7. Oktober 2014 raumzeichner

Beschissene Nebenjobs

Beschissene Nebenjobs

Ohne spendable Familie erweist sich die Schul- und Unizeit für viele als arbeitsreich, denn wenn man kein üppiges Taschengeld oder Unterhaltsunterstützung für die erste Studenten-WG bekommt, das Bafög nicht reicht oder man gar keines bekommt, dann heißt es für viele: das erste eigene Geld verdienen.

Was hat man vom Nebenjob und welche Aspekte sind weniger erfreulich?

Pro

1. Keine Abhängigkeit

Je nachdem ob man von seinem Nebenjob leben kann oder ’nur‘ die Haushaltskasse aufbessert, bedeutet ein Nebenjob eine kleiner werdende Abhängigkeit von Außen. Seien es Eltern, Großeltern, das Bafögamt oder das Kindergeld; Meist reicht das Geld nicht zum Überleben und ein Nebenjob bedeutet eigen-erarbeiteter Lohn mit dem man dann machen kann, was man will, oder der es einem ermöglicht, ohne ständige Sorgen auf die Kontoauszüge zu sehen.

2. Selbstständigkeit lernen

Durch einen Job erlangt man in frühen Jahren viel mehr Selbstständigkeit als ohne. Generell ist anzunehmen, dass Menschen mit Nebenjobs weniger Unterstützung erhalten, egal ob finanziell oder durch investierte Zeit von aussen. Das heißt, sie kümmern sich selbst um Bewerbungen, gehen zu den ersten Vorstellungsgesprächen und später regelmäßig, pünktlich und zuverlässig zu ihrer Arbeit. Sie erlernen einen koordinierten Tagesablauf und lernen sich zu organisieren, damit Schule und Uni, aber auch Freunde und Freizeit nicht zu kurz kommen.
Man kann die Ferien als Saisonaushilfe durcharbeiten oder in der ‚freien Zeit‘ (frei im Sinne des Stundenplanes) mehrmals die Woche zur Arbeit gehen. Wie man es dreht und wendet, man tauscht vermeindlich freie Zeit in Arbeit und damit in Gehalt um.

3. Finanzen managen lernen

Wenn es nicht nur darum geht, das ohnehin schon ausreichende Taschengeld aufzubessern, bedeutet ein Nebenjob auch, dass man mit Geld haushalten lernt. Die Miete und Versicherungen wollen bezahlt werden und Nahrung und Kleidung sowie vielleicht auch Urlaube sind nicht zu unterschätzen. Mobilfunkverträge und allerlei andere fixe Ausgaben gehen ins Geld und diese Kosten können durch einen Nebenjob ausgeglichen werden.

4. Neue Erfahrungen | Bekanntschaften | Perspektiven

Wie man es auch dreht und wendet, wie eintönig ein Nebenjob auch sein mag, man macht zwangsläufig neue Erfahrungen. Durch die Ausübung verschiedener Tätigkeiten hat man eine gute Möglichkeit ohne allzugroßes Risiko mehrere Branchen und Berufsfelder kennen zu lernen. Ob man ein Verkaufstalent ist, kann man in einem Nebenjob herausfinden, ob man lieber komplexe Tabellenkalkulationen erstellt, kann einem ein Job als Werkstudent aufzeigen, und wenn man lieber dauerhaft an der frischen Luft ist, dann weiß man auch dies recht schnell nach ein paar Wochen im neuen Job.
Durch Kollegen lernt man erstens neue Leute kennen, man lernt aber auch von ihnen, wenn man sich mit ihnen unterhält. Was haben sie bereits für Erfahrungen gemacht, was ist ihre Haupttätigkeit und warum sind sie hier? Wollen sie lange hier arbeiten oder ist das nur eine vorübergehende Option für sie? Welche Wünsche haben sie und wo kommen sie her?
Durch die Auseinandersetzung mit anderen Menschen kann man so viel für sich selbst lernen ohne deren Erfahrungen unbedingt selbst gemacht haben zu müssen. Vielleicht kommen sie aus einem Beruf, über den man noch nie nachgedacht hat, der einem aber vielleicht richtig gut liegen könnte? Vielleicht lernt man durch sie eine neue Sportart kennen oder es entwickeln sich sogar enge Freundschaften, die die Beschäftigung beim jeweiligen Arbeitgeber überdauern.
Nicht jeder Job bringt eine Vielzahl neuer Perspektiven mit sich, doch wenn man einmal selbst nicht so viel Positives für sich selbst daraus mitnehmen kann, so hat man immerhin noch den Hauptgrund: die Bezahlung. Und die findet man dann auf dem nächsten Kontoauszug äußerst positiv.

