Plötzlich Architekt

Schön war die Studienzeit und jetzt ist man AiP

Viel Zeit bleibt einem als AiP (Architekt im Praktikum / Absolvent in der Praxis, jeder versteht etwas anderes darunter) nicht, aber mit genügend Zeitmanagement kann man auch neben der Arbeit im Büro produktiv an eigenen Zielen arbeiten.

Zeitmanagement nach der Uni

Mein Jahresziel, einen Gastbeitrag zu schreiben, wurde schon umgesetzt und so erschien Anfang Januar auf Stadtsatz ein Artikel zur Wirkung von Architekten auf ihre Umwelt.

weniger Komfort

Die Umstellung vom Uni- auf den Arbeitsmodus ist aber nicht unbedingt einfach. Wenn man vorher ewig zu Hause saß und auf Sofa oder gar Bett die Pläne für die nächste Abgabe anfertigte, so muss man heute um 5 oder 6 aufstehen und in einem ansehnlichen Zustand um 8 auf der Arbeit antreten. Hat man früher seine Zeit oft im Arbeitsraum in der Universität verbracht und dort mit Kommilitonen gerne mal eine Stunde über ein Detail eines Entwurfes gefachsimpelt, dann muss man jetzt innerhalb von 10 Minuten ein Detail lösen oder ein anderes in Betracht ziehen. Man darf sich nicht mehr verplauschen und man legt sich nicht mehr über zwei Stühle während man eine Ansicht zeichnet.

Bürodepression

Arbeiten im Büro ist weitaus unbequemer, als das Arbeiten im ungezwungenen Umfeld. So kommt es auch, dass man nach nur 8 Stunden Arbeit im Büro gerne mal erschöpfter ist als nach 16 Stunden im Arbeitsraum oder am Küchentisch. Man wird zur Effektivität gezwungen, was im Endeffekt aber gar nicht gut sein muss, denn man ist sicherlich nicht die 8 geforderten Stunden hochproduktiv. Der Kopf braucht ab und zu einfach eine Auszeit. Man kann ihn zwar mit Kaffee und Energy zwingen, Leistung zu bringen und Aufgaben mehr oder minder schnell abzuarbeiten, aber allein das ‚offizielle Umfeld‘ eines Büros kann den kreativen Geist sehr einschränken. Auch bei Aufgaben, die keinerlei Kreativität bedürfen, kann es durchaus sein, dass man viel schneller ermüdet. Mal eben spontan mit einem Kommilitonen joggen gehen oder eine Runde mit dem Mountainbike drehen, wenn man merkt, der Kopf ist nicht mehr bei der Sache, geht nicht mehr. Das führt dazu, dass sich Stress ansammelt. Man fühlt sich zunehmend unwohl und wenn man ein sehr freiheitsliebender Mensch ist, dann fühlt man sich auch im sprichwörtlichen goldenen Käfig eingesperrt.

Fortbildungen

Neben all den unliebsamen Eigenschaften der Umstellung von Uni auf Büroalltag gibt es aber immer noch ein paar gute Sachen an der Zeit direkt nach der Uni. Bis man die rund zwei Jahre Berufserfahrung gesammelt hat, ist man von den Architektenkammern dazu gezwungen, Schulungen zu besuchen um sich weiter zu bilden. In manchen Bundesländern ist es auch später in etwas geringerem Umfang noch Pflicht, aber Seminare und Kurse sind Bestandteil des AiP-Lebens.

Während man Vorlesungen früher noch verteufelt hat, bietet eine Schulung nach dem Abschluss wieder die Möglichkeit, das Gehirn mit Input zu versorgen, den man im Büro schmerzlich zu vermissen lernt. Man knüpft Kontakte, hat für einen oder mehr Tage ein frisches neues Umfeld und wird manchmal sogar von einem Caterer besser versorgt, als man es im Alltag selbst macht.

 keine freie Zeiteinteilung

Das Ziel, nach Korea zu reisen, wurde zugunsten des Ziels, viel über Denkmalpflege zu lernen, verschoben. Anstatt der langen Koreareise gibt es nun die Fortbildung Qualifikation Denkmalschutz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für das neue Jahr 2015. Das war schon im Dezember abzusehen, aber ich bin mir noch gar nicht sicher, ob das nicht vielleicht doch eigentlich eine Gute Nachricht ist. Eine Fortbildungsreihe kann einen ein ganzes Jahr beschäftigen und einen immer wieder für 1-5 Tage aus dem Büro holen. Allerdings kann man in dieser Zeit auch keinen Urlaub nehmen. Wenn der Kurs also ein mal im Monat einmal Anwesenheit bedingt, kann man nicht mal eben wegfahren. Denn die Woche davor und danach wird man ja im Büro gebraucht. Des Weiteren kann man Pech haben und die Mitarbeiter mit Kindern bekommen in den Ferienzeiten frei. Will man selbst in der Zeit mit Freunden, die vielleicht auch auf Schulferien angewiesen sind, in Urlaub fahren, kann man bei einer Urlaubssperre in dieser Zeit das Nachsehen haben.

