Die älteste Berliner Welterbe-Siedlung
Eine lange kopfsteingepflasterte Straße führt im Berliner Süd-Osten vorbei an schmucken kleinen Gartenzäunen, hinter denen sich farbenfrohe Häuser reihen. Manche davon sind Reihenhäuser, andere stehen als Solitäre in ihren Gärten, aber gemeinsam haben sie eines: Jede Wohneinheit hat ihre eigene Farbe und alle gehören zur Tuschkastensiedlung von Bruno Taut. Aber auch größere Häuser finden sich in unmittelbarer Nähe zu diesen bunten Häusern der Gartenstadt Falkenberg. Sie sind akzentuiert oder sogar kariert.
Der Architekt dieser fröhlichen kleinen Ansammlung an farbintensiven Häuschen ist Bruno Taut, der 1912 vom Berliner Spar- und Bauverein den Auftrag bekam, in Treptow-Köpenick auf 75 Hektar einen Bebauungsplan auszuarbeiten, der die Hanglage des Areals besonders gut ausnutzte.

Tuschkastensiedlung, Gartenstadtweg, 12524 Berlin

Tuschkastensiedlung a.k.a. Gartenstadt Falkenberg

Der bezeichnende Name Tuschkastensiedlung ist in Architektenkreisen und bei architekturinteressierten Berlinern bekannter als der offizielle Name „Gartenstadt Falkenberg„. Berliner vergeben gerne lustige Namen wie Telespargel, Goldelse oder Erichs Lampenladen (hier geht’s zu einem kurzen Video aus dem Palast der Republik aka Erichs Lampenladen, Luftaufnahmen von der Goldelse, Luftaufnahmen vom Fernsehturm aka Telespargel mit atemberaubendem Panorama von Berlin). Die sind für gewöhnlich auch viel einprägsamer und sie verbreiten gute Laune, denn oft sind sie gar nicht so ernst gemeint und haben eine gewisse Portion Humor mit inbegriffen.
Heute mag die Tuschkastensiedlung nicht mehr zeitgemäß wirken, doch damals entsprang sie dem Zeitgeist. Hätte der erste Weltkrieg die Bauarbeiten nicht unterbrochen, so wären heute mehr Entwürfe von Bruno Taut auf diesem Areal zu sehen. So gibt es 127 Wohnungen, die dort nach Tauts Ideen entwickelt wurden.

Blaues Haus über der Gartenstadt Falkenberg in Berlin

Denkmal & Unesco Weltwerbe

Heute stehen die Gebäude der Tuschkastensiedlung von Bruno Taut unter Denkmalschutz. Das heißt, sie müssen von ihren Bewohnern so erhalten bleiben, wie sie sind und unterliegen strengen Auflagen. Wer sich also ein Häuschen in der Gartenstadt Falkenberg gönnt, ist ein Liebhaber und tut dies aus Überzeugung und nicht, weil die Wohnungen so schön billig sind.
Im Juli 2008 wurde die Tuschkastensiedlung in die UNESCO Welterbeliste aufgenommen und bleibt somit als Zeugnis der Berliner Moderne für die Nachwelt erhalten.

Farben

Die ungewöhnlich anmutende und intensive Farbgebung hat der Siedlung ihren Spitznamen Tuschkastensiedlung gegeben. Mit der Farbgebung distanzierte sich Bruno Taut von John Ruskins Ansicht, dass nur die Materialien die Farbgebung eines Hauses bestimmen sollten. Unter Ruskins Gesichtpunkten war Bruno Tauts Tuschkastensieldung ‚unrechtmäßige Architektur‘. Nach Ruskins Auffassung, hätte ein rotes Gebäude beispielsweise aus rotem Sandstein gefertigt werden müssen. Bruno Taut hingegen war da anderer Meinung und erkannte die Farbe als etwas eigenes. So waren viel günstigere, farbenfrohere Fassaden möglich.

Orange und Gelb in der Tuschkastensiedlung in Berlin

Städtebau

Beachtlich ist der Unterschied der Tuschkastensiedlung zu vielen anderen Siedlungen dieser Zeit, deren Merkmal eine unbestreitbare Eintönigkeit war. Günstig und schnell sollte gebaut werden, also entstanden ganze Siedlungen mit identischen Häusern und identischer Farbgebung. Diese Monotonie wirkt nicht nur bedrückend sondern auch verwirrend, denn es fällt schwer, die Orientierung zu behalten.
Bruno Taut hingegen spielte mit den Achsen von Straße und Platz und schuf so eine große visuelle Abwechlsung. Hinzu kommt die vertikale Versetzung der Gebäude je nach Position auf dem jeweiligen Hanggrundstück. Die bunten Farbkleckse der Tuschkastensiedlung reihen sich nicht stur aneinander sondern springen die Straße entlang.

Spott und Anerkennung

Früher war der Name Tuschkastensiedlung noch durchaus spöttisch gemeint. Die Berliner Bewohner standen der revolutionären Idee des Architekten Bruno Taut skeptisch gegenüber und der Unterschied zu anderen, monotonen Siedlungen, war deutlich zu sehen. Man wohnte eben anders. Inzwischen ist der Name Tuschkastensiedlung durchaus anerkennend zu werten und die Bewohner wohnen dort voller Stolz.

Geliebte Barrieren

Auch wenn manche Bewohner schon seit Geburt an in der Tuschkastensiedlung leben, dort mehrere Kinder großgezogen haben und nun in einem Alter sind, in dem andere gerne einen Treppenlift benutzen würden, gibt es noch stolze Berliner, die hier nicht wegziehen wollen. Die Fluktuation ist in dieser Siedlung sehr gering. Die Menschen wollen nicht wegziehen. Im Gegenteil, immer mehr Menschen wollen in die Siedlung ziehen. Es gibt Wartelisten für die Siedlung und man muss hoffen.

Grüne Oase und ehemalige Selbstversorger

Bruno Taut hatte für seine Tuschkastensiedlung große Pläne. Die Bewohner sollten sich hier selbst versorgen können. In den Gärten sollte Gemüse wachsen, im Hof der Hahn krähen und an den Bäumen das Obst reifen. Vorbild dafür waren die englischen Siedlungen, mit denen sich auch Hermann Muthesius viel beschäftigte. Die Hanglage der Anlage eignete sich hervorragend, das Gemüse anzubauen, denn die von der Sonne beschienene Oberfläche war groß, der Boden konnte sich aufwärmen und die Pflanzen wachsen.
Die Gartenstadt Falkenberg sollte ein genaues Gegenteil der Berliner Mietskaserne sein. Gärten und Balkone wurden gegen dunkle Hinterhöfe getauscht. Und dennoch sollten diese Häuser eine Antwort auf die Wohnungsnot sein. Die einzelnen Wohnungen sind nicht übermäßig groß, sodass eine große Zahl Wohnungen in dieser Siedlung zu errichten war.

Brenne Architekten haben die Gartenstadt Falkenberg denkmalgerecht saniert

Denkmalgerechte Sanierung

Das Architekturbüro Winfried Brenne, bei dem 2013 u.a. auch ich gearbeitet habe, hat die Gebäude der Gartenstadt Falkenberg 1992-2002 gründlich saniert. Die Fassaden mussten nicht verändert werden, da die Wände aus 38 Zentimeter Mauerwerk bestehen. Die energetische Ertüchtigung erfolgte hauptsächlich durch die Installation neuer Heizkessel und die Dämmung von Kellerdecken und obersten Geschossdecken.

Wo, wie, wer?

Die Adresse ist:
Gartenstadtweg, 12524 Berlin
Der Architekt ist:
Bruno Taut
Die Busanbindung:
Buslinie 163, Gartenstadtweg

Eure Meinung

Wie findet ihr die bunten Häuser der Moderne und welches ist euer liebster Bau von Bruno Taut? Habt ihr die Tuschkastensiedlung schon mal besucht, oder nur von ihr gehört? Ich war im Spätsommer 2011 dort und sie blieb mir in Erinnerung.
Schreibt mir in die Kommentare und teilt den Artikel mit euren Freunden!

