6. Februar 2014 raumzeichner

Bundesrechnungshof | Diplomarbeit 2014

Konzept

Das Ziel des Entwurfes ist, das Gebiet zwischen Berliner- und Bethmannstraße aus der Isolation zu holen und neu zu beleben. Dazu ist eine vielfältige Nutzungsdurchmischung und die Anbindung an die Stadt nötig. Durch die Insellage des Baugebietes hat es nicht nur sich selbst sondern auch den südlich angrenzenden Teil abgeschottet und für Fußgänger, die aus dem nördlichen Gebiet kommen, keinen Anreiz geboten, Richtung Main weiter zu gehen. Die von Norden kommende Straße „Großer Hirschgraben“ wurden abgeschnitten, der Tunnel machte ein Überqueren der Straße hindernisreich und der lange Riegel am Bundesrechnungshof ein Umgehen aufwändig. Durch Verschmälerung der Straße, Entfernen des Tunnels und öffnung des Areals auf der Nord-Süd-Achse wird das Gebiet durchlässig und verliert den abschottenden Charakter .

Neben der Ausbildung einer Infrastruktur ist auch das Besiedeln mit anziehenden Nutzungen nötig, um das Gebiet zu beleben. So finden sich im Entwurf eine Hotelnutzung im denkmalgeschützten Bundesrechnungshof sowie Wohnungen, anmietbare Büroetagen und Gastronomie  um eine ganztägige Nutzung zu gewährleisten.
Eine Straßenbahnhaltestelle im Süden des Geländes verbessert die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr und ein Parksystem unter dem Grundstück schafft platzsparend die Abstellmöglichkeit für rund 260 PKW und somit eine Entlastung des ruhenden Verkehrs am Gelände. Damit werden attraktive, fußläufig erreichbare Freiflächen geschaffen.

Zwei in sich schlichte, aber zusammen geschobene Körper bilden die Grundform des neuen Entwurfes, die die Nutzungen Wohnen und Arbeiten beinhalten. Der kleine Körper beinhaltet die Büronutzung mit variablen Grundrissen während der hohe, schlanke Körper vielfältige Wohnnutzungen von der Single- bis zur großen Maisonettewohnung anbietet. Die Maisonettewohnungen befinden sich zwischen den beiden Treppenkernen des Gebäudes und verbinden mit ihrer Ausführung als Crossover die Belichtung von Nord- und Süd und die Reduzierung von Erschließungsfläche. Die anderen Wohnungen haben entweder eine Südausrichtung oder zweiseitige Belichtung.

Energie und Ökologie

Die Nähe zum Wasser und somit die eingeschränkte Bebaubarkeit sowie die umgebende, niedrige Bebauung erlauben eine großzügige Sonneneinstrahlung auf das Gelände und die entstehenden Bauten, sodass eine intensive Nutzung der Sonneneinstrahlung möglich ist und Solarpanels genutzt werden können um die Energieeffizienz der Anlage zu steigern. Die nachhaltige Energieerzeugung reduziert Ressourcenverbrauch und und Emissionen.

Nachhaltigkeit und Sparsamkeit werden immer wichtigere Themen bei der Planung ökologischer und umweltschonender Gebäude. Je weiter man auf konventionell erzeugte Energie verzichten kann, desto weniger wird die Umwelt in Mittleidenschaft gezogen und das Gebäude wird unabhängiger. In Deutschland steigt seit 1990 die jährliche Sonneneinstrahlung durch verminderte Staub- und Schadstoffemissionen. Die Verwendung von solarenergiegewinnenden Vorhangfassaden an Süd- und Westfassade ermöglichen eine erhöhte Energieeffizienz des Gebäudes ohne optische Beeinträchtigung.
Solaranlagen nutzen diffuses und direktes Sonnenlicht und verschiedene Solarzellen besitzen verschiedene Empfindlichkeiten. Dünnschichtmodule unterscheiden sich in Wirkungsgrad, Einstrahlungs- und Temperaturabhängigkeit von kristallinen Modulen. Sie haben eine höhere Verschattungstoleranz als Standardmodule, und nutzen energieschwächeres Licht (z.B. bei Bewölkung, diffuses Licht) besser aus als mono- und polykristalline Module. Neben den nach Süden ausgerichteten Systemen eigenen sich durch die vertikale Ausrichtung auch die nach Nordwest und Ost orientierten Fassaden zur Energiegewinnung durch die Einstrahlung der tiefer stehenden Morgen- und Abendsonne. Sie tragen so zu einer gleichmäßiger über den Tag verteilten Energiegewinnung bei. Als abschließendes Bauteil des Neubaus werden Photovoltaik-Elemente an Stelle von herkömmlichen Panelen im Form einer hinterlüfteten Vorhangfassade als Kaltfassade eingesetzt und bieten damit eine Erhöhung der Energieeffizienz in zweierlei Hinsicht. Als Bestandteil des Gebäudes bildet sie die unverzichtbare schützende Hülle und liefert direkt nutzbare Energie. Der Energieaufwand für die Herstellung von Photovoltaik [PV]-Anlagen ist eine Vorleistung die mit der Gewinnung von Solarstrom zurückgezahlt wird. 1,8-3,6 Jahre sind geschätzt für die energetische Armotisierung einer Anlage in Deutschland realistisch. Die Ausführung der Gebäudehaut als Lochfassade vermindert die direkte sommerliche Wärmeeinstrahlung und damit die Überhitzung der Räumlichkeiten. Dabei erlaubt die leichte, vorgehängte Elementfassade großzügige Fensteröffnungen und verbindet dies mit dem Vorteil, gleichzeitig große Flächen für die Photovoltaik-Anlage zu bieten, während die Hinterlüftung den Wirkungsgrad der PV erhöht.