Auf dem Bau ist man teilweise auch davon abhängig, wann die Vielzahl der Firmen, mit denen man zusammen arbeitet, Betriebsferien haben.

Identifikationsproblem

Während man in der Uni hinter seinen Projekten stand und sie wie eine Löwenmutter verteidigte, kann man als AiP das Pech haben, die eintönigsten Aufgaben aufs Auge gedrückt zu bekommen. Man kann sich ja nicht wehren. Die Chefs und die älteren Mitarbeiter suchen sich die Rosinen (oder andere bevorzugte Aufgaben) heraus und für den AiP bleibt das übrig, wofür der Praktikant noch nicht qualifiziert genug ist. Oder er muss den Praktikanten unterstützen. So werden im Akkord Pläne gefaltet, Planköpfe ausgefüllt, Massen für das 382. Wärmedämmverbundsystem (WDVS) gezogen, Bauanträge kopiert oder Telefonate angenommen.

Hat man nicht das Glück, ein ansprechendes Projekt zugewiesen zu bekommen, muss man eventuell sogar gegen seine eigenen tief verwurzelten Prinzipien arbeiten, weil der Kunde das so will und dafür bezahlt. Architekten haben oft das Bedürfnis, die Welt zu verbessern, weil sie wissen, wie es besser und ökologischer gehen würde, aber Bauherren interessieren sich meist für’s Geld und wenn nicht, dann hätten sie gern genau das Design, das ihnen vorschwebt, auch wenn dafür Materialien genutzt werden (müssen), denen man ggf. skeptisch gegenüber steht.

Jede freie Minute nutzen

Man ist es nicht gewohnt, sich plötzlich an stetige Feierabende halten zu müssen. Spontanes Mittagessen mit den anderen in der Mensa oder ein Meeting im Café sind selten drin. Da muss man schon die Bahnfahrten oder die meist viel zu verplanten Wochenenden nutzen, um ein gutes Buch zu lesen oder anderen Projekten nachzugehen. Auch eine Webseite ist ein solches Projekt. Im neuen Jahr hat sich das Aussehen von Raumzeichner minimal geändert. Beitragsbilder sind jetzt quadratisch, statt bannerförmig. Ich steh ja total auf Quadrate, auch wenn mich gerne manch einer steinigen will. Das kam so zwischendurch, neben Arbeit, Freunden und Schulungen. Ist man nach der Uni zum ersten Mal Pendler, lernt man es zu schätzen, wenn man endlich wieder zu Hause ist. Vor allem wenn im Winter die Bahnen nur fahren, wie sie wollen.

Sobald es abends länger hell ist, kann man nach Feierabend die Parks besuchen und da ein wenig Sonne tanken, sich mit Freunden treffen und vielleicht auch wieder etwas Outdoorsport betreiben. Sitzt man im Büro, kann man gerade im Winter den Zustand haben, vor Sonnenaufgang im Büro anzukommen und erst in der Abenddämmerung die Tür wieder hinter sich zu zu ziehen. Obwohl man auch im Sommer manchmal sehr lange arbeitet und teilweise bis in die Nacht schuftet, sollte es zumindest da eine Ausnahme sein. Im Winter kann es einem gerne mal 3-4 Monate am Stück so gehen und nicht alle vertragen das gut. Was machst du im Winter, um deine Portion Sonne zu tanken?

eine Frage der Sichtweise

Anetts Blogparade #Raumgefühl hat mich im Dezember dazu inspiriert, nochmal das Architektur-Gebäude der TU Kaiserslautern unter die Lupe zu nehmen. Da ich so etwas wie „Heimweh nach Bau Eins“ empfinde, traue ich mich fast zu sagen, ich hätte mich mit der Studienzeit wieder versöhnt. Mit den Lehrmethoden zwar nicht, aber das Studieren wünsche ich mir doch wieder zurück und eine Zukunft ohne Studium kommt mir so surreal vor, nachdem diese Institution 7 Jahre meines Lebens bestimmt hat.