5. Soziale Kompetenz und Erkenntnisse über sich selbst

Man kommt kaum um die Interaktion mit Menschen herum, wenn man einer Arbeit nachgeht, daher lernt man naturgemäß auch mit anderen Menschen umzugehen. Man erweitert seinen Horizont im Umgang mit Menschen, die vielleicht so komplett anders sidn und vor ganz anderen Problemen stehen. Ob man nun Zuarbeiter ist oder Teamleiter wird, man lernt mit Menschen zu interagieren und wird immer besser darin, wenn man etwas daran arbeitet. Sich in andere hinein zu versetzen hilft oft auch, wenn der Funke der Sympathie zum neuen Kollegen nicht direkt überspringt.
Welchen Job man auch macht, man lernt auch über sich selbst. Man lernt durch Selbstreflektion sehr einfach, ob man einen Job mag oder nicht und kann daraus Schlüsse ziehen: Liegt es am Arbeitsort? Liegt es am Team? Liegt es am Chef? Liegt es an der Tätigkeit an sich? 
Je mehr Jobs man ausprobiert hat, desto besser kann man einschätzen, ob ein anderer einen vielleicht mehr ansprechen würde und in welche Richtung es einen überhaupt zieht.

Contra

1. Weniger Zeit als andere zum Lernen

Geht man als Schüler oder Student einer geringfügigen Beschäftigung nach, darf man nicht vergessen, dass diese Beschäftigung zusätzlich zum Normalen Alltag eines Lernenden dazu kommt. Wer also von 8 bis 14 Uhr in der Schule ist, muss nebenher noch Hausaufgaben machen, lernen und dann noch arbeiten. Studenten geht es kaum besser. Je nachdem, inwieweit sich ihre Arbeit verteilen lässt, haben sie mit Unter weniger Präsenzzeiten in der Uni, dafür aber viel mehr vor- und nachzubereiten, denn das Wissenspensum ist viel größer und die Erwartungen für eine Bestandene Aufgabe auch. Wer es dann noch schaffen will, 8-20 Stunden in der Woche zu arbeiten, schläft meistens weitaus weniger als seine Kommilitonen oder hat noch weniger Zeit für seine Freunde und für seine Haupttätigkeit: das Lernen.

2. Weniger Erholung

Während andere feiern gehen, chillen (früher hieß es faulenzen) oder sich mit Freunden im Park oder in der Stadt treffen, gehen die armen Minijobber arbeiten und servieren möglicherweise den Freunden die Getränke im Café nebenan, während sie noch die Abrechnung machen und sich mit stressigen Kunden rumärgern.
Derweil die ‚Anderen‘ den Kopf frei bekommen und erholt an ihre Aufgaben gehen können, hat der Minijobber den Kopf voll mit der Arbeit und muss sich dann daran machen, das nächste Referat oder die nächste Hausarbeit vorzubereiten. Wem wird es wohl leichter fallen?

3. Stress

Eine Steigerung von ‚weniger Erholung‘ kann ausgemachter Stress sein. Aus dem Vorlesungssaal auf die Arbeit hetzten, dort gute Mine machen, von dort an den Schreibtisch und Büffeln, dann mit Kaffee durch die Nacht und letztendlich am nächsten Morgen die Hausarbeit abgeben… Klingt nicht entspannt, ist es auch nicht. Man sollte sich zwei oder drei mal überlegen, ob man das stemmen kann, denn wenn man die Herausforderung erst einmal angenommen hat, muss man auch durchhalten, denn in den meisten Jobs kann man nicht von heute auf morgen kündigen, auch wenn sie geringfügig sind.