Weiteres?

Interessiert ihr euch für weitere solcher Artikel? Schaut in der Rubrik Streiflicht auf raumzeichner vorbei, hier werde ich immer wieder Architektur, Plätze und Architekten unter die Lupe nehmen. So habe ich zum Beispiel über das Fakultätsgebäude der Architektur „Bau Eins“ in Kaiserslautern, das „Haus Eckstein“ in Nürnberg oder Il Gesù in Rom bereits geschrieben. Außerdem ist dieser Artikel Teil der „Magic Letters“ und behandelt das Thema „B wie Bunt“.

Bau Eins in Kaiserslautern. Ein Raumgefühl.

Raumgefühl Bau Eins Kaiserslautern
Das Gebäude mit dem bemerkenswert unarchitektonischen Grundriss nennt sich in weiten Teilen der Studierendenschaft einfach nur „Bau Eins„. Es ist Universitätsgebäude 1, auch wenn es in der Pfaffenbergstraße 95 steht und vom regulären Campus abgeschottet ist. Diese Abgeschottenheit bedingt auch, dass Bau Eins von den meisten anderen Studenten gar nicht im Alltag wahrgenommen wird.
Dieser Umstand verstärkt noch das Phänomen, dass die Studierenden von hier immer ein wenig als „komisch“ abgetan werden.

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Haus Eckstein – Außenraum – Das Büro und Architekturhaltung

Haus Eckstein Außenraum & Architekturhaltung
Das Haus Eckstein in Nürnberg wurde zuletzt von Architekturbüro Fritsch + Knodt & Klug umgebaut. Der Geschichte und dem Umbau des Hauses wird eine kleine Serie gewidmet, die in den nächsten Wochen auf Raumzeichner.de erscheinen wird. Neben der Architektur werden auch Städtebau und Geschichte analysiert und beschrieben.
Teil 1 – Haus Eckstein in Nürnberg
Teil 2 – Heutige Nutzung
Teil 3 – Die Gewandung 
Teil 4 – Der Innenraum 

Das Ellenbogengässchen

Außenraumbezug

Der fließende Übergang von Innen und Außen, das Strömen des Publikums und die Verbindung nach allen Seiten stehen ganz oben auf der Liste der gewünschten Eigenschaften des Hauses. Rathausplatz sowie Gehsteigbereich sollten aufgenommen und bis zum Ellenbogengässchen geführt werden – einmal quer durch das Gebäude. Das Ellenbogengässchen ist zwar leicht zu übersehen, da sich der Eingang mitten in der Fassade befindet, bildet aber eine Verbindung, die von den Nürnbergern gerne genutzt wird. Es schafft eine Abkürzung von der Burg im Norden zum Westteil der Stadt und ermöglicht es dem Fußgängerverkehr, dem Hauptmarkt im Süden aus dem Weg zu gehen. Der kleine Pfad, der aus der Vergangenheit1 wiedergeholt wurde, ist für den Nürnberger Fußgängerverkehr wie ein kleiner geheimer Weg um das touristisch erschlossene Nürnberg und um die Menschenmengen der Hauptstraßen, -märkte und -plätze herum.

Freiflächengestaltung

Fußgängerbewegung durch Ellenbogengässchen

Direkt im Nürnberger Stadtbild integriert, hat das Haus keinerlei Freiflächen nach Ost, Süd oder West hin. Es wächst aus dem Geweg heraus in die Höhe. Einziger Rücksprung ist der durch Stufen vom Straßenniveau abgehobene Eingangsbereich, der allerdings von einer breiten Stütze verdeckt wird, sodass er in der Kontur des Hauses kaum auffällt. Der nach Norden ausgerichtete Innenhof wurde zum Großteil vom neu errichteten Treppenhaustrakt eingenommen und so bildet das Gässchen die einzige Freifläche, die nun – dem Nutzungskonzept des Komplexes folgend – dem öffentlichen Fußgängerverkehr zur Verfügung stehen.

Das Architekturbüro

Das Büro Fritsch + Knodt & Klug ArchitektInnen, Untere Kreuzgasse 33, 90403 Nürnberg befindet sich am westlichen Rand der Nürnberger Altstadt im Bezirk Sebald, keine zehn Fußminuten von der Sebaldkirche entfernt. Direkt an der Pegnitz gelegen und beinahe in die Stadtmauer hineingebaut, bietet es einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt, die umliegenden Balkone und den Fluss. Das Architekturbüro hat sich auf die Restaurierung, die Sanierung und den Erhalt der mittelalterlichen Bauten in Nürnberg spezialisiert. 

Architekturhaltung

Bezeichnend für die Architekturhaltung des Büros ist folgendes Zitat von Alexandra Fritsch:

„Das Einpacken mit Styropor zerstört unsere Baudenkmäler. Ornamente und Fachwerk gehen oft verloren. Und damit verlieren unsere Städte ihre Identität.“

Blick aus dem Büro

Auch die Lage des Büros, verwachsen mit der alten Nürnberger Stadtmauer gibt Aufschluss über die Denkweise dieses Büros, denn durch Sensibilität im Umgang mit denkmalgeschütztem Bestand wird Neues geschaffen, das den heutigen Ansprüchen genügt. Nur durch ständige Nutzung kann ein Gebäude, auch ein denkmalgeschütztes, erhalten werden. Durch Kompromisse wie Umnutzung oder behutsame Veränderungen muss diese Nutzung umsetzbar werden, sodass der Bestand erhalten bleiben kann. Sorgsame Auseinandersetzung mit der Geschichte ist notwendig, um zu erkennen, wie weit bei den Neuerungen vorgedrungen werden darf und muss, damit bei größtmöglichem Erhalt die Gebrauchstauglichkeit bewahrt – oder in vielen Fällen erst geschaffen – wird.

 

 

Weitere Projekte

St. Lorenz & St. Sebald

St. Lorenz-Kirche Nürnberg

St. Lorenz und St. Sebald werden als „Zwillinge(Bauer, Hirschmann und Stolz: 500 Jahre Hallenchor St. Lorenz“, S. 11) bezeichnet. Die beiden Töchter der Stadt Nürnberg, denen man gleichermaßen eine große Mitgift leisten konnte. St. Sebald ist die ältere von beiden und beherrscht den nördlichen Teil der Nürnberger Altstadt. St. Lorenz thront über der südlichen Hälfte der Stadt. Die Ähnlichkeit, die sie wie Zwillinge anmuten ließ, liegt nicht nur in der ähnlichen Größe und Form sondern auch daran, dass sie beide aus dem gleichen Material gebaut wurden – dem Nürnberger Burgsandstein. Die Ähnlichkeit in den Proportionen kommt daher, dass damals bei beiden der „Nürnberger Werkschuh“ (12 Werkzoll = 1 Nürnberger Werkschuh = 27,85 cm) als das „rechte Maß“ verwendet wurde. In der Geschichte der Kirchen gab es einen ständigen Wettstreit zwischen ihnen. Sebald brachte lange Zeit durch das Grab des Hl. Sebaldus mehr Geld ein und konnte sich dadurch mehr leisten. Das Inventar war besser gepflegt und Reparaturen konnten sofort ausgeführt werden.

St. Sebald Kirche Nürnberg

Sebald war immer die „größere“ Schwester, die immer alles zuerst hatte und auf die man blicken konnte. Lorenz war unscheinbarer und stand immer hinter Sebald. Da St. Sebald etwas älter ist als St. Lorenz hatten es die Lorenzer Baumeister in einigen Dingen leichter als die Sebalder. An St. Sebald wurde vieles erstmalig gemacht und so wusste man dann bei Lorenz, wie es ging und konnte Fehler vermeiden. Die Arbeiten gingen schneller voran, weil nicht so viel getüftelt werden musste.

Durch die beiden Kirchen ist Nürnberg in zwei Hälften geteilt. Es gibt die nördliche, Sebalder Altstadt und die südliche, die Lorenzer. Beide Teile sind durch den Fluß, der durch Nürnberg fließt, voneinander getrennt. Die Pegnitz wird von vielen prächtigen Brücken überspannt und wird von dem fast täglich stattfindenden „Markt“ eingerahmt.