Ziele verfolgen

Gerade wenn die Zeit langsam knapp wird, ist es wichtig, Ziele im Auge zu behalten. Natürlich kann man sich sein Notizbuch voll schreiben oder mit PostIts die Wohnung schmücken, aber es geht auch im Kollektiv. Ein solches kollektives Aufrütteln habe ich schon Ende letzten Jahres vorgestellt. Da der Monat nicht genug Tage hat und es den Umfang dieser Seite doch sprengen würde, wird Erik nicht jeden Monat vorbei kommen und etwas erzählen, sondern jeden zweiten Monat Bericht erstatten, welche Ziele erreicht und welche verworfen wurden. Immer am letzten Donnerstag des Monats, das nächste Mal also im März. Damit gibt es auf Raumzeichner zur Zeit zwei regelmäßige „Serien“. Einmal EriK und dann „3 Bilder aus…„. Wer findet, dass EriK eine gute Idee ist, kann sich auf meldipi.com anschauen, wer noch alles mit dabei ist.

Bist DU gerade AiP? Wie findest du dein neues Leben? Hast du vielleicht Ratschläge oder Hinweise?

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Studium vs. Arbeit

Universität vs Arbeit

Architekten haben diverse Pflichten und von ihnen wird viel verlangt, doch nur auf wenig davon werden sie im Studium vorbereitet oder überhaupt nur hingewiesen.
Sobald ein Architekt die ‚Komfortzone verlässt‘ und über den Tellerrand des Entwerfens hinaus schaut, wird er von Bauträgern, Bauherren und seiner Aufsichtspflicht in die Mangel genommen.

Was lernt man an der Uni?

Während des Studiums wird man intensiv auf den Entwurf vorbereitet. Der Entwurf ist die Königsdisziplin der Architekten und folglich auch das, wofür das Herz der meisten Architekten schlägt. Der Entwurf ist nicht nur das reine Denken mit dem Kopf, das weltfremde und abgehobene Ideenspektrum eines geborenen Individualisten mit schwarzem Anzug und rotem Schal, sondern viel mehr das sinnvolle Kombinieren von Möglichkeiten unter Berücksichtigung wichtiger Vorgaben bei kreativer Auslegung zwingender Einschränkungen. Vorgaben sind oft nicht konkret und selten ausreichend ausführlich durchdacht. Der Architekt ist geschult darin, sich in ein Gebäude und seine Nutzbarkeit hinein versetzen zu können und so sieht er konzeptionelle Mängel oder schlicht fehlende Punkte schneller, auf die ein Laie (was mit Verlaub die meisten Bauherren ja sind) gar nicht kommt und daher auch nicht in den Vorgaben nennt.

Der Architekt denkt also weiter und erkennt mögliche Erweiterungen der Liste, damit sich der Bauherr auch noch in 2-10 Jahren über sein Bauwerk freut und nicht in einem Jahr unglücklich ist, weil er einen für ihn wichtigen Raum nicht hat. Da sich der Architekt mit dem Bauherren auseinander setzt und sich in Menschen hineinversetzen kann, denkt er weiter, teilweise Jahrzehnte voraus, und macht Vorschläge, die den Gebäuden längere Nutzbarkeit geben.

Am konkreten Beispiel:

Ein Bauherr möchte ein Haus für sich und seine Kinder; die Familie passt hervorragend zusammen und der Familienclan möchte sich lange nicht trennen. Auch soll das Haus in Familienbesitz bleiben und niemand möchte weit weg ziehen.
Dass die Kinder irgendwann nicht mehr in der Elternwohnung leben wollen, bedenkt der Bauherr vielleicht noch und plant Einliegerwohnungen ein, dass aber irgendwann ein barrierefreier Zugang nötig wird, und daher Rampen oder gar Aufzüge notwendig werden könnten oder weitere Kinderzimmer für Enkel in Spe, hat er dann vergessen. Nach dem Hinweis vom Architekten, ist das dann aber doch in die Planung mit eingeflossen. Ein Glück, denn nach nur 9 Jahren ist es dann tatsächlich soweit, das erste Enkelchen zieht ein und alle sind froh, dass oben noch ein Kinderzimmer frei war.

Was wird vom Architekten erwartet?