4. Steuerfreie Einkommensgrenzen beachten

Manchmal hat man die Chance, zb in den Semester- oder Sommerferien, sehr viel am Stück zu arbeiten und damit viel Geld zu verdienen. Dabei kann man dann weit über die üblichen 400€ im Monat hinaus gehen, man sollte aber beachten, dass man als Student oder Schüler mit Unterstützung auch Grenzen hat, über die man beim Jahresgesamtlohn nicht kommen darf, ohne dass einem die Unterstützung gestrichen oder gekürzt wird. Um eventuelle bürokratische Hürden zu umgehen, lohnt es sich daher, dann doch mal ein paar Tage frei zu haben, statt am Ende mit viel weniger Geld da zu stehen. Genauso ist es mit der Steuer, die dann kommt, wenn man mehr als die Freibeträge verdient. Steuern schlagen ziemlich zu Buche und es wäre Schade, wegen ein paar zu viel gearbeiteten Stunden auf viel Geld zu verzichten, das an den Staat geht, obwohl man selbst gerade so über die Runden kommt.

5. Gesundheitliche Probleme

Neben Stress und weniger Zeit für das Wesentliche, nämlich als Student und Schüler das Lernen, muss man sich natürlich auch davor in Acht nehmen, sich zu überarbeiten. BurnOut ist zwar ein ziemlich abgedroschener Begriff aber das Symptom gibt es schon länger als die Angst davor, ausgebrannt zu sein. Ausgebranntheit bedeutet aber nicht nur akute Unlust und hang zu depressiven Gedanken sondern kann sich auch in vermehrter Anfälligkeit für Krankheiten äußern. Je nachdem, wieviel man sich zumutet, kann es schnell zu viel sein, wenn man ständig auf ‚zwei Hochzeiten‘ tanzt. Man kann sich nicht fokussieren und verliert sich vielleicht in einer Vielzahl von Aufgaben, die dann alle darunter leiden.

Impressionista hat sich auch mit diesem Thema befasst und ebenfalls einen sehr interessanten Artikel aus ihrer Sicht dazu geschrieben. Zum Originalartikel gelangt man hier.

Sind Nebenjobs gut, schlecht oder muss man ganz genau abwägen? Wieviele Nebenjobs habt ihr schon hinter euch, habt ihr gerade einen und was waren bisher eure Erfahrungen damit?

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About the Author

raumzeichner Julia ist #Absolventin #Architektin #Denkmalschützerin #Urbanistin #OnlineRedakteurin und einiges mehr. Sie hat jahrelange Erfahrungen in Fachschaften und Gremien gemacht, und arbeitet jetzt als Architektin, während sie alle Informationen aus den Bereichen Denkmalpflege und Urbanität wissbegierig in sich aufnimmt und mit euch teilt.

Comments (11)

  1. Vielen Dank für deine Teilnahme an meiner Blogparade :)
    Ich finde es super interessant, auch mal von anderer Seite etwas darüber zu lesen. Denn jeder macht ja unterschiedliche Erfahrungen und empfindet sie unter Umständen komplett anders.
    Bei dir kann ich jedenfalls viel Erfahrung mit dem Thema Nebenjob herauslesen!
    Ich wünsche dir noch ganz viel Erfolg mit allem, was da noch kommt – beruflich und privat!
    Viele Grüße,
    Christina

    • raumzeichner

      Hey Christina,
      Ich hab in der Tat schon unzählige (ich weiß wirklich nicht mehr wie viele) Nebenjobs hinter mir und diverse Erfahrungen gemacht. Gute, schlechte und katastrophale.
      Jetzt bin ich gerade frisch in der Situation einen Hauptberuf zu haben und fange nun auch da an Erfahrungen zu sammeln. :)