Das Büro Fritsch + Knodt & Klug mit Dombaumeisterin Alexandra Fritsch beschäftigt sich mit der Geschichte der Kirchen, katalogisiert und digitalisiert alte Originalpläne, sowie Glasplattenfotos und Bauberichte im Zusammenwirken mit den historischen Stadtarchiven LoAN4 und SeAN5 um die Restaurierung und Erhaltung der beiden Schwesterkirchen auszuführen.

Kindertagesstätte Pirckheimerstraße

Fritz-Kelber-Haus , Pirckheimerstraße

Die alte, marode Stadtvilla in der Pirckheimerstraße wurde vom Architekturbüro in eine Kindertagesstätte für mehrere Kindergruppen umgebaut und dabei umfangreich saniert. Außen konnte der alte Charme erhalten bleiben, sodass das Haus nach wie vor verputzt ist und die Bossen die Gebäudekanten markieren. Zwischen Erd- und erstem Obergeschoss markiert ein Gesims die ungefähre Höhe der Zwischendecke und gibt der Fassade eine horizontale Teilung. In der Fassade wechseln sich die Fensterformen ab, sodass es Fenster mit geraden Sturz gibt, aber auch Fenster mit Rundbogen. Alle Fenster und Türen sind mit Faschen versehen und die Glasflächen sind mit Sprossen unterteilt. Das Dach ist in mehrere Flächen gegliedert und kleine Gauben erheben sich daraus um mehr Nutzfläche im Dachgeschoss zu schaffen. Der Eingang des Hauses befindet sich nicht an der Straßenseite sondern im Schutze des Hauses, was der Nutzung des Hauses als Kindertagesstätte zugute kommt.

Studentenwohnheim Pfeifergasse

Studentenwohnheim, Pfeifergasse 7

Die Wiederbelebung eines vergessenen Viertels. Die baulichen Verhältnisse blieben nach der Zeit des Wiederaufbaus der Stadt miserabel. Bei Fundamentfreilegungen traten Tierknochen und Keramikscherben zum Vorschein, so daß eine archäologische Untersuchung der Unteren Denkmalschutzbehörde durchgeführt wurde. Der Kontakt mit dem Studentenwerk ließ die Idee einer studentischen Nutzung mit Kleinwohnungen und Ateliers entstehen. Im Vordergebäude gibt es 4 Wohnungen, ein kombiniertes Wohnatelier, ein Atelier und Gemeinschaftsräume. Im historischen Rückgebäude und dem südlichen Neubau befinden sich 2 Wohnungen und ein Atelier. Erd- und 1.Obergeschoß sind geprägt von mittelalterlicher Raumgestaltung mit Bohlenwänden, Bohlenbalkendecken und sichtbarem Fachwerk. Die Raumzuschnitte sind nach den überlieferten Grundrisskonzepten nicht üppig, scheinen aber durch Öffnungen groß, weit und bieten die möglichst viel Helligkeit. Im 2.Obergeschoß und im Dach entstanden Maisonettewohnungen. Im Wohnzimmer mit Galerie ist der gotische Dachstuhl sichtbar.

Der Innenraum – Material, Konstruktion und Licht

Das Haus Eckstein in Nürnberg wurde zuletzt von Architekturbüro Fritsch + Knodt & Klug umgebaut. Der Geschichte und dem Umbau des Hauses wird eine kleine Serie gewidmet, die in den nächsten Wochen auf Raumzeichner.de erscheinen wird. Neben der Architektur werden auch Städtebau und Geschichte analysiert und beschrieben.
Teil 1 – Haus Eckstein in Nürnberg
Teil 2 – Heutige Nutzung
Teil 3 – Die Gewandung

Material und Farbe

Neben dem für Nürnberg typischen sichtbaren Sandstein wurde für die Fassaden des Hauses ebenfalls auch Putz benutzt, der in verschiedenen Tönen eingefärbt wurde. So ist die Fassade des Ost-Hauses in einem Rotton eingefärbt und das West-Haus in Grau. Der Ocker-Ton wurde für das angrenzende, den Innenhof nach Norden abschließenden Gebäuderiegel verwendet, sodass im Innenhof alle drei Farben und die Glasfassade der Treppenhaushalle zusammenkommen und ein farbenfrohes Ensemble bilden.

Für die verschiedenen Fenster wurden Holzrahmen verwendet, die dem historischen Charme des Gebäudes nahe kommen sollen und die Tradition des Fensterbaus hochhalten. Gestrichen wurden die Fenster in seidenmattem Perlenzian und bilden damit den kühlen Gegenpol zu den überwiegend warmtönig gehaltenen Fassadenflächen. Als untraditionelle Details sind die Eingangstüren nicht mehr aus Holz gearbeitet sondern nun ein- oder zweiflügelige Metallrahmentüren mit Glasscheibe und umlaufender Festverglasung2. Die Rahmen der Scheiben sind in dunklem Grau gehalten während die Scharniere, Türklinke, Griffe und Schlösser silbern glänzen. Die Tür in der Innenhoffassade wurde als zweiflügelige, automatische Schiebetür aus Glas ohne Festverglasung konzipiert.

Innenraum

Beleuchtung

Blichtung im Längsschnitt und Treppenhaus-Grundriss

Die Beleuchtung des Eckstein erfolgt über eine Unzahl verschiedenster Lampen. Allein in der Treppenhaushalle gibt es fünf Ausführungen. Die meisten Lampen sind mit Energiesparleuchtmitteln ausgestattet. Flache Lampen sind vor allem an den Decken vom Eingangsbereich, den Treppenhäusern und dem Dachgeschoss angebracht. Die gleichen Lampen wurden im obersten Geschoss der Treppenhaushalle an den Wänden zwischen den Fenstern und Türen montiert.

Die Kegellampen sowie die Leuchtstoffröhren befinden sich vor allem in den Fluren zu den Büros. Ebenfalls in den Toiletten und in den Putzkammern befinden sich die Kegelleuchten, von denen immer eine permanent brennt und die anderen über Lichtschalter oder Bewegungsmelder zugeschaltet werden. In den Küchen sowie den Meditationsbereichen, im Foyer, im Eingangsbereich und auf den Ebenen 0 und -1 befinden sich Halogenstrahler, die punktuelle Lichtakzente setzen, in der Gesamtbeleuchtung aber einen eher unterordneten Rang haben. Die Blumenwand der Treppenhaushalle bestrahlen ab 20 Uhr abends Quecksilberdampflampen.

Belichtung

Dem natürlichen Sonnenlicht wurde im Haus der Kirche eine wichtige Rolle zugeschrieben. Als Begegnungsraum galt es eine gute, freundliche, einladende, positive Athmosphäre zu schaffen. Die Belichtung erfolgt in den drei Hauptgebäuden über die zumeist zweiflügeligen Fenster in den nach Ost, Süd und West ausgerichteten Fassaden. An den Nordfassaden gibt es keine Fenster, dafür ist die mittig angeordnete Treppenhaushalle nach Norden vollständig verglast und lässt so die größtmögliche Menge an Licht vom engen Innenhof ins Eckstein. Durch den recht geringen Abstand zu den gegenüberliegenden Gebäuden ist die Belichtung von den Straßenseiten gerade an der Westseite problematisch. Die große Menge an Fenstern ermöglicht aber eine gute Lichtausbeute, da jedes Büro über mehrere Fenster verfügt. Die Fensterflächen überwiegen in der Gesamtfläche der Fassaden, sodass bis auf den inneren Sanitärkern jeder Raum über Tageslicht verfügt.

Das Glasdach belichtet die gesamte oberste Ebene und sorgt dafür, dass durch das Auge der Gallerien Tageslicht bis in die Kelleretage des Hauses fällt. Zudem sind einige Flächen des Glasdaches mechanisch zu öffnen und dienen bei gutem Wetter der natürlichen Belüftung und einem guten Raumklima.