Planung, Bauüberwachung, Kostenschätzung, Kostenüberwachung, Rechnungsprüfung und Schriftverkehr sind nur wenige Aspekte der Architektentätigkeit. Planen kann er ja, aber für den Rest ist er als Uni-Abgänger schlichtweg nicht vorbereitet. Was heißt das genau?
Der Diplom Ingenieur der Architektur wird mit einem Stapel Pläne auf die Baustelle gestellt und soll den Handwerkern auf die Finger schauen. Das klappt ja noch, aber dann soll er bewerten, ob die Arbeit, die diese Leute da verrichten, auch richtig ist. Das ist je nach Detailierungsgrad der Pläne relativ einfach. Bei einem 1:1 Plan, kann man kaum etwas falsch verstehen, denn da ist, wie der Name „Eins-zu-Eins“ schon sagt, wirklich alles abgebildet. Von der Dichtungsschicht bis hin zum Silikonklecks an der Fensterbank. Ist der Plan aber in 1:100 oder gar 1:200 abgebildet, dann sieht man nur schwarze Linien mit weissen Unterbrechungen, was dann Wände und Öffnungen sind. Anhand dieser abstrakten Darstellung ist es unmöglich nachzuvollziehen, wo welches Bauteil wie verbaut sein soll. – Und da soll sich dann der Herr Absolvent aus der Nase ziehen, wie das ganze funktioniert und ob das so richtig ist. Wann hat er sowas schonmal gesehen? Mit etwas Glück im Praktikum, aber das ist auch eher selten, denn Praktikanten bekommen die Bauleiteraufgaben selten zu Gesicht, immerhin ist die Bauleitung viel zu anspruchsvoll und zu fehleranfällig als dass ein Praktikant oder Werkstudent da etwas machen dürfte. 
Sobald er aber ein Zeugnis in der Hand hat, wird erwartet, dass er alles schon mehrfach gesehen hat und weiss, wie etwas verbaut wird, als wäre er ein Handwerker und hätte eine Ausbildung darin gemacht. – Und das in allen Gewerken, die es so gibt. Er ist also in der Vorstellung der Bauherren und der Gesetze ein Allroundtalent mit 200 Jahren Berufserfahrung. Oder hat es gefälligst zu sein.

Wo ist dabei das Problem?

Das Problem liegt darin, dass niemand innerhalb von einer Woche nach Erhalt des Zeugnisses, diese von einem erwarteten 200 Jahre Berufserfahrung erlangen kann und wird. Dennoch ist der Jungarchitekt dazu verpflichtet, diese Fehler und Mängel zu erkennen und anzuzeigen. Die Universitäten vermitteln viel theoretisches Wissen und die Philosophie, die hinter dem ehrenwerten Beruf des Architekten steckt, doch sie ist keine Ausbildung, in der der Auszubildende vollen Überblick in alle Gewerke erhält.
Meistens wird sogar erwartet, dass der Architekt mehr Wissen besitzt als der jeweilige Handwerker. Obwohl man meinen sollte, der Handwerker müsse wissen, welche Materialien er verbaut und wie sie chemisch miteinander reagieren, welche Hersteller mit welchen kombiniert werden können und wie man spezifische Probleme am besten löst, ist es doch immer wieder der Architekt, von dem erwartet wird, dass er dem Handwerker und dem Bauherren sagen kann, was wie wo in welcher Weise kombiniert werden kann und was wie wo und in welcher Weise funktioniert und ggf. warum es nicht funktioniert. 
Das Problem dabei: Ein Architekt ist kein Hellseher. Ein Architekt ist Planer, kein Werkstoffingenieur. Diese werden seperat ausgebildet und eindeutig besser bezahlt als jeder Architekt es jemals wird, warum also wird erwartet, dass ein Architekt das theoretische Wissen dieser hoch qualifiziert geschulten Menschen auch noch hat?

Der Lichtblick?

Absolventen des Studiengangs Architektur dürfen sich so lange nicht Architekt nennen, bis sie sich in die Architektenkammer eintragen lassen konnten. Um dies zu schaffen, muss man mindestens 2 Jahre Berufserfahrung nachweisen, alle Tätigkeitsfelder des Architekten durchlaufen und per Punktesystem eine gewisse Anzahl an Fortbildungen absolviert haben. Diese zwei Jahre geben dem Absolventen etwas Pufferzeit, um sich auf Baustellen umzusehen und ein Auge für ausgeführte Arbeiten zu entwickeln. Da er sich in den ersten zwei Jahren ohnehin nicht vollumfänglich selbstständig machen darf, ist er beschränkt haftbar und meistens irgendwie angstellt. Das Risiko liegt also nicht allein bei ihm und wenn wirklich etwas schief läuft, sollte er einen erfahrenen Chef haben, der Fehler erkennt und weiß, wie man zu handeln hat.
Doppelter Boden mit integriertem Fallnetz sozusagen.