      Ich bin schon gespannt auf die weiteren Teilnehmer und deren Erfahrungen!
      LG
      Julia

  2. Hey.
    Das ist mal ne super Zusammenfassung! :)
    Für mich ist noch ein wichtiger Vorteil von den meisten Nebenjobs, dass sie nicht „sooo“ wichtig sind wie der echte Job später – klar kann es wichtig erscheinen, wenn man von dem Geld die Miete zahlen muss. Aber man kann versuchen, sich einen neuen Nebenjob zu suchen und wenn der Chef einem dann mal wieder doof kommt, kann man gehen und ihn hängen lassen! – Fand ich immer sehr praktisch den Gedanken und hat mich das ganze entspannter sehen lassen! :) – Ich finde es wichtig bei Nebenjobs auszuprobieren um einen passenden zu finden! Ich kenne Freunde die jobben für 5 EUR die Std. in einem Café (wenig Geld/ viiiel Stress/ unregelmäßige Arbeitszeiten) und andere Arbeiten für 10 EUR an der Kino Kasse (mehr Geld/ weniger Stress/ man weiß eine Woche vorher wann und vor allem wie lange man arbeiten muss).

    Und dann finde ich deine Auflistung von Vorteilen sehr wichtig. Ich habe einen Bekannten, dessen Eltern viel Geld haben und ihm auch ein Auto zum 18ten geschenkt haben. Trotzdem hieß es immer, ein Auto braucht Sprit, dafür brauchst du Geld, dafür musst du arbeiten. Sie waren zwar großzügig, aber haben ihm dargelegt woher das Geld kommt und er ist somit arbeiten gegangen – ich fand das einen wichtigen Punkt – seine Eltern hätten ihm das Geld locker geben können, aber für die Entwicklung eines jungen Erwachsenen finde ich es wichtig, dass man auf dem Sprunk in die Berufswelt auch das Sprunkbrett eines Nebenjobs mitnimmt. Ich denke es ist auch wichtig, um es später leichter zu haben.

    Liebe Grüße
    Svenja

    • raumzeichner

      Hallo Svenja,
      danke für die lieben Worte :)
      Ich hatte auch so Kommilitonen, die einfach so Autos (und vielen anderen teuren Schnickschnack) geschenkt bekommen haben, aber die waren dann mit nicht so geistreichen Eltern gesegnet, dass diese gesagt haben, für den Rest musst du selbst aufkommen. Manche Eltern sehen das eben anders und irgendwann muss man hoffen, dass der Spross hinterher nicht auf die Nase fällt, wenn er ins ‚echte Leben‘ eintritt und sieht, wie der Hase wirklich läuft.

      Je nachdem, wie deren Gehabe ist, wünsche ich mir aber beinahe manchmal, dass sie doch mal gewaltig auf die Nase fallen um nicht mehr so von oben herab auf andere zu schauen, die sich ihr kleines Autochen eben selbst finanzieren müssen und nicht aus Muttis Portokasse ihr Cabrio betanken können… Ich weiss, ich bin gemein ;)

      Liebe Grüße
      Julia

  3. Im Moment habe ich zwei Nebenjobs. Einmal in einer Bar und in einem Cafe. Im Moment ist mein Wochenende einmal am Mittwoch (weil ich da vom Stundenplan frei hab) und immer nach der Bibliothek zu Hause bzw. manchmal am Samstag, manchmal am Sonntag.

    Auf jeden Fall muss deutlich mehr an Zeit managen als früher, dafür lerne ich einfach nach der Vorlesung gleich in der Bib, um zu Hause dann „frei“ zu haben. Da ich zu Hause sehr schlecht lernen kann.

    Vielleicht werde ich die zwei Jobs auch nur diese Semester nebenher laufen lassen, dass muss ich noch sehen, mein Stundenplan ändert sich auch eh spätestens nächstes Semester.
    Es ist eindeutig mehr zu machen, aber wenn es zu viel wird, dann reduziere ich wieder auf einen Job runter.