Durch die große verglaste Treppenhaushalle verfügen auch die nach innen gerichteten Büros und Seminarräume über Tageslicht, auch wenn sie keine Fenster zu den Straßen hin haben. Außerdem wurden alle zur Halle ausgerichteten Türen in Räume ohne Fenster als Glastüren ausgeführt. In die zur Treppenhaushalle gehenden Wände sind neben den Flurtüren auch Fenster im gleichen Stil wie die der Außenfassade eingelassen.

Im Längsschnitt wird deutlich, wie das Licht schräg in die Büros fällt und wie das Licht durch das Glasdach weit bis ins Gebäudeinnere eindringt. Da die Treppen schwebend und ohne Setzstufen konstruiert sind, wirken sie leicht und durchlässig und behindern das einströmende Licht so wenig wie möglich.

Die Halle spielt bei der Belichtung des ganzen Komplexes die größte Rolle und dient sogesehen als einziges großes Fenster mit darin schwebenden Ebenen, die dem Lichteinfall so wenig wie möglich im Weg stehen sollen. Ziel war es, einen großen, lichtdurchfluteten und möglichst schattenfreien Raum zu schaffen. Die einzigen unbelichteten Bereiche sind die Räume für die Technik und die Sanitäreinrichtung der Gastronomie, die sich im Keller des Hauses befinden und keinen großen Publikumsverkehr aufweisen und auch keine Auflagen für Arbeitsbedingungen erfüllen müssen. Der Querschnitt zeigt den Lichteinfall von den Straßenseiten und die indirekte Belichtung der innenliegenden Räume über die Treppenhaushalle (mitte).

Material im Innenraum

Im EG sowie im UG wurden für die massiven Treppen für Setz- und Trittstufen ein Belag von 3cm dicken, schwarzen Granit verwendet. Für die Fußböden in den Durchgangs- und Bewegungszonen wurden insgesamt rund 750m2 unglasierte, schwarze Fliesen im Maß von 1515cm verlegt. Verteilt in den Seminar- und Gruppenräumen wurden 170m2 6mm starkes Korkparkett verlegt. Für das Parkett wurde naturharzgebundener, unbehandelter, geschliffener Naturhartpresskork in Plattenmaßen von 3030cm verwendet, das eine gewissen Grundfußwärme sichert, worauf gerade in den Bereichen des Meditationsraumes sowie in den Räumen für die Kindergruppen großer Wert gelegt wurde. In den anderen Räumen wurde als Bodenbelag Stabparkett eingesetzt. Aufgrund der hohen Belastung, die ein Boden durch Stuhlrollen erfährt, wurde für die BüroraÅNume strapazierfähiges Linoleum gewählt.

Gallerie in der Treppenhaushalle, Lichtsituation | Fensterfassade von Innen

In den WC-Räumen wurden schlichte, weiße 15*15cm Wandfliesen auf Dünnbettmörtel angebracht, die leicht zu säubern sind und die innenliegenden kleinen Räumlichkeiten nicht verdunkeln.

Die innenliegenden Fensterbänke sind aus Betonwerksteinen gefertigt. Sichtbarer Beton findet sich auch an den Untersichten der Gallierien in der Treppenhaushalle. Die Abdrücke der Schalung wurden sichtbar gelassen und der Beton weiß gestrichen. Die Schalungsstruktur ist aber nur im Bereich der Treppenhaushalle zu finden, in den Fluren und den anderen Treppenhäusern ist die Decke glatt gearbeitet und ebenfalls weiß gestrichen bzw mit einer Akkustikdecke abgehängt. Die frei schwebenden Treppen sowie die Handläufe an Treppe und Gallerie wurden aus hellem Buchenholz gefertigt und bilden einen farblichen und warmen Kontrast zu den schwarzen Böden, der rohen Decke und dem kühlen Metall der Nordfassade.

Möblierung und Ausstattung

Möblierung des Begegnungsraumes

Die mit Beamer und Bestuhlung ausgestatteten Seminarsäle und -räume wurden mit einer Akkustikdecke versehen. Die Bestuhlung ist schlicht, robust und stapelbar ausgewählt, die Teeküchen im ganzen Haus wurden als Theken ausgeführt, sodass sie offen sind und dem Konzeptpunkt der Kommunikation entsprechen. Sie laden zum Aufenthalt ein, sind im gleichen Holz gebaut wie die Bürotüren und klein und übersichtlich gehalten. Sie verfügen über Mikrowellen, Herde, KühlschraÅNnke und Spülmaschinen und wurden von den Mitarbeitern zusätzlich mit Kaffeemaschinen und Wasserkochern ausgerüstet, sodass eine Mittagspause im Büroalltag sowie auch Verköstigung bei Veranstaltungen kein Problem darstellen. Die in der Treppenhaushalle strategisch verteilten Sitzgruppen sind ebenso schlicht und zweckmäßig ausgewählt. Die Stühle haben Metallrahmen und farbige, dünne Polster. Die Rückenlehne besteht aus gelochtem Buchenholz und nehmen damit die Farbigkeit der Treppengeländer und der Treppenstufen auf.

Es gibt Ausführungen mit und ohne Armlehnen, die wiederum aus Buche bestehen und gebogenen Varianten des Treppen- Handlaufs entsprechen.

Konstruktion

Die Bestandshäuser1 wurden nach dem Krieg kostengünstig und zeiteffektiv aus Stahlbeton in die Höhe gezogen2. Da es im Herzen der Altstadt liegt war die Druckerei Tümmels gezwungen sich dem Aussehen4 des Vorkriegszustandes anzunähern.

Ein Bau aus Nürnberger Sandstein kam allerdings nicht in Frage, sodass die Gebäude Stahlbetonmassivbauten sowie Stahlbetonskelettbauten sind. Der Neu-Anbau des Treppenhauses ist eine Konstruktion aus Stahlbeton, Stahl und Glas. Die Gallerie-Ebenen sind aus Stahlbeton gefertigt und wurden in den Bestandshäusern verankert. Das Dach sowie die Fassade sind eine Stahl-Glaskonstruktion, die keine tragenden Wirkungen hat.

Habt ihr schon mal ein Gebäude so unter die Lupe gekommen?

Die Gewandung

2014-11-07 Eckstein
Das Haus Eckstein in Nürnberg wurde zuletzt von Architekturbüro Fritsch + Knodt & Klug umgebaut. Der Geschichte und dem Umbau des Hauses wird eine kleine Serie gewidmet, die in den nächsten Wochen auf Raumzeichner.de erscheinen wird. Neben der Architektur werden auch Städtebau und Geschichte analysiert und beschrieben.

Teil 1 – Haus Eckstein in Nürnberg
Teil 2 – Heutige Nutzung
Teil 3 – Die Gewandung 

Madonna

Fassadengestaltung der Burgstraße

Madonna

Nach dem Vorbild der reich geschmückten Nürnberger Kirchen mit ihren auf Konsolen unter Baldachinen gestellten Figuren wurden in Nürnberg an vielen Gebäuden die Hausheiligen aufgestellt. Diese befinden sich überwiegend an den Hausecken in Höhe des ersten Obergeschosses und blicken vorwiegend wachend auf die Straße hinab. Gerade als mit der Zeit die Frömmigkeit der Bürger nachließ und einige Statuen von den Kirchen verschwanden wurden die Hausheiligen immer wichtiger für die Gläubigen, wenn sich ein solcher fürs eigene Haus geleistet werden konnte. Die Eckstatuen an den Häusern dienten als Statussymbole der Hauseigentümer und natürlich als Bekenntnis der Frömmigkeit der Bewohner, genau wie die Chörlein.