Dass man nach der Uni erstmal ‚Nichts‘ weiss, ist nichts neues, allerdings fehlt mir im Bereich Architektur definitiv ein Trainee-Programm, das als erweiterte Ausbildung gesehen werden kann. Architektur-Absolventen werden ins eisige Wasser geworfen, was bei großen Unternehmen teils durch Mentoring-Programme abgemildert wird, in kleinen Büros aber duraus kritisch und rechtlich riskant sein kann.

Das Fernweh des Architekten.

Das Fernweh des Architekten - Artikel

Wer lernen will, muss reisen.

Architekten und Städtebauer sind nicht die einzigen, die das Reisen lieben, doch gerade diese beiden Berufe können kaum anders lernen. Man lernt am besten mit allen Sinnen. Architekten und Städtebauer beschäftigen sich mit Gebäuden, Plätzen, ganzen Städten. Ihre Passion sind urbane Strukturen und die wollen sie verstehen, damit das Wissen der früheren Generationen rekonstruiert und angewandt werden kann.

Reisen zum Studieren

Warum wirken manche Plätze einladend und heimelig während andere offen und abweisend erscheinen? Ist nicht unser aller Anliegen, offene und weitläufige Plätze in Städten zu haben um urbanes Leben zu pflegen? Nein, ganz so einfach ist es nicht. Es gibt viele Parameter, warum ein Platz wirkt und funktioniert. Dabei reicht es nicht, von Plätzen und ihrer wunderbaren oder schrecklichen Ausstrahlung zu lesen und darüber zu diskutieren. Als Diskussionsgrundlage dient einzig die eigene Erfahrung und das eigene Empfinden.
Das gleiche gilt für Gebäude. Es reicht nicht, über Sinn und Unsinn von Grundrissen und Raumfolgen zu diskutieren, wenn man das Ambiente nicht erlebt hat. Gebäude können durchaus unwirtschaftlich geplant worden sein und erfüllen dennoch jeden gewollten Zweck, wenn sie nur die richtige Stimmung im Besucher hervorrufen.
Ob es repräsentierende Treppenkonstruktionen sind oder gemütliche private Galerien, es kommt auf die verwendeten Materialien an, auf das natürliche Licht, die künstliche Lichtführung, auf Haptik, Geruch und Schallentwicklung.
So viele Aspekte können nur durch das Begehen und Erleben dieser urbanen oder architektonischen Räume erkannt und verwertet werden.

Der Architekt als Tourist

Als Architekt regt man sich gern über die Touristen auf, die knipsend durch die Städte eilen und an den interessantesten Gebäuden achtlos vorbei rennen. Er ist auch ein Tourist in einer fremden Stadt, aber er geht mit einem völlig anderen Blick hindurch, obwohl er die gleichen Empfindungen hat, wie der ‚gemeine Tourist‘. Eine Reise ist für einen Architekten weniger Erholung, sondern viel mehr eine Schulung.

Rom Siedlung Garbatella

Während andere sich in Cafés amüsieren und der fremden Sprache lauschen, analysiert das Architektenhirn, ob dieser Ort nicht besser hätte konzeptioniert werden können. Regionale Eigenheiten werden erkannt, analysiert und innerlich ausgewertet. Gegenden und Plätze werden miteinander verglichen und Fotos haben einen dokumentarischen Stellenwert.
Während der Otto-Normal-Tourist seine liebsten vor die Linse bekommen will, ist der Architekt froh, wenn möglichst keine Menschen das Bild der ruhenden Stadt stören.

Abseits vom Tourismus

Da Touristenströme immer im Weg rum stehen, flieht der Architekt in abgelegene Gassen!
Nein, natürlich nicht. Aber den Touristen der hürdenhaft auftretenden Spezies „Architekt“ interessieren beispielsweise auch Wohnsiedlungen, die geplanter Maßen entstanden sind. Sie üben die gleiche Faszination wie Plätze aus. Sie funktionieren oder funktionieren nicht. Das Ergründen dieser Qualitäten liegt dem Architekten so im Blut, dass er sich selbst ein Bild davon machen will, und dafür teilweise sogar weit fährt.