    • raumzeichner

      Hallo Julia :)
      Ich habe auch lange Zeit (fast durchgängig) während der Uni mehrere Nebenjobs gehabt und es hat wirklich schon ziemlich viel Zeit gefressen. Aber ich bereue es nicht. Einerseits hätte ich sonst mein Studium nicht finanzieren können, andererseits hat man ja auch viel über sich und andere gelernt.

      Es darf nur eben nicht so viel werden, dass man nicht mehr zum Studieren kommt. Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinen zwei Jobs und im Semester!
      LG
      Julia

  4. Ein sehr interessantes Thema! Ich hatte früher 3 Nebenjobs gleichzeitig, Putzen auf der Messe, Aushilfe im Drogeriemarkt und Bürohilfe in einer Versicherungsagentur. Da blieb nicht mehr viel Zeit zum Lernen, manchmal habe ich es nicht mal zu allen Vorlesungen geschafft. Das war aber ehrlicherweise nicht der einzige Grund warum ich nach dem 4. Semester aufgehört und eine Ausbildung begonnen habe. Bereits während der Ausbildung konnte ich sparen und in Urlaub fahren. :) Die Ausbildung war anstrengend und für die IHK-Abschlussprüfung musste ich wochenlang lernen. Die Mühe hat sich gelohnt, IHK-Auszeichnung und unbefristeten Vertrag vom Arbeitgeber. Nun studiere ich wieder, ich bin schon im 5. Semester. Diesmal habe ich es anders gemacht. Ich arbeite 30 Stunden die Woche und studiere neben den Beruf – freitags und samstags. Trotz des Verzichts aufs Wochenende lebe ich entspannter, ohne Geldsorgen, ich habe Zeit zu reisen und die Lehre ist besser als an der staatlichen Uni, die ich zuvor besucht hatte. Wenn mich einmal meine Kinder fragen sollten, was sie nach dem Abi machen sollen, würde ich ihnen raten zuerst eine Ausbildung zu machen und dann zu studieren. Erstens ist es wesentlich entspannter, man hat noch Zeit darüber nachzudenken,was man vom Leben erwartet und ist bereits unabhängig. Und einen weiteren Punkt sollte man nicht unterschätzen: Die Berufserfahrung! Wenn ich mit meinem Studium fertig bin, dann ich 7 Jahre Berufserfahrung vorweisen und zwar im gleichenn Fachgebiet und nicht nur aus Nebenjobs und unbezahlten Praktika. Vielleicht ist es für den ein oder anderen eine Überlegung wert. :)
    Grüße Myriam

  5. Hallo Raumzeichner,

    ich habe meines ganzes Studium gearbeitet. An sich finde ich es nicht schlecht, wenn man auch als Student ein wenig nebenbei arbeitet. Es öffnet den Blick für eine Welt außerhalb von Vorlesungssäälen und/ oder kann auch eine gute Praxsiserfahrung sein, wenn man einen studiumsrelevanten Nebenjob findet. Allerdings ist der Druck den man ausgesetzt wird, wenn man sich komplett selbst finanzieren muss auch sehr hoch. Dann kann man nicht einfach einmal kürzer treten, weil Prüfungen anstehen oder man auf eine Exkursion muss. Ich empfand es außerdem immer als eine Herausforderung, Dozenten begreiflich zu machen, dass ich nicht (und auch viele meiner Mitstudenten) die Wahl habe: Studium oder Arbeit. Viele sahen in unseren Jobs unsere Bestrebungen, die nächste Party zu finanzieren – dabei ging es bei den misten Studenten um so elementare DInge wie die nächste Miete zu zahlen oder sich zu ernähren.
    Ich war außerdem mit dem Problem konfrontriert, dass ich in einer relativ kleinen Universitätsstadt studiert habe und es ziemlich schwer war, einen Job zu finden – ich denke in großen Städten wie Dresden, Berli oder München hat man es einfacher, erst einmal irgendeinen Job zu finden, der einem die Miete zahlt.
    Viele Grüße
    Janine