Eine Notiz vom 10.11.1952 über die Madonnenstatue besagt:

Fassadenansicht Halbwachsengässchen

Herr Dr. Nagel gibt bekannt, dass die Originalfigur vom Anwesen Burgstr. 1 vom Hausbesitzer im Jahr 1886 an das Germ. Museum verkauft wurde. Die Reste vom Sockel und Baldachin sind damals auch weggekommen. Die Figur hatte damals schon weder Arme noch Flügel. Für die Nachbildung (im Fembohaus[ Haus an der Burgstraße aufwärts Richtung Burg, welches in die Straße hineinragt. Benannt nach einem der späteren Besitzer mit Nachnamen Fembo, inzwischen als Museumshaus bekannt.) soll nun auch Sockel und Baldachin neu hergestellt werden.“

Chörlein

Als Chörlein werden die Auskragungen im ersten Obergeschoss eines Hauses bezeichnet. Chörlein sind typisch für das Nürnberger Stadtbild. Früher hieß der Chor auch Ausladung, Erkerlein oder Studitorium. In anderen Städten werden diese Anbauten Erker genannt, in Nürnberg ist der Begriff „Chor“ allerdings seit 1598 schriftlich belegt.

Es gibt verschiedene Ausführungen dieser Anbauten. Manche sind aus Holz und wirken wie ans Haus angeklebte Schränke oder schlichten Kästen, andere sind aus Stein und durch ihre detaillierte und filligrane Ornamentierung der prächtigste Bestandteil eines städtischen Hauses. Viele dieser Chörlein weisen einen Bogengiebel vor.

Südfassade

Südchörlein

Chörlein an Nachbarhaus in der Burgstraße

Sitz des Chörleins in der Fassade

 

Der Name Chor rührt daher, dass in den Auskragungen für die Familien kleine Andachten gehalten wurden. Da die meisten Nürnberger Chörlein keinen sakralen Ursprung mehr hatten sondern reine Zierbauten waren, wurden sie ganz normal in den Familienalltag integriert und dafür benutzt um zu sehen, wer an der Tür steht oder was auf der Strasse passiert.

Über 450 Chörlein schmückten vor dem zweiten Weltkrieg die Fassaden der Stadt, durch die Bombenangriffe wurden 350 von ihnen zerstört. Dank der Nürnberger Altstadtfreunde e.V. zählt Nürnberg wieder 17 restaurierte oder neu aufgehängte Chörlein mehr. Am großen Sandsteinchor an der Südfassade sind Reliefs und Inschriften plaziert. Im mittleren Brüstungsabschnitt befindet sich ein Relief mit drei Männern die dem Druckereihandwerk nachgehen und das ganz offensichtlich auf den Wiederaufbau durch Tümmel zurückzuführen ist. Darunter befindet sich die Inschriff „Gott gruess die Kunst“. Das untere Brüstungsrelief ziert ein in Ornamente gebettetes Medallion in dem die Justizia mit Schwert, Augenbinde und Waage abgebildet ist. Der Chor des Eckstein sitzt ausserhalb der Symmetrie der Fassade am Ende des ersten Wanddrittels1. Er beginnt traditionell über dem ersten Geschoss, erstreckt sich dann allerdings über erstes und zweites Obergeschoss.

Fassadenanalyse

Das Haus der Kirche zeigt sich als 6-geschossiger Bau mit 7 Strassenfassaden und einer Hoffassade. Die Südseite als Hauptfassade präsentiert sich mit vier Fensterreihen und einer Gaubenreihe. Der Spitzboden ist von Süden nicht belichtet. Es gibt drei horizontale Bereiche. Der unterste bildet das Sockelgeschoss mit großen Fenstern und einem eigenen Raster. Darüber erstreckt sich ein mittlerer Teil mit einem homogenen Fensterraster und darüber wiederum das Gaubengeschoss. Als verbindendes Element findet sich das Format des Fensters auch im Sockelgeschoss wieder, da die Höhe der oberen Fenster als Ausgangspunkt dient und die Festverglasung als Rahmen um das Format herum gelegt wurde.

Ostfassade Teil 3

Ostfassade Teil 1 und 2

Südfassade

Die Westfassade teilt sich in 4 Fassadenbereiche. Die beiden mittleren sind traufständig, wie es die Nürnberger Bauvorschriften vorsehen, die südliche ist Giebelständig und die nördlichste besteht aus einem gläsernen, schwebenden Rechteck. Die Giebelfassade ist symmetrisch aufgebaut und horizontal wieder in drei Bereiche gegliedert. Das Sockelgeschoss mit den großen Glasflächen besitzt die Eingänge. Die Fenster sind symmetrisch und gleichmäßig gerastert. Im Giebeldreieck finden sich dann zwei weitere Fensterformate. In der zweiten Fassade findet sich ein einheitlicheres Raster. Die zwei Fenster rechts und links messen zwei mal die Breite der Zwischenräume. Der mittlere Zwischenraum hat die Breite eines Fensters. Die Tür sitzt genau unter der linken Fensterachse und misst die Breite von zwei Fenstern und einem Zwischenraum. Die Erdgeschossfenster haben das gleiche Format der anderen Fenster, sind allerdings ohne Zwischenraum nebeneinander gesetzt.

Die dritte Ostfassade ist auch in Sockelgeschoss, Obergeschosse und Dachbereich aufgeteilt und weist ein neues Fensterformat auf, das sich wieder zu einem Raster zusammensetzen lässt. Die Formate lassen sich auseinander ableiten. Wenn das unterste südlichste Fenster der Maßstab (a) ist, dann ergeben sich daraus die anderen Fenster mit exakt 1,4a. Die Breite der Hauptfenster entspricht genau dem Doppelten der kleineren Seitenfenster (c). Bis auf den Sprung zwischen EG und den oberen Geschossen gibt es in der Brüstungshöhe keine Abweichungen vom Maß (d). Das langgezogene Erdgeschossfenster hat genau die halbe Höhe des Fenstermaßes (a).

Durchgang Eckstein / Ellembogengässchen / Ostfassade

Innenhoffassade

Die nördlichste Fassade, die den Durchgang zum Ellenbogengässchen bildet, hat ein klares Raster aus 4 Elementen, einem oberen Abschluss und ist symmetrisch aufgebaut. Die Spaltenbreite (a) bildet ein wiederkehrendes Modul in der horizontalen Aufteilung der Fassade, indem sie -als Quadrat- den Geschosswechsel in der Fassade anzeigt. Jeweils darüber beschreibt ein zweites Maß (b) die Höhe der Brüstung und dazwischen das dritte Maß (c) die Höhe der Fenster. Der oberste Bereich (e) ist nicht verglast und bildet den oberen Abschluss des gläsernen Riegels indem er das Dach bildet.

Der Innenhoffassade wurde in der Rasterung ebenfalls eine Symmetrie zugrunde gelegt, der sich allerdings links noch ein kleiner Teil anfügt, der die Verbindung zum Ostflügel bildet. Vertikal ist die Fassade in den vorspringenden unteren Abschnitt (g) und den zurückgesetzten oberen Abschnitt (h) geteilt. Außerhalb der Symmetrie befindet sich die Eingangstür fast mittig in der rechten Fassadenseite.

 

Der untere Abschnitt teilt sich horizontal in zwei gleich dimensionierte Flächen, der obere Abschnitt mit dem Giebel weist verschiedene Größen auf. Oben und unten sind die Glasflächen in ihrer maximalen Höhe gleich, der mittlere Fensterstreifen ist etwas schmaler. Zwischen oberem und mittlerem Streifen gibt es eine Trennung aus gleichgroßen kleineren Glasflächen. Der Streifen direkt über dem vorspringenden Teil fällt schmaler aus. Die Westfassade teilt sich in zwei Bereiche, die jeweils in Sockelgeschoss, Obergeschosse und Dach einteilen lassen. Der Linke weist ein Fensterraster auf, das sich aus dem Element des Fensters bilden lässt. Ist das Fenster mit Flügeln und Festverglasung Element 1, ist die Brüstung genau 3/4 des Fensters hoch und die Breite des Mauerpfeilers zwischen den Fenstern misst genau 1/4 davon. Die rechte Fassade ist symmetrisch gespiegelt, wobei die Fenster die gleiche Größe wie die der linken Seite haben. Die Festverglasung wurde allerdings weggelassen. Der horizontale Abstand zwischen den Fenstern misst hier 1 1/4 der Breite. Die Position der EG-Öffnungen resultiert aus den Achsen der OG-Fenster. In der Mitte befindet sich die Tür mit einseitiger Festverglasung, die großen Fenster sind ähnlich denen der Südfassade. An der abgeschrägten rechten Fassadenecke hängt ein nach unten spitz zulaufender Körper aus mehreren horizontalen Scheiben und Hohlkehlen am unteren Abschluss der Obergeschosse.