Rom Siedlung Garbatella

So machen sich Architekten nicht selten auf in heruntergekommene Gegenden, in denen der Putz nur noch durch die Wäscheleinen an der Wand gehalten wird und die Fensterläden schon längst als improvisierte Tischplatten missbraucht wurden. Wo die Mauersteine nur noch aus reiner Gewohnheit das Dach in die Höhe halten und der Müll durch die Gassen weht, packt den Architekten Wehmut und er will herausfinden, warum die Siedlung nicht mehr so genutzt wird, wie sie einmal sollte. Oft erkennt er noch die erdachten Raumqualitäten, aber Zeit und der Unwille, Gebäude und Straßenzüge zu pflegen, haben auch den besten Entwurfsgedanken verkommen lassen. – Und dann entbrennt in ihm der Wunsch, es später einmal besser zu machen, denn er weiß ja nun, worauf es ankommt. Und wenn nicht, wird er sich noch weitere Tage lang den Kopf zerbrechen, bis er die räumlichen Strukturen mit seinem Geist durchdrungen.

Die Finanzierung der Studienreisen

Während manche Studenten reiche Eltern haben und einfach hin reisen können, wohin sie wollen, ist der Durchschnittsstudent und -architekt gar nicht gut genug betucht, um alles genau so zu machen, wie er gern würde.
Eine Methode, dennoch viel zu reisen ist folgende:
Ab und an gibt es Last-Minute-Angebote von Fluglinien, denn ein günstig verkauftes Ticket ist besser als ein leerer Sitz. Wenn man also spontan ist, kann man zum Flughafen gehen und den erstbesten Flug nehmen. Er wird schon in eine interessante Stadt führen, denn jedes Fleckchen Erde hat irgendetwas an sich, das den Planer interessiert. Man muss nur offen dafür sein. Sogar ‚langweilige‘ Reisen sind Reisen, während denen man etwas lernen kann, denn dann kann analysiert werden, warum diese Orte so wenig ansprechend sind. – Und es dann später besser machen.
Eine weitere Methode ist „Blind Booking“. Man hat einen Preis und sucht sich einen Abflughafen sowie ein Abflugdatum raus. Ein paar Tage später erfährt man dann, wohin die Reise geht. Diese Angebote sind aber schnell ausgebucht und meist begrenzt, man sollte sich also sputen.
Meine erste Blind-Booking Erfahrung wird mich nächstes Jahr nach Riga in Lettland führen. Um auch das Meiste aus dem Trip heraus zu holen, sollte man möglichst bald mit den Recherchen anfangen. Je mehr man über den Ort weiß, den man bereist, desto mehr Interessantes fällt einem auf und desto mehr Nutzen kann man aus der Reise ziehen.

Das immerwährende Fernweh

Städte, die ich bereist habe.

Hier eine kleine Auflistung von Städten, die ich bereist habe oder in denen ich sogar gelebt habe. Diese Liste ist natürlich nicht vollständig und in manche Städte sollte man durchaus auch öfter mal fahren. Die Erinnerungen verblassen langsam und durch neue Erfahrungen lassen sich neue Eindrücke sammeln.

Bewohnt:

  • Berlin (geboren und aufgewachsen)
  • Nürnberg (2007-2008)

Bereist:

Deutschland:

  • Rothenburg ob der Tauber
  • Mannheim
  • Frankfurt am Main
  • Leipzig
  • Hamburg

Ausland:

  • Venedig (Italien, 2004)
  • Amsterdam (Niederlande, 2007)
  • Prag (Tschechien, 2009)
  • Paris (Frankreich, 2010)
  • Zürich (Schweiz, 2011, …)
  • London (UK, 2011, 2012,…)
  • Karnity (Polen, 2011)
  • Kaliningrad (Kaliningrad, 2011)
  • Kopenhagen (Dänemark, 2011)
  • Rom (Italien, 2012)
  • Santander (Spanien, 2012)
  • Bern (Schweiz, 2013, …)

Orte, die ich noch bereisen möchte oder werde.

Wünsche:

  • Seoul & Busan (Südkorea)
  • St. Petersburg (Russland)

Pläne:

Deutschland:
  • Köln
  • Bonn
  • Görlitz
Ausland:
  • Riga (Lettland, Anfang 2015)

 


Dieser Beitrag ist ein Teil der Fernweh-Blogparade.

 

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