    • raumzeichner

      Hallo Janine,
      ich gebe dir da zu hundert Prozent Recht. Bei uns kam auch oft der Einwand, man solle entweder Arbeiten oder Architektur studieren. Man solle sich doch für seine Präferenzen entscheiden und nicht beides halbmotiviert machen. Ich habe mich über solche Äußerungen immer und immer wieder aufgeregt, da ich es mir eben nicht leisten konnte, meinen Traumstudiengang zu belegen, wenn ich nicht mindestens 20 Stunden die Woche gearbeitet habe. Das konnten oder wollten sie einfach nicht einsehen. Oft kam dann auch der Eindruck auf, dass sie es ohnehin am liebsten hatten, wenn Architektenkinder Architektur studieren und diese werden eben oft von Mami und Papi finanziert. Nicht immer, aber doch sehr oft. In die „Riege“ der Architekten zu kommen, ist also gar nicht so einfach, wenn man nicht schon von Generationen an in einer namhaften Familie mit eigenem Großbüro verwurzelt ist. – Als auf eigenen Füßen stehender Student, der jeden Monat um die Miete bangen musste, habe ich mich schon oft ausgegrenzt und benachteiligt gefühlt, vor allem wenn das Argument, man müsse zur Arbeit gehen, ständig gegen einen verwendet wurde. Das zermürbt dann doch. Umso erfüllender ist es dann, wenn man es doch irgendwann schafft, sein Zeugnis in den Händen zu halten!

      LG
      Julia

  6. Schöner Artikel. Mir gefällt auch gut, dass du auch die negativen Seiten von Nebenjobs beleuchtest (zb. die Gesundheit oder das an der Uni von den Lehrkräften oft nicht gewollt ist, dass die Studenten nebenher noch arbeiten, bzw. nicht verstanden wird, dass ein Nebenjob über die Existenz entscheidet)
    Während der Schule habe ich angefangen kleine Aushilsjobs zu machen zb. Inventurhilfe. Während dem Studium musste ich dann meinen kompletten Lebensunterhalt verdienen. Und musste dann bald feststellen, dass meine Einschätzung super mit einem Teilzeitjob über die Runden zu kommen, nicht stimmte. Ich wechselte den schlechtbezahlten Job und arbeitete noch mehr Stunden und das Geld reichte trotzdem nicht für die Grundbedürfnisse. Meine Gesundheit ging dann auch den Bach runter und ich nahm dann schweren Herzens einen Vollzeitjob an.

    Ich habe dann meine Uni gebeten ein wichtiges Seminar vorzuziehen, was sehr zeitintensiv und mit viel Anwesenheit war. Es gehörte zu den letzten Seminaren, die mir noch fehlten. Ich wollte es in der Zeit machen wo ich meinen alten Job gekündigt und den neuen Job noch nicht angefangen hatte. Man hat es mich nicht vorziehen lassen. Ich konnte das Seminar nie besuchen und habe somit das Studium nie abgeschlossen.

    Ich arbeite jetzt trotzdem in meinem Bereich und habe den Job, den sicher Einige gerne gehabt hätten. Ich habe mich einfach trotz fehlenden Abschluss beworben. (Während Andere auch mit Abschluss weniger erfolgreich bei der Jobsuche waren.) Ich habe gelernt mich durchzubeißen und mich nicht so schnell abwimmeln zu lassen.
    Lg

    • raumzeichner

      Hey Goldblume,
      die Bürokratie in der Uni bricht so manchem das sprichwörtliche Genick. Ich musste zwar nicht abbrechen, aber mein geplantes Auslandssemester (inkl Stipendium, das ich hatte) konnte ich auch nicht mehr umsetzen. Schade. Inzwischen bin ich ja raus aus der Uni und der Frust über diese Zeit verblasst ganz langsam.

      Freut mich, wenn du doch noch in deinen Beruf einsteigen konntest. Was ist denn das für ein Beruf, wenn ich fragen darf?
      LG, Julia

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