Weitere Details

Holzfenster in Westfassade

Detail_Aussenlampe

Detail Erker

Die Hauslampe an der Westwand des Eckstein wurde in Anlehnung an die historischen Straßenlampen in Nürnberg gefertigt. Ähnliche Ausführungen finden sich an den umliegenden alten und restaurierten Häusern der Nürnberger Altstadt und tragen zu einem einheitlichen Erscheinungsbild von Strassenzügen bei, auch wenn die einzelnen Exemplare oft Abweichungen haben und es dadurch zunächst scheint, als gäbe es kein zweites Exemplar dieser einen Lampe. Im Falle des Eckstein allerdings findet sich der Zwilling nicht weit entfernt an einem Haus im Halbwachsengässchen.

Ein Stein mit der Jahreszahl 1953 wurde in die Ostfassade nahe der Madonna in Höhe des Straßenschildes in die Wand eingelassen. 1953 ist das Jahr des Wiederaufbaues nach dem Krieg, als mithilfe des Architekten Huthöfer aus den wenigen erhaltenen Mauern wieder die Buchdruckerei Tümmels entstand. Am großen Sandsteinchor an der Südfassade sind Reliefs und Inschriften plaziert. Im mittleren Brüstungsabschnitt befindet sich ein Relief mit drei Männern die dem Druckereihandwerk nachgehen und das ganz offensichtlich auf den Wiederaufbau durch Tümmel zurückzuführen ist. Darunter befindet sich die Inschriff „Gott gruess die Kunst“. Das untere Brüstungsrelief ziert ein in Ornamente gebettetes Medallion in dem die Justizia mit Schwert, Augenbinde und Waage abgebildet ist.

Was ein lateinisches Kreuz mit einem kleinen Haus in Rom zu tun hat.

Il Gesu Giacomo Vignola

Wie lange baut man an einer kleinen, römischen Kirche und wie verbindet man einen Langbau mit einem Zentralbau? Was hat ein lateinisches Kreuz mit einem Haus zu tun und wie verändert sich ein Stil in der Architektur? – Hier und da werden ab und an kleine und große Bauwerke von Interesse hier vorgestellt. Heute, Il Gesù in Rom.

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Heutige Nutzung des Hauses Eckstein

[su_note note_color=“#e0e0e0″]Das Haus Eckstein in Nürnberg wurde zuletzt von Architekturbüro Fritsch + Knodt & Klug umgebaut. Der Geschichte und dem Umbau des Hauses wird eine kleine Serie gewidmet, die in den nächsten Wochen auf Raumzeichner.de erscheinen wird. Neben der Architektur werden auch Städtebau und Geschichte analysiert und beschrieben.
Teil 1 – Haus Eckstein in Nürnberg[/su_note]
 
Heute wird ein Teil des Gebäudekomplexes des Hauses Eckstein vom Café „Zeitlos“ für seine Räumlichkeiten genutzt.
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Dieses befindet sich im südlichen Bereich des Hauses im Erdgeschoss. Das eigentliche Hausder Kirche, zu finden unter dem Namen „Eckstein“, erstreckt sich mit seinen Sälen, Büros sowie Groß- und Gruppenräumen über den restlichen Gebäudekomplex. Auf den ersten Blick wirkt das Haus von Innen kahl, kühl und ungastlich. Die Einrichtung ist funktional schlicht gehalten, denn der Publikumsverkehr macht es notwendig, dass die Räumlichkeiten leicht und schnell zu reinigen sind. Dunkle Steinböden stehen im Kontrast zu den einfachen, weißen Wänden und den Türen aus hellem Holz. Die Treppen sind aus Stahl gefertigt und mit Holzstufen versehen. Das Gemeindehaus wartet mit vielen Veranstaltungen auf. Das Programm reicht von Pilates und Yoga über Hilfe für Alleinerziehende bis hin zu spirituellen Meditationen.

Entwurfsskizzen der Architekten

Institutionen im Haus sind die Evangelische Fachstelle Al- leinerziehende, die evangelische Stadtakademie Nürnberg, das Forum Erwachsenenbildung/ ev. Bildungswerk e.v., das Nürnberger Evangelisches Forum für den Frieden und die Evangelische Jugend Nürnberg.

Haus Eckstein in Nürnberg

Café Zeitlos im Eckstein

Genau wie das gesamte Gebäude sind auch die Räume des Café Zeitlos‘ verwinkelt, was nicht in geringem Maße dazu beiträgt, dass der Gastraum eine gewisse Intimität hat und der Besucher sich behütet und geborgen fühlt. Kleine Gästegruppen können sich in eine der Nischen, die durch die Lage des Kamins entstehen, zurückziehen.

Auffällig sind die offen liegenden Lüftungsrohre, die sich wie Fremdkörper silbern glänzend von der seidenmatt dunkel- blau gestrichenen Decke abheben. Auch der Weg zu den Sanitäreinrichtungen, der durch eine in Wandoptik bemalten orangenen Tür von den kühlen Fluren des Eckstein abgetrennt ist, beschreibt einen radikalen Stilbruch. Durch ein massives Gitter sind die weiteren Flure des Eckstein abgetrennt, doch der Blick in die Treppenkonstruktion ist frei bevor die schwarz glänzenden Treppen in den Keller zu den Gästetoiletten führen.

Das Gebäude

Konzept und Vision

ZurKonzeptfindungwurdenBeteiligtevomArchitektenbiszum Nutzer in einem offenen Verfahren einbezogen. Gleichzeitig wurde die bauliche Umsetzung von den Architekten erarbeitet. Das Haus der Kirche sollte einladend gastlich und Raum für spirituelle Tiefe sein, es sollte das geistliche Leben aufnehmen und Gespräche fördern.
Unter einem Dach vereinigt werden sollten das Gemeindehaus St. Sebald, die evangelische Jugendarbeit, die Gremien und Informations- sowie Hilfsdienste, die allesamt dennoch eigen- ständig zu bleiben hatten.
Für das direkte Signal der Gastlichkeit sollten Infothek als auch Restaurant dienen.
Aus einem introvertierten Produktionsbetrieb galt es ein sich nach aussen öffnendes, einladendes Haus zu machen. Außer- dem sollte es ganz ohne Schwierigkeiten für jeden zu betreten sein, so war die Prämisse. Durch Offenheit und viel Licht sollte Angst und Beklemmung entgegengewirkt werden und durch gesicherte Barrierefreiheit ist der Zugang jedem möglich.

Das Haus der Kirche durfte nicht in Konkurrenz zu den großen Baudenkmälern in seiner nächsten Umgebung treten und sollte dennoch ein architektonisches Zeichen setzen. Die Möglichkeit, Bindeglied zwischen den verschiedendsten konzeptionellen und räumlichen Vorstellungen seiner Nutzer zu sein, deren Anspruch es war, eine eigene Identität in dieser Einrichtung zu bekommen, blieb erhalten.
Schnell entstand die Vision eines Hauses, das den Außenraum, die Straße, den Platz, einbezieht und innen wie außen durchläs- sig ist und dadurch alle Nutzungsebenen miteinander verwebt. Luft,Licht,Wasser,Pflanzen,FarbeundMaterialsolltenLeben spürbar machen, Positives ausstrahlen und Raum zur Ent- wicklung und Veränderung geben. Einblick und Ausblick sind gleichermaßen gegeben.