Holz

Die Verwendung von Holz als umweltgerechtes und leichtes Rohmaterial in der gesamten Fassade vermindert nachweislich die graue Energie des Neubaus. Die brandschutztechnische Gefahr von Holz im Bau ist bei fach- und sachgerechter Verwendung hauptsächlich psychologischer Natur, wie der Bau und die Planungen kompletter Holzhochhäuser bewiesen. Holz als konstruktives Baumaterial ermöglicht in Holzhybridbauweise Gebäude mit bis zu 30 Stockwerken und 100m Höhe. Durch die Verwendung von industriell vorgefertigten Modulen ist der Aufbau schnell und ressourcenschonend.

Brandschutz und Brandbekämpfung

Die nichttragende Außenfassade ist als hinterlüftete, mit Mineralfaserdämmstoff gedämmte Konstruktion ausgeführt. Der geschossweise Einbau eines im Brandfall im Hinterlüftungspalt aufschäumenden Brandschutzbandes verhindert die Brandweiterleitung hinter der Fassade. Desweiteren dient die Stahlbetondecke mit mehr als 20cm Stärke als Brandschutzabschottung zwischen den Geschossen. Die baurechtlichen Anforderungen werden durch Verwendung schwerentflammbarer oder nichtbrennbarer Materialien erfüllt. Der Einbau von Rauchmeldern und Sprinklern erweitert das Brandschutzkonzept und gewährleistet eine gesteigerte Sicherheit des Gebäudes. Im Brandfall kann die elektrische spannungsführende PV-Fassade durch die Fenster durchdrungen werden. Feuerwehraufzüge sowie abgeschottete Treppenräume ermöglichen den Zugang der Feuerwehrkräfte sowie das schnelle Verlassen des Gebäudes. Die Aufzugsvorräume sind zusätzlich als druckluftbelüftete Räume auszubauen.

Revitalisierung

Denkmalpflege ist  nur möglich, wenn die Denkmale genutzt werden. Damit sie nutzbar werden, sind Kompromisse nötig. Der seit über einem Jahrzehnt leer stehende Bundesrechnungshof erfährt eine Wiederbelebung durch seine neue Nutzung als Hotel. Die Struktur der ehemaligen Zellenbüros eignet sich hervorragend für eine Hotelnutzung. Auch im Hotelentwurf gibt es die Nutzungsdurchmischung des übrigen Entwurfes. Durch die neue Bebauung entsteht ein neuer Vorplatz vor dem alten Haupteingang, der seine Bedeutung weiterhin behält. Im Erdgeschoss des Hauptflügels findet sich neben der publikumsoffenen Bar und der Rezeption im Foyer auch der Frühstücksraum, der es mit seiner Lage ermöglicht, direkt nach dem Frühstück auf Erkundungstour das Hotel zu verlassen. Der Westflügel bildet den Hostel-/lowbudget-Trakt des Hotels. Dort finden sich 5-10-Bett-Zimmer und günstigere kleine Zimmer mit unmittelbarer Nähe zur im Neubau befindlichen Gastronomie. Dieser Trakt ist besonders für junge reisende Gruppen geeignet, die das Nachtleben der Stadt erkunden wollen. Im Ostflügel finden sich hauptsächlich die Sondernutzungen. Im Bereich des historischen Konferenzraumes findet auch der neue Konferenzbereich mit variablen Abtrennmöglichkeiten seinen Platz. Mittels Trennwänden kann entweder ein großer Saal oder mehrere kleine Räume gebucht und genutzt werden. Im obersten Geschoss des Hauptflügels befindet sich mit Blick auf die Skyline der Wellnessbereich, in dem man mit einzigartiger Aussicht die Seele baumeln lassen kann.

Lüften in der Stadt

Wicona WicLine 215, Hybridfenster mit Doppelfassadenprinzip ist ein zweischaliges Fenster, das einen nach innen öffnenden Flügel mit einem nach außen öffnenden Parallel-Abstellflügel verbindet. Die doppelte Verglasung ermöglicht einen erhöhten Schallschutz bei geöffnetem und geschlossenem Fenster und eine individuelle Lüftung. In den Glaszwischenraum kann ein Sonnenschutz integriert werden und die Witterungs- und Windunabhängigkeit senkt den Energieverbrauch.

Facts

  • Verortung: Alter Bundesrechnungshof FFM, Bethmannstraße / Berliner Straße, Frankfurt am Main
  • Höhe: Flacher Bau 34m, hoher Bau 59m Geschosse: flacher Bau 9 Geschosse, hoher Bau 16 Geschosse
  • Nutzung: Büro, Wohnen, Gastronomie, Hotel
  • Gesamtfläche: BGF ca 30.000 qm
  • 68 Wohnungen (zwischen 30 – 180qm),  8 Büromieteinheiten
  • PKW Stellplätze: 260 Stellplätze in automatischem Parksystem
  • Green Building: Photovoltaikanlage an der Fassade

Software

  • Vectorworks 2013
  • Adobe CS6 Photoshop, Indesign, Illustrator
  • Artlantis Studio 5
  • Cinema 4D

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About the Author

raumzeichner Julia ist #Absolventin #Architektin #Denkmalschützerin #Urbanistin #OnlineRedakteurin und einiges mehr. Sie hat jahrelange Erfahrungen in Fachschaften und Gremien gemacht, und arbeitet jetzt als Architektin, während sie alle Informationen aus den Bereichen Denkmalpflege und Urbanität wissbegierig in sich aufnimmt und mit euch teilt.

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