Umsetzung

Nachdem die dominante Ecksituation des Hauses am Rat- hausplatz lange diskutiert wurde und man schon probierte, das turmartige Eckgebäude von einst wieder herzustellen, ließ man diese Überlegung letzendlich aus mehreren Gründen fallen.
Buchstäblich ins Gegenteil verkehrt wurde diese Idee, indem die Hausecke im Erdgeschoss nun zurückgezogen wurde um so eine offene Arkade zu schaffen, über die die Empfänge der beiden Institutionen des Hauses erreichbar sind. Über die Ecke erreicht man den Gastronomiebereich sowie die Informationstheke des Eckstein.
Als Lebensader des gesamten Gebäudes entstand die zwischen
die Hauptbaukörper eingefügte glasüberdeckte Treppenhalle.
Durch- und Einblick in alle Nutzungsebenen ist über EmpHoalrbewanc,hsengässchen Brücken und Freitreppen gegeben. Sie führt durch das Gebäude
bis zum wieder auferstandenen Ellenbogengässchen, das einen
eigenen Eingang zum Haus der Kirche bekam.
Raumklima und Raumakustik werden durch die die östliche HallenwandgestaltendeBepflanzungpositivbeeinflusst.Diese hängendenPflanzgefäßewerdendurcheinDachwasserreser-
voir versorgt, das durch die Dachbegrünung von Schadstoffen befreitundsogefiltertdemWachstumskreislaufwiederzuge-
führt wird.
Über sich immer wieder aufweitende Erschließungsbereiche werden die unterschiedlichen Raumstrukturen zugänglich gemacht.
Es gibt Säle, Seminarräume, eine Bibliothek, ein mobiles Café der Behindertenarbeit, Gemeinderäume und Büroräume. Sie bieten durch ihre verschiedenen, verschachtelten Flächen Ni- schen und Plätze für Teeküchen und Sitzbereiche für Mitarbeiter und Raum für Informationsaustausch in Form von Stellwänden undRepräsentationsflächen.
Durch die Lebensader des Hauses wird der Blickbezug nach außen zur Nürnberger Burg, St. Sebald, dem Rathaus und zum Straßenraum hergestellt.
In Anlehnung an die bisherige Nutzung des Gebäudes der Druckerei Tümmels wurde das Konzept des industriellen Zweck- baus in differenzierter Weise in Material- und Farbwahl sowie inderBehandlungderOberflächenaufgenommen.
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Umbau und Neubau

Im Rahmen der neuesten Umbaumaßnahmen wurde unter Anderem der vorhandene Stahlskelettbau der alten Druckerei der den Ostteil des Gebäudekomplexes1 bildet, entkernt und durch die Treppenhaushalle erweitert.
Diese ist eine Konstruktion aus Stahlbeton und Glas.
Bauteil 1 besteht aus einem Untergeschoss, 4 Normalgeschos- sen und 2 Dachgeschossen. Der Dachstuhl ist eine Konstruktion vorwiegend aus Stahl und Holz.
Im Zuge der Umbauten wurde ein weiterer Neubau direkt an Bauteil 1 angeschlossen. Das sogenannte Bauteil 2 ist ein Stahlbetonmassivbau mit einem Untergeschoss, 5 Normal- geschossen und einem Dachgeschoss. Der Dachstuhl ist vollständig aus Holz konstruiert. AufgrundderVergrößerungderDachgeschossnutzflächemuss- ten in den Bestandsgebäuden die vorherigen Kehlbalkendach- konstruktionen abgebrochen werden. Sie wurden einheitlich durch Pfettendachkonstruktionen ersetzt.
Durch die geänderte Nutzung und bereichsweise Erweiterung mussten die vorhandenen Träger teilweise zusätzlich unter- stützt werden.

Baukörper und Volumen

Baukörper und Volumen

Den alten Feuerschutzbestimmungen folgend stehen die Dä- cher der drei Bestandsgebäudeschenkel traufseitig zu Straßen undInnenhof.DemwidersprechendbefindetsicheinSatteldach als verbindendes Stück über dem alten Innenhof , sodass es zum neuen, kleinen Innenhof giebelständig ist.

Funktion und Nutzung

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ImErdgeschossbefindensichdieoffenenundfreizugänglichen Räume wie das Foyer und wenige kleine Büros und die Räum- lichkeiten des Café Zeitlos im Südteil.
In den Räumen Richtung Süd und Ost in den oberen Geschos- sen befinden sich hauptsächlich die im Haus angesiedelten Büros während die öffentlichen Räume und Säle den westlichen Gebäudetrakt sowie den kleinen Glaserker und große Teile der Dachgeschossräume belegen.
Die Sanitärbereiche ziehen sich wie ein Kern senkrecht durch das Haus in der Mitte nahe des Aufzuges. Die Toiletten im Keller gehören zum Café Zeitlos und sind vom restlichen Eckstein abgetrennt.

Erschließung

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Die Zugänge vom Straßemraum zum Haus befinden sich in allen vier Himmelsrichtungen. Der Südliche Zugang ist der Haupteinang zum Café Zeitlos, der über eine breite Stahltreppe wenige Stufen hinauf in die Gastronomie führt. Im SüdOsten ist die eingezogene Erdgeschossecke der Eingangsbereich für den Nebeneingang des Zeitlos und den Haupteingang zur Infotheke des Eckstein. Gleich daneben an der Ostfassade befindetsichderrollstuhlgerechteEingangmitkleinerRampe, ebenfalls zur Infotheke und direkt zum Fahrstuhl des Hauses. Ein weiterer Eingang liegt im Ellenbogengässchen in der großen Glasfassade. Von diesem Eingang im Staffelgeschoss führt eine kurze Treppe mit Rollstuhllift in die erste Vollebene von der aus auch wieder der Fahrstuhl erreichbar ist.
Das Haus Eckstein als Haus der Kirche ist als Haus mit viel Begegnungsraum konzipiert. So dient die gläserne Treppen- haushalle nicht nur als reiner Wegraum sondern vor allem der Begegnung und dem Austausch, der Kommunikation.
Die offenen Freitreppen sowie die mehreren im Haus verteilten Treppenhäuser dienen nicht nur als Fluchtwege sondern vor allem dazu, eine Bewegungsdynamik im Haus zu schaffen. Egal wo das Ziel liegt, es gibt mehrere Wege, es zu erreichen und dabei wird zumeist auch eine der vielen Teeküchen pas- siert, die ebenfalls Teil des Begegnungskonzeptes sind. Neben den Teeküchen, Informationswänden und verstreut plazierten Stehtischen gibt es in der Treppenhaushalle auch einige kleine Sitzgruppen, die zum Gespräch einladen.
Die ganze Treppenhaushalle ist hell und offen gestaltet und mit vielen Pflanzen ausgestattet. Eine Reihe von Kübelpflanzen steht an der Glasfassade verteilt und eine hängende Pflanz- kastenkonstruktion befindet sich mitten in der Halle an der ehemaligenAußenwanddesOstbaus.DiePflanzeninstallation wird durch ein Regenwasserreservoir vom Dach gespeist. Pflanzen, Sitzgruppen sowie einige verteilt plazierte Details verleihen der Halle einen freundlichen Charakter mit viel Aufent- haltsqualität sodass der erste Eindruck eines Missverhältnisses zwischen Nutz- und Bewegungsfläche aufgehoben wird. Das Nutzungskonzept des Eckstein hätte kaum eine andere Verteilung der Flächenverhältnisse zugelassen.

Haus Eckstein in Nürnberg

Eckstein Haus der Kirche Nürnberg
[su_note note_color=“#e0e0e0″]Das Haus Eckstein in Nürnberg wurde zuletzt von Architekturbüro Fritsch + Knodt & Klug umgebaut. Der Geschichte und dem Umbau des Hauses wird eine kleine Serie gewidmet, die in den nächsten Wochen auf Raumzeichner.de erscheinen wird. Neben der Architektur werden auch Städtebau und Geschichte analysiert und beschrieben.[/su_note]

Geschichte des Hauses

Unter dem Eintrag „Ellenbogengässchen“, das durch den neuesten Umbau durch das Architekturbüro Fritsch + Knodt wieder hergestellt wurde, konnte im Bestand der Kommunalregistratur ein Grundstücksverkauf des “FlurstücksNr. 6101/2 der Gemarkung Sankt Sebald“ von der Stadt an „die Buchdruckerei W. Tümmels und den Verlag des Fränkischen Kuriers GmbH“ aus den Jahren 1941-1943 (C 7/VIII Nr. 1122) gefunden werden (Stadtarchiv Nürnberg).
Die erste Erwähnung des Grundstücks zur Burgstraße 1-7 in den Unterlagen des Stadtarchivs Nürnberg stammt vom 29. Juli 1879 aus einem Protokoll. In den Akten des Stadtmagistrats Nürnberg mit dem Betreff: Gesuch des Grundstücksbesitzers Wilhelm Tümmel um Aufstellung eines Dampfkessels […] vom 1. Oktober 1892 wird der Schriftverkehr samt einfacher Skizzen zum Umbau für den Einbau eines Kessels festgehalten.

Bilder mit freundlicher Unterstützung aus dem Stadtarchiv Nürnberg.

Der Architekt Georg Heim errichtete 1887/88 das “Haus des Fränkischen Kuriers“ an dieser Stelle. Aus alten Zeichnungen geht hervor, dass sich das Haus radikal veränderte, die Kubaturen aber blieben. Da in den Akten aus 1887 von der Errichtung gesprochen wird, ist spekulativ, ob das Gebäude in diesem Zug völlig abgerissen wurde (Zu einem Abriss konnte ich keine Belege finden.).
Unter Wahrung der vorgefundenen mittelalterlichen Baufluchten und Grundstücksstrukturen entstand ein Gebäudeensemble im „Nürnberger Stil“. Es wurde bewusst kein nüchterner Fabrikstil gewählt sondern eine würdige und harmonische Repräsentation.

Der Nürnberger Maler Friedrich Wanderer beriet Gerorg Heim stilistisch und griff auf die traditionellen Bauformen wie Chörlein, Ziergiebel und Erker zurück.
Die Bombenangriffe des 2. Weltkrieges zerstörten den gesamten Gebäudekomplex bis auf die südwestliche Ecke.

Wiederaufbau Druckerei Tümpels 1952 und Umbau 1968

Momentaufnahmen des Wiederaufbaus

Ab 1952 plante der Architekt Hans Huthöfer den Wiederaufbau des gesamten Areals. Von seiner Planung wurden allerdings nur Teile verwirklicht.
Es entstand ein für den Druckereibetrieb abgestimmter Betonstützbau in Verlängerung zum noch bestehenden zum Rathausplatz traufständigen Gebäude zwischen Burgstraße und Krämergasse. Die unbebauten Flächen dienten als Lade- und Rangierfläche der Druckerei.
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Nürnberg Ellenbogengässchen

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Nürnberg Ellenbogengässchen 49.456160, 11.077053

Allein der Funktion folgend wurde auf das repräsentative Äußere des Neubaues völlig verzichtet. Die inneren Funktionsabläufe standen im Vordergrund der Planung, sodass vergitterte Fenster sowie versteckte Zugänge entstanden und provisorische Zwischen- und Anbauten den Charakter des Rathausplatzes gänzlich veränderten.

Halbwachsengässchen 2, Untere Krämergasse 4 (Links), 1942

Aus einem Schreiben vom 12. Oktober 1948 von der Technischen Abteilung der Baupolizei an das Stadtbauamt geht hervor, dass laut Architekt die Erstellung eines Lagerschuppens zur Unterbringung von Material während der Bauarbeiten unbe- dingt notwendig sei. Anfang 1954 wurde laut Schlusskontrolle die Errichtung eines behelfsmäßigen Schuppens und eines Transformatorenraumes fertiggestellt.
Die Baupolizei setzt schon in einem Schreiben vom 26. Oktober 1948 Bestimmungen über den Umgang mit Materialien beim Bau des Hauses fest. So wird unter Anderem festgelegt, dass zur Mörtelbereitung nur scharfkantiger Bausand verwendet werden darf.
Sand- oder Backsteine sind laut Bestimmung gründlich zu reinigen, wenn sie aus einem Abbruch stammen.
Backsteine dürfen nur unter Verwendung von Portlandzement vermauert werden.
Die Untersichten der Treppen und der Podeste sind weiß zu verputzen.
Die Außenwände des Gebäudes sind zu verputzen und zu streichen.

Aus der Baubeschreibung vom 23.7.1968, unterschrieben mit Hans Huthöfer, Architekt BDA, für die erdgeschossige Hofüberbauung im „Anwesen der Firma W. Tümmels-Verlag, Nürnberg, Burgstr. 1-7“ geht hervor, dass die im Keller überdeckte Hofanlage im Erdgeschoss eine Maschinenaufstellung ermöglichen soll, weshalb eine Abstützung der Decke ins untere Kellergeschoss von Nöten sei.
Im Zuge dieser Baumaßnahme fertigte man eine Stahlkonstruktion zum Abfangen an, die im Keller auf die vorhandenen Fundamente und Mauern aufgestützt wurde. Diese Stahlkonstruktion wurde durch die Decke hindurchgeführt und oberhalb als Stütze für eine Überdachung genutzt.

Die Überdachung wurde aus vorgefertigten Betonteilen gebaut. Die statischen Berechnungen ergaben eine Belastarkeit der Decke mit 1,0t/m2. Die Fensterbrüstungen in Richtung der Maschinenhallen wurden herausgebrochen und die Fenster entfernt, sodass es eine Verbindung hergestellt werden konnte. Die an der Burgstr. gelegenen Räume wurden von ihr aus belichtet und belüftet während der neu überdachte Teil nun nur noch durch Lüftungskuppeln mit Frischluft und Licht versorgt werden konnte. Die Konstruktionen wurden aufgrund der hohen Gefährdung allesamt feuersicher ummantelt.

Ist die Umnutzung von Gebäuden historisch relevant oder ist es nur nostalgische Wehmütigkeit, die dafür sorgt, dass Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden?

[su_note note_color=“#e0e0e0″]Teil 2 – Heutige Nutzung [/su_note]

am Alexanderplatz kriegt man das Heulen

In der Berliner Zeitung gibt es heute ein sehr interessantes Interview mit der Architektin Theresa Keilhacker, die Vorsitzende des Fachausschusses nachhaltiges Planen und Bauen an der Architektenkammer Berlin und Ratsmitglied der Stadtentwicklung Berlin.

Theresa Keilkacker URBAN DESIGN • ARCHITEKTUR

Berlin Mitte droht zum ‚Museum ohne Dach‘ zu werden, wenn man nicht durch Stärkung des Wohnanteils dagegen wirkt.
Es wird über vertane Chancen nach der Wende, Durchmischung der Bevölkerung mit Hilfe von Wohngeld und damit dem Entgegenwirken vor Ghettos und Slums, sowie städtebauliche und architektonische Entwicklungen gesprochen. Thematisiert wird das Brachland um den Hauptbahnhof, für das es wettbewerbauslobende Bauherren geben muss sowie der Umgang mit der alten Substanz in Berlin.

Meinung: Ähnlich wie in Frankfurt ist es auch in Berlin wohl kein Allheilmittel, einen gigantischen Elektronikmarkt in eine Stadt zu pflanzen. Der Bestand wird unterdrückt und weggeschoben, in den Schatten gerückt. Mit einem kreativen städtebaulichen Umgang würde der Bestand, so kritisch er auch betrachtet werden mag, zur Geltung kommen. So wie es jetzt geschieht, wird im die Chance dazu genommen. Der Bestand ist Geschichte und jedes alte Gebäude war zunächst einmal ‚Veraltet‘ bevor man den kulturellen und geschichtlichen Wert darin entdecken konnte, der es letztendlich zum Denkmal werden ließ.

„Die Architektin Theresa Keilhacker über die Ignoranz gegenüber der Ost-Moderne, die Gentrifizierung von Stadtgebieten und die Zukunft von Tegel und Tempelhof“ Ein Interview geführt von: Ralph Kotsch, Ulrich Paul

Quelle: Berliner Zeitung Nummer 195, Montag, 22. August 2011, Seite 18

Ursprünglich veröffentlicht auf dem Pfaffenberg-Blog